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Fr, 06:34 Uhr
11.11.2011

nnz-Form: Heine und die Liebe

Heute ist wieder mal so ein Heirats-Datum. Im Landkreis Nordhausen sind es sechs Eheschließungen, die in den Standesämtern geschlossen werden sollen, davon in Nordhausen vier. Gedanken dazu hat sich auch ein Leser der nnz gemacht...


Wenngleich mein hochverehrter Lieblingsdichter Heinrich Heine kein Ausbund von Treue war (angeblich starb er an Syphilis und im Düsseldorfer Heine-Museum sollen mehr als 100 Bilder von hautnahe kontaktierten Frauen hängen), hat er, denke ich, dennoch oder gerade deswegen einige nachdenkenswerte Sätze über die Liebe, die Ehe und die Frauen verfasst.

Typisch Heine ist sicherlich: "Es ist ein gebildetes Mädchen, denn sie hat volle Brüste." Quelle: www.aphorismen.de

Aber spannend ist auch: "Die Ehe ist eine stürmische See, wofür es noch keinen Kompaß gibt." Quelle: www.aphorismen.de

Möglicherweise erhoffen sich die vielen Paare, die am 8.8.88, 9.9.99 oder 22.2.2222 heirateten bzw. heiraten werden, genau durch diese imaginären Daten aber eben doch so etwas wie einen Kompass, durch die ganz gewiss auf sie zukommenden, "stürmischer Wellen", die im Zuge des anfänglichen Glücks all zu oft ausgeschlossen oder zumindest verdrängt werden. Bei einer späteren Scheidung wär dann manches Paar froh, wenn es einst doch einen Ehevertrag abgeschlossen hätte.

Doch glaube ich, dass sich eine Ehe ganz gewiss nicht vom Heiratstermin beeinflussen lässt, sondern vom praktischen Umgang der Partner miteinander und dass die Ehepartner im Falle eines "Sturmes" gewiss nicht unbedingt daran denken, dass sie zu einem "Schnapszahldatum" geheiratet haben!

Und um zu bekräftigen, dass die Ehe nicht immer, und schon gar nicht immer langfristig, Glück bedeutet, noch einmal Heinrich Heine: "In der Liebe gibt es ebenfalls wie in der römisch-katholischen Religion ein provisorisches Fegefeuer, in welchem man sich erst an das Gebratenwerden gewöhnen soll, ehe man in die wirklich ewige Hölle gerät." Heinrich Heine, (1797 - 1856) Quelle : "Memoiren"

Diese Einschätzung könnte sich prinzipiell mit den Daten des jüngst erschienen Glücksatlanten decken, der interessanterweise zu etwas mehr als ein Drittel in Ehen zufriedene Menchen benennt, während es in eheähnlichen Gemeinschaften viel mehr sein sollen. Und so manche Glieder einer Ehe, die vor Gericht landen, würden Heine mit diesen Worten gewiss sofort zustimmen.

Und wie wir 20 Jahre nach der Wende ja nun alle aus eigener Erfahrung wissen, haben auch Marx und Engels in vieler Hinsicht bittere Wahrheiten ausgesprochen: Auch übrigens zum Thema Liebe, Ehe und Heirat:
Daher möchte ich hier, heute auch noch Friedrich Engels zu Wort kommen lassen: "Ist nur die auf Liebe begründete Ehe sittlich, so auch nur die, worin die Liebe fortbesteht." Friedrich Engels, (1820 - 1895), deutscher Quelle : »Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates«, 1884

Spannend finde ich, dass zwei so große deutsche Persönlichkeiten, wie Heine und Engels, die ja auch etwa zur selben Zeit lebten, im Prinzip ähnliche Wünsche an die Ehe äußerten bzw. Einschätzungen verfassten, und das wohl unabhängig voneinander. Und sie dürften damit den Wünschen und Einschätzungen vieler, wenn nicht aller auch heite verheirateter Zeitgenossen entsprechen.

Auch bezüglich der Aussage von Engels können Glücksatlas und Scheidungszahlen Zeugnis von dem ablegen, wenn sie, wie verbreitet, nicht zutrifft.

Heinrich Heine neigte dazu, seine Zeitgenossen mit drastischen Formulierungen zu verärgern. Wie bekannt, kehrte er Deutschland ja auch den Rücken.
Zum Thema Beziehung fand ich im Bändchen Heinrich Heine: Neue Gedichte, Berlin 1985, Eulenspigel-Verlag, noch folgende spannende Episode aus einer Ehe, die offenbar schon ein paar Jahre andauert in seinem Gedicht "Emma":

Schon mit ihren schimmsten Schatten
Schleicht die böse Nacht heran;
Unsere Seelen, sie ermatten,
gähnend schauen wir uns an.

Du wirst alt und ich noch älter.
Unser Frühling ist verblüht:
Du wirst kalt und ich noch kälter,
Wie der Winter näher zieht.

Ach, das Ende ist so trübe!
Nach der holden Liebesnot
Kommen Nöten ohne Liebe,
Nach dem Leben kommt der Tod.

Passt doch irgendwo zum November. Oder? So weit für heute zu diesem Thema.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Herr Taft
22.11.2011, 10:26 Uhr
...autsch...
...hab den Beitrag eben erst aufgestöbert. Nur weil Heine, Marx und Engels geringschätzig über die Ehe sprechen, wird es doch nicht richtiger. Heine starb (so sagt jedenfalls Herr Schwarzberg) an den Folgen seines ausschweifenden Lebensstils - und das Marx und Engels in einer Traumwelt lebten, in der sie den natürlichen Egoismus des Menschen vollkommen ausklammerten, sollte hinreichend bekannt sein.

Die Ehe ist wesentlich älter als Heine, Engels und Marx zusammen und bildet eine der Grundfesten der Gesellschaft. Wenn der Arbeitsplatz, der Wohnort, das Einkommen nicht mehr sicher sind - dann braucht der Mensch EINEN sicheren Hafen. Häufig genug (wenn auch nicht immer - siehe Scheidungsrate) ist das die Familie. Der Mensch ist wankelmütig und trennt sich häufig genug von einst geliebten Dingen (und Menschen), nur um es später zu bereuen. Die Ehe im ursprünglichen Sinn, sollte diese Wankelmütigkeit im Zaum halten und hat es über viele Jahrhunderte getan.
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