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Fr, 16:26 Uhr
14.10.2011

Zustände im Herder-Gymnasium: Nachgefragt

Die Diskussion über die Zustände am Nordhäuser Herder-Gymnasium hat heute den Thüringer Landtag erreicht. Eine Antwort gab es da auch...


Nach dem die Elternschaft des Herdergymnasiums sich über einen massiven Unterrichtsausfall an beiden Standorten in Nordhausen und Ilfeld beim Schulamt und bei den hiesigen Landtagsabgeordneten sowie beim Kreistag beschwert hat (siehe im nnz-Archiv), stellte heute (14.10.) die Landtagsabgeordnete der Linken, Birgit Keller, im Landtag zu diesem Thema eine mündliche Anfrage, die vom zuständigen Ministerium gestellt wurde.

"Mein Fazit", so Frau Keller, "ist, dass sich das Ministerium endlich dieser schwierigen Situation stellt." So sei eine schnelle Komplettlösung durch viele langwierige Krankheitsfälle bei den Lehren schwer vorstellbar. Man habe aber umgehend versucht, durch Umstrukturierungen, die Ausfälle zu minimieren.

"Das soll aber nicht das Ende der Fahnenstange zur Beruhigung der besorgten Eltern sein." Frau Keller verabredete mit dem Staatsekretär sehr zeitnah einen Vor-Ort-Termin, um mit allen Beteiligten zu einer kurzfristigen und zufrieden stellenden Lösung zu kommen. "So wollen wir auch über eine zukunftsweisende Sicherung des Standortes in Ilfeld beraten. Und da werden alle Betroffenen einbezogen", so Birgit Keller abschließend.
Autor: nnz

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
14.10.2011, 22:55 Uhr
staatliches Schulsystem so nicht zukunftsfähig!
Ich findes es gut, dass sich Birgit Keller dem Thema Herder-Gymnasium annimmt. Allerdings fehlt wie so oft der Blick über den Tellerrand: Ein föderales Schulsystem mit hunderten unterschiedlichen Lehrbüchern, keinen überall gültigen vergleichbaren Lehrplänen, vielfach überforderten, oft zur frühen Invalidisierng verdammten Lehrern, disziplinmäßig nicht selten vollkommen entglittenen, antiautoritären Strukturen (in denen sogar schon die Abschaffung der Kopfnoten diskutiert wurde und in denen sich Schüler alles erlauben dürfen), ein solches Schulsystem kann nicht gut für unsere Zukunft sein. Da hätte ich mir von Frau Keller klarere Worte gewünscht.

Das Schulsystem einer freien Gesellschaft kann dieser doch nur dann dienen, wenn es in der Lage ist, Menschen zu formen, die später selbst in der Lage sind, grundlegende Normen und Werte zu leben.

Diese müssen sie ja letzlich dann wieder an ihren eigenen Nachwuchs weitergeben, der die Gesellschaft von morgen tragen soll. Aber Autorität wird ja geradezu bestraft in diesem Lande!

Fragen Sie doch einmal einige Lehrer nach ihren Erfahrungen mit aufsässigen Schülern, deren Eltern und mit dem Rechtssystem Deutschlands. Die Position des Lehrers, einst neben dem Pfarrer, dem Bürgermeister und dem Doktor der angesehendste Beruf in unserem Gemeinwesen, wurde nach der Wende demontiert.

Aber im Schulsystem von heute stehen nicht wirklich die Kinder im Vordergrund. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers wie zu DDR-Zeiten ist längst abgeschafft. Vielmehr geht es den Protagonisten in den 16 Landesministeriem und in den Schulämtern in erster Linie um die Verteidigung ihrer ganz persönlchen Privilegien, die ihnen möglicherweise verlorengingen, wenn das feudal anmutende Bildungssystem den Erfordernissen angepasst und auf Bundeseebene angesiedelt würde. Wirklich schade, um es nur ganz vorsichtig auszudrücken!

Sinnvoll wäre wie in anderen Ländern auch eine Schuluniform, die dafür Sorge tragen könnte, dass Kinder von Hartz IV-Empfängern keinen Repressalien mehr ausgesetzt wären, nur weil sie keine Markenklamotten anhaben. Das wäre zum wahren Wohle der Schüler! Stattdessen aber regiert der Markenwahn. In den Schulen lernen die Kinder schnell, dass angeblich der oder die besser ist, die die besseren Hosen, Röcke oder Turnschuhe trägt.

Und sie lernen so auf andere herabzublicken und die Schere zwischen arm und reich zu akzeptieren.

Und nicht zuletzt: Der naturwissenschaftliche Unterricht führt heute all zu oft ein Schattendasein: Das in unserer globalisierten Welt mit ihren globalen ölologischen Problemen so wichtige systemische, ja dialektische Denken, das uns noch in der DDR vermittelt wurde, scheint der übersteigerten Wissensvermittlung über Otto I. und irgendwelchen Stilepochen und Religionen geopfert worden zu sein.

