eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mi, 17:50 Uhr
23.11.2011

Tafelsilber verscherbeln

Es sieht trübe aus in den städtischen Kassen. Und das wenige an Licht, sprich an Geld, wird im kommenden Jahr noch mehr verlöschen. Doch seit einigen Wochen geht den Verwaltern dieser Stadt ein Licht auf...


Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die komplette Stadtbeleuchtung soll an die Stadtwerke verkauft werden, um so wieder Geld für Investitionen in die städtische Kasse fließen zu lassen, um Kredite bedienen und um neue aufnehmen zu können. Andererseits geht der Kommune Vermögen verloren, was sich durch die Doppik wieder negativ auf das Anlagevermögen in der Bilanz auswirken wird. Immerhin soll es dabei um eine Summe von mehr als vier Millionen Euro gehen. Vorbereitet wurde das alles in der Arbeitsgruppe Finanzen.

In der nächsten Sitzung des Stadtrates soll es eine Absichtserklärung zum Verkauf geben, keinen Beschluss, da sich das entsprechende Vertragswerk sehr komplex gestalten wird. Erst mit dem Votum des Stadtrates könne dann weitergearbeitet werden. Wer aber zwischen den Sätzen von Bürgermeister Matthias Jendricke (SPD) und Dezernentin Inge Klaan (CDU) genau hinhörte, der wußte Bescheid. Wie schon in vielen anderen Fällen werden die Stadträte so lange „bearbeitet“, bis sie den Intentionen der Verwaltung folgen. Vermutlich, weil es aus Sicht des Rathauses keine Alternative gebe und wie Frau Klaan es ausdrückte, „das alles der Anfang eines Systemwechsels“ sei.

Bereits in der heutigen Diskussion wurde aber deutlich, dass dieses Modell der Liquiditätsbeschaffung nicht unbedingt nur Freunde finden wird. Stefan Nüßle (CDU) gab zu bedenken, dass auch eine 100prozentige Tochter diese Millionen Euro nicht einfach so zahlen könne, sondern dafür Kredite aufnehmen und Zinsen zahlen müsse. Martin Höfer (FDP) warnte vor einer Selbstbedienungsmentalität und fragte, was denn in den kommenden Jahren „verkloppt“ werden solle?

Thomas Mund als Stadtwirtschafts-Geschäftsführer führte aus, das es eine Paketlösung geben müsse, langfristig könne dieser Kauf auch zu einer Stabilisierung des Unternehmens führen, dass Eigentum erwerben wird. Nüßle forderte danach, bis zum Jahresende klare und deutliche Zahlen auf dem Tisch zu haben, noch besser bis Anfang Dezember, wenn die Absichtserklärung beschlossen werden soll.

Vielleicht sollte in der Arbeitsgruppe Finanzen auch darüber nachgedacht werden, wie die Ausgabenseite verringert werden könne. Dem Außenstehenden zeigt sich da kein unbedingter Sparwille. Und so wundert es nicht, dass es eine Stufenerhöhung der Aufwandsentschädigungen bei den kommunalen Wahlbeamten bis zum nächsten Jahr geben soll. Barbara Rinke wird dann monatlich 332 Euro zusätzlich erhalten, Matthias Jendricke 199 Euro und Inge Klaan 133 Euro – monatlich. Das allerdings wurde heute vermutlich im nichtöffentlichen Teil der Sitzung beraten.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare
H.Buntfuß
23.11.2011, 18:11 Uhr
Sehr erstaunlich
Wenn es um die Gelder für Politiker geht ist man sich schnell einig. Nur einmal zur Information Frau Rinke. Ein Hartz-IV-Empfänger muss mit 364 € im Monat auskommen.

Ich glaube mehr muss man hierzu nicht sagen, die Ungerechtigkeit spricht für sich, komme man aber jetzt nicht mit dem Einwurf, welch hohen finanziellen Aufwand die Politiker so haben.

