So, 14:52 Uhr
07.09.2003
Batman live
Nordhausen (nnz). Den Comic-Helden kennt fast jeder, aber seinen Namensgeber, die Fledermäuse, haben die wenigsten bisher lebend gesehen. Wer die einzigen fliegenden Säugetiere kennenlernen wollte, hatte in der gestrigen Nacht in Kelbra Gelegenheit dazu.
Ein bißchen gruselig war es schon, so im Dunkeln nur mit Taschenlampe und einem Bat-Detektor, einem Gerät, was die Ultraschallsignale der Tiere hörbar macht, am Kelbraer Stausee unterwegs zu sein. Doch es lohnte sich wirklich, denn einige Fledermäuse waren im Schein der Lampen zu beobachten. Nach dem Motto: Nur was man kennt, kann man auch schützen” führt der Naturschutzbund (NABU) seit sieben Jahren die Nacht der Fledermäuse durch. In ganz Deutschland finden dann Aktionen und so genannte Fledermauswanderungen statt.
Von den 30 europäischen Arten kommen in Thüringen noch 18 vor. Sie leben in Kolonien zusammen, meist nutzen sie Höhlen oder hohle Bäume als Winterquartier. Auch in der Badraer Schweiz sind Fledermäuse heimisch. Dem Unkundigen zeigen sie sich aber nur selten. Die Lebensräume der fliegenden Säuger sind durch Landwirtschaft und durch die Ausbreitung menschlicher Siedlungen bedroht. Obwohl die Tiere geschützt sind, ist ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen.
Fledermäuse sind sehr nützlich. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten. Jede Nacht erbeuten sie eine Menge, die einem Drittel ihres Körpergewichtes entspricht. Es gibt zwar auch sogenannte Vampirfledermäuse, die sich vom Blut andere Tiere ernähren, aber diese sind in unseren Breiten nicht anzutreffen. Unsere heimischen Exemplare sind für den Menschen und seine Haustiere ungefährlich. Die Gefahr durch einen Biß mit der Tollwut infiziert zu werden, ist geringer als bisher angenommen. Wer gebissen wurde, z.B. als er einem verletzten Tier helfen wollte, der sollte sich trotzdem impfen lassen.
Besonders interessant ist das Ortungssystem der Tiere. Sie sehen” sozusagen mit den Ohren. Die Fledermäuse senden Ultraschallsignale im Frequenzbereich von 20 bis 100 Kilohertz. Das menschliche Ohr kann Frequenzen über 18 khz jedoch nicht wahrnehmen. Deswegen müssen wir uns des Bat-Detektors bedienen, um den Tieren folgen zu können. Mit ihren Ohren fangen sie die Signale auf, die dann in ein akustisches Bild umgewandelt werden. Das System funktioniert nur im Nahbereich, ist da aber sehr effektiv. Fledermäuse haben deswegen auch keine großen Augen wie z.B. Eulen. Im normalen Suchflug sendet das Tier rund 10 Signale pro Sekunde, wenn es Beute erspäht hat, dann können es bis zu 100 Signale pro Sekunde sein, bis das Beuteobjekt gefangen wurde. Die verschiedenen Fledermausarten nutzen unterschiedliche Frequenzbereiche. Der Mensch hat sich das System zum Beispiel für das Echolot in der Seefahrt zu nutze gemacht.
Ungewöhnlich ist auch, daß Fledermäuse nicht nur ihre genetische Information an die nächste Generation weitergeben, sondern auch ihr gelerntes Wissen vor allem über die Quartiere. Wie das funktioniert hat der Mensch trotz aller Gentechnik noch nicht herausgefunden, geschweige denn, für sich anwendbar gemacht. Im Oktober werden sich die Jäger der Nacht in ihre Winterquartiere zurückziehen und kopfüber aufgehängt mehrere Monate schlafen. Diese Haltung können sie deshalb gut einnehmen, da ihre Füße nach hinten weisen und nicht nach vorn wie bei uns. Im nächsten Jahr wird es wieder eine europäische Fledermausnacht geben. Wer genug hat von den Gruselmärchen aus Comics und Horrorfilmen, der hat dann wieder die Chance die Tiere live zu erleben. Mehr über Fledermäuse gibt es beim NABU.