Nichts dass ich etwas gegen derartiges Wissen hätte: Aber die Relationen stimmen nicht mehr.

Und nicht zuletzt: Die Ministerien erdreisten sich, den privaten Schulträgern durch das Kürzen der Mittel die Daumenschrauben anzulegen. Diese aber sind es oft, die wirklich leistungsfähig und nicht überfordert sind! Hierfür gibt es Beispiele auch in Nordhausen. Gleichzeitig wird bei der Einstellung von GEIGNETEM Lehrernachwuchs ebenso gespart.

Die Zustände im Herder-Gymnasium sind nur die Spitze eines gesamtdeutschen Bildungsdesasters. Darüber können einzelne leuchtende Beispiele keinesfalls hinwegtäuschen. Denn entscheidend ist das gesamte Erscheinungs- und Funktionsbild.
Ich bin Lehrer für Biologie und Chemie und habe bisher allen Werbungen widerstanden. Nach der Wende stand für mich fest, dass ich in diesem Schulsystem kein Lehrer sein möchte.
Bodo Schwarzberg
15.10.2011, 07:54 Uhr
Herder? Zwei Beispiele wie es auch gehen kann!
Ich empfehle den nnz-Lesern und Herder-Kritikern, sich die beiden Lebenswege von Günter Trautmann (Menschenbilder 20, Ehrenbürger Niedersachswerfen) und Uta Triebel (Menschenbilder 18) aus meinem Buch hier in der nnz anzuschauen. Ersteres Beispiel zeigt, was an wirksamer und anerkannter Autorität in der DDR möglich war und was nach der Wende zerstört wurde.

Warum aber brauchen wir eine Diktatur, damit Autorität und Normenvermittlung sowie Fachkompetenz zentrale Säulen eines Bildungssystems sind? Das zweite Beispiel zeigt, dass es heute oft nur noch die privaten Schulen sind, die wirksame und anwendbare Pädagogik betreiben, die junge Leute ausbilden, die überall mit Kusshand genommen werden - eben weil sie so selten geworden sind. Oasen sind das inmitten einer Autoritäts- und Bildungswüste.

Sowohl Uta Triebel, als auch Günter Trautmann aber entstammen dem DDR-Bildungssystem. Das Konzept von Frau Triebel wird, statt gefördert zu werden, von den Bürokraten um Matschie behindert. So sägen wir uns aber den Ast ab, auf dem wir sitzen, weil wir so die Zukunftsfähigkeit des Landes gefährden.

Solange aber die Lehrer Angst haben, sich öffentlich zu positionieren und hier ihren Namen zu nennen, - weil wir eben schon wieder ein System der Angst haben und solange die Eltern nur im klein/klein denken, eben in der Dimnension nur der einen Schule ihrer eigenen Kinder, solange können Matschie & Co unbebedrängt weiter machen. Hier sind deutlichere Formen des Protestes gefragt, wie in anderen Ländern längst realisiert. Wie ich schon oft schrieb: Wir haben die Politiker und Verwaltungen, die wir verdient haben!
Der Roland
15.10.2011, 12:51 Uhr
Klasse, Herr Schwarzberg!
Ich kann den zwei Kommentaren von Ihnen nur zustimmen. Aber es wird sich nichts ändern.
Peter59
15.10.2011, 13:29 Uhr
Die Arbeit des Lehrers ist der Unterricht?!
Die Diskussion nimmt teilweise recht krude Züge an. Beschwörung der Vergangenheit (DDR), Änderung der Schulnetzplanung (Grüne) und ähnliche Bemerkungen helfen da nicht weiter.

Herr Drick sieht das Problem recht pragmatisch, das kann man noch am besten nachvollziehen und als Denkansatz benutzen. Unterrichtsstunden können auch intern geschöpft werden.
1. Teilzeitlehrer werden in Vollzeit versetzt.(Bereitschaft sicherlich teilweise vorhanden)
2. Zurückfahren von erteilten Abminderungen für Lehrer mit besonderen Aufgaben. In Notzeiten müssen halt alle ran, ohne Rücksicht. (Den Aufschrei höre ich jetzt schon...)
3. Auflösung von kleineren Klassen. (Das ist nicht sehr pädagogisch, aber scheinbar unabdingbar.)

Die Hauptarbeit des Lehrers ist nun mal der Unterricht. Er ist kein Verwaltungsangestellter, was eine Vielzahl zusätzlicher Aufgsben, deren Nutzen dahingestellt sein soll, gründlich torpedieren.Aber das will man sicherlich nicht ändern, auch Statistiker müssen etwas zu tun haben. Nur das Ergebnis eines "Weiter so" ist nicht nur der Unmut der Eltern, auch die wichtigste Zielgruppe, die Schüler, bleiben auf der Strecke.

Nachtrag: Das Projekt "Ganztagsschule" funktioniert doch dann nicht, wenn Lehrer nicht einmal den "normalen" Unterrichtsablauf decken können. Ich hoffe, ich