Damit würden sie sich nur lächerlich machen.
-Insider-
23.11.2011, 21:17 Uhr
ich
bete einfach, dass der nordhäuser nächstes jahr im april sich an all diese sachen erinnern kann. nur der glaube daran fehlt mir.

kurswechsel - bereit zum entern...was auch immer, aber bitte kein weiter so mit ausgabewütigen personen an der spitze der stadt.
TeeEff
23.11.2011, 21:29 Uhr
Selbstbedienungsmentalität!
Aber hey - der Bürger zahlts ja. Muss es, ob er will oder nicht!
Peppone
23.11.2011, 22:29 Uhr
Schau einer an.
Da werden Sachen aus dem Vermögenshaushalt in den Verwaltungshaushalt geschoben. So funktionieren Taschenspielertricks von "Verwaltern", die zwar langfristig schaden, die Stadt aber kurzfristig liquide halten.

Aber was soll es, für soviel "Kreativität" hat sich das Triumvirat natürlich eine klitzekleine kurzfristige Gehaltserhöhung zweifellos verdient!
Herr Taft
24.11.2011, 09:35 Uhr
@Werner
...und was tut der H4-Empfänger für seine 364 € + Heizkosten + Bildungspaket + Wohngeld + Unterstützung hinten und vorne?
Er hätte sich ja ebenfalls bilden und einbringen können - dann wäre er heute vielleicht ja auch Oberbürgermeister.

Wenn Sie polemisieren, kann ich das auch - nur besser.

Zum Thema:
Die Stadtbeleuchtung ist wirtschaftlich gesehen nur ein Kostenfaktor. Neben den Stromkosten fallen noch Kosten für die Instandhaltung und ggf. den Ausbau an. Einnahmen für das Stadtsäckel ergeben sich nicht. Es scheint also vernünftig sich davon zu trennen. Die Frage wird sein, in welcher Form die dann outgesourcete Leistung "Stadtbeleuchtung" vergütet werden muss. Ist aber eine einfache Rechenarbeit. Wenn unterm Strich mehr in der Stadtkasse bleibt - ist das in meinen Augen zu begrüssen.
Pressesprecher Stadt Nordhausen
24.11.2011, 09:56 Uhr
Stadtbeleuchtung bleibt kommunal / Steigerungen nur im einstellingen Euro-Bereich
Angesichts der zahlreichen Kommentare zum Beitrag sollen zwei Themen klar gestellt werden:

1. Verkauf der Stadtbeleuchtung: Weil die Stadt Nordhausen eben kein "Tafelsilber verscherbeln" wollte, werden seit Jahren entsprechende Anfragen von Privatunternehmen zum Kauf und zum Betrieb der Nordhäuser Stadtbeleuchtung Absagen erteilt.

Die Stadtwirtschaft GmbH, der die Stadtbeleuchtung zum Kauf angeboten wurde, allerdings ist eine 100-prozentige Gesellschaft der Stadt Nordhausen. Öffentliches Vermögen ginge also nicht verloren. Die öffentliche Kontrolle wäre gesichert.

2. Steigerung der Dienstaufwandsentschädigungen

Die Aufwandsentschädigungen von Frau Rinke, Herrn Jendricke und Frau Klaan würden lediglich im einstelligen Eurobereich steigen, wie folgt:

Bei Frau Rinke
- um 5 Euro von derzeit 321 Euro auf 326 Euro zum 1. Oktober 2011

und

um 6 Euro von 326 Euro auf 332 Euro zum 1. April 2012


Bei Herrn Jendricke
- von derzeit 192,60 Euro auf 195,60 Euro zum 1. Oktober 2011

und von

195,60 Euro auf 199,20 Euro zum 1. April 2012

Bei Frau Klaan
von derzeit 128,40 Euro auf 130,40 zum 1. Oktober 2011

und von

130,40 Euro auf 132,80 zum 1. April 2012

Aufgrund der Diskussionen sieht Frau Rinke davon ab, den entsprechenden Beschlussvorschlag im Stadtrat einzubringen. Damit würde die Steigerung nicht in Kraft treten.

Patrick Grabe, Pressestelle Stadt Nordhausen
H.Buntfuß
24.11.2011, 12:34 Uhr
Nussbaum...
Sie haben natürlich RECHT, es könnten ja alle 44 000 oder mehr Oberbürgermeister/in werden. Das hatte ich nicht bedacht, ich hoffe Sie können mir das verzeihen.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)