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Mi, 14:23 Uhr
26.10.2011

Die Leidenschaft des Doktor Gerd Fischer

Veterinärmediziner Dr. Gerd Fischer frönt einer großen Leidenschaft. Radiogeräte haben es ihm angetan. Über 130 Exemplare sind es mittlerweile geworden. Nach Zeitepochen geordnet, spricht jedes Exemplar in einem Kellerraum seines Hauses für sich. Ein Bericht von Kurt Frank...

Das Magische Auge (Foto: K. Frank) Das Magische Auge (Foto: K. Frank)
Veterinärmediziner Dr. Gerd Fischer vor seinem Lieblingsgerät der Marke „Ingelen“ mit dem magischen Auge. Für ihn der „Mercedes“ unter seinen Exemplaren. Foto: Kurt Frank

Mit einer Annonce in der Zeitung fing alles an: „Tausche Luftgewehr gegen Radio“. Fischer war auf das Radio erpicht. Das war vor neuen Jahren. Für den Veterinärmediziner war diese Tauschbörse der Anfang einer Leidenschaft, die unvermindert anhält. Eigentlich hatte sie schon in Fischers Abiturzeit begonnen.

Der Oberschüler bastelte Detektorempfänger. Später, als Mediziner im Veterinär-Wesen, blieb ihm für sein Hobby nicht die Zeit. Mit dem Ruhestand lebte die Leidenschaft wieder auf. Mit Macht. Bis unter die Decke in einem Kellerraum seines Hauses sind die Radio-Geräte aufbewahrt. Für Fischer eine Art Motivsammlung, säuberlich in verschiedene Zeitepochen unterteilt. Mit der Historie der Radios ist der 69-Jährige bestens vertraut.

Das älteste Stück datiert aus dem Jahre 1927, ein Löwe-Fernempfänger mit bereits drei Röhren. In einem Regal stehen die Volksempfänger nebeneinander. Der VE 301 und der Deutsche Kleinempfänger (DKE).Von 1938 bis zum Kriegsende 1945 produziert, sollte dem deutschen Volk über die technisch einfache und für jedermann erschwingliche Goebbel-Schnauze, wie der DKE im Volksmund hieß, die Propaganda der Nationalsozialisten eingetrichtert werden.

Ein Spitzengerät in dieser Zeit war der Telefunken. Ein dekoratives Stück mit schmuckem Holzgehäuse. Ihm war nur ein kurzes Leben beschieden. Über diese Geräte waren auch ausländische Sender zu hören. Das stand unter Todesstrafe.

Nach 1945 hatten die sogenannten Notgeräte Konjunktur. Radio hören war in jener Zeit kein Genuss. Das änderte sich Anfang der 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts mit der Ultra-Kurzwelle, weiß der Experte. Mit Holzgehäuse und Tasten ausgestattet, machten sie was her, brachten Wohlklang in die Wohnstuben. Die Technik nahm ihren Lauf. In Fabrikaten, die in der kleinsten Tasche Platz finden, ist heute an jedem Ort und zu jeder Zeit Empfang möglich.

Der Älteste (Foto: K. Frank) Der Älteste (Foto: K. Frank)
Das älteste Exemplar seiner Radio-Sammlung ist der Löwe-Fernempfänger aus dem Jahre 1927. Foto: Kurt Frank

Die Transistoren-Geräte seien eine feine Sache, meint der Doktor. Mit ihnen verlieren jedoch die Rundfunkgeräte ihren Charme, fügt er an. Als dekorative Möbelstücke seien sie ungeeignet. Der Ruheständler lobt sein Lieblings-Exemplar, den „Ingelen“. Es sei der „Mercedes“ unter seinen Empfängern. Dass wir überhaupt Radio hören können, sei den Physikern Maxwell und Hertz zu verdanken, klärt Gerd Fischer auf. Der Engländer und der Deutsche hätten sich mit elektromagnetischen Wellen bereits 1865 beschäftigt.

Aber erst 1923 erlebte das Radio seine Taufe. 1924, erzählt der passionierte Sammler, sendete erstmals Leipzig, der heutige Mitteldeutsche Rundfunk. Nordhausen lag gerade noch im Empfangsbereich. Der Veterinär-Mediziner wird bei Haushaltsauflösungen fündig. In Scheunen, auf Dachböden, in Kellern. Bei Freunden und Bekannten. Auch im Sperrmüll. Und bei Tauschbörsen. Ein Gerät der Marke „Telefunken“, ein BRD-Produkt der 60er-Jahre, trat erst dieser Tage die Reise nach England an. Doktor Gerd Fischer ist Mitglied der „Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens“, die europaweit agiert. Seine Leidenschaft sei für ihn Medizin geistige Anregung. Alle 130 Exemplare sind funktionstüchtig. Er kennt deren Innenleben, bastelt und repariert an ihnen herum. Auch das alte Grammofon aus dem Jahre 1927 und dass uralte Polyfon von 1899 sind intakt.
Kurt Frank
Autor: nnz

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