Autor: nnzEin bißchen gruselig war es schon, so im Dunkeln nur mit Taschenlampe und einem Bat-Detektor, einem Gerät, was die Ultraschallsignale der Tiere hörbar macht, am Kelbraer Stausee unterwegs zu sein. Doch es lohnte sich wirklich, denn einige Fledermäuse waren im Schein der Lampen zu beobachten. Nach dem Motto: Nur was man kennt, kann man auch schützen” führt der Naturschutzbund (NABU) seit sieben Jahren die Nacht der Fledermäuse durch. In ganz Deutschland finden dann Aktionen und so genannte Fledermauswanderungen statt.
Von den 30 europäischen Arten kommen in Thüringen noch 18 vor. Sie leben in Kolonien zusammen, meist nutzen sie Höhlen oder hohle Bäume als Winterquartier. Auch in der Badraer Schweiz sind Fledermäuse heimisch. Dem Unkundigen zeigen sie sich aber nur selten. Die Lebensräume der fliegenden Säuger sind durch Landwirtschaft und durch die Ausbreitung menschlicher Siedlungen bedroht. Obwohl die Tiere geschützt sind, ist ihr Bestand in den letzten Jahrzehnten drastisch zurückgegangen.
Fledermäuse sind sehr nützlich. Sie ernähren sich ausschließlich von Insekten. Jede Nacht erbeuten sie eine Menge, die einem Drittel ihres Körpergewichtes entspricht. Es gibt zwar auch sogenannte Vampirfledermäuse, die sich vom Blut andere Tiere ernähren, aber diese sind in unseren Breiten nicht anzutreffen. Unsere heimischen Exemplare sind für den Menschen und seine Haustiere ungefährlich. Die Gefahr durch einen Biß mit der Tollwut infiziert zu werden, ist geringer als bisher angenommen. Wer gebissen wurde, z.B. als er einem verletzten Tier helfen wollte, der sollte sich trotzdem impfen lassen.
Besonders interessant ist das Ortungssystem der Tiere. Sie sehen” sozusagen mit den Ohren. Die Fledermäuse senden Ultraschallsignale im Frequenzbereich von 20 bis 100 Kilohertz. Das menschliche Ohr kann Frequenzen über 18 khz jedoch nicht wahrnehmen. Deswegen müssen wir uns des Bat-Detektors bedienen, um den Tieren folgen zu können. Mit ihren Ohren fangen sie die Signale auf, die dann in ein akustisches Bild umgewandelt werden. Das System funktioniert nur im Nahbereich, ist da aber sehr effektiv. Fledermäuse haben deswegen auch keine großen Augen wie z.B. Eulen. Im normalen Suchflug sendet das Tier rund 10 Signale pro Sekunde, wenn es Beute erspäht hat, dann können es bis zu 100 Signale pro Sekunde sein, bis das Beuteobjekt gefangen wurde. Die verschiedenen Fledermausarten nutzen unterschiedliche Frequenzbereiche. Der Mensch hat sich das System zum Beispiel für das Echolot in der Seefahrt zu nutze gemacht.
Ungewöhnlich ist auch, daß Fledermäuse nicht nur ihre genetische Information an die nächste Generation weitergeben, sondern auch ihr gelerntes Wissen vor allem über die Quartiere. Wie das funktioniert hat der Mensch trotz aller Gentechnik noch nicht herausgefunden, geschweige denn, für sich anwendbar gemacht. Im Oktober werden sich die Jäger der Nacht in ihre Winterquartiere zurückziehen und kopfüber aufgehängt mehrere Monate schlafen. Diese Haltung können sie deshalb gut einnehmen, da ihre Füße nach hinten weisen und nicht nach vorn wie bei uns. Im nächsten Jahr wird es wieder eine europäische Fledermausnacht geben. Wer genug hat von den Gruselmärchen aus Comics und Horrorfilmen, der hat dann wieder die Chance die Tiere live zu erleben. Mehr über Fledermäuse gibt es beim NABU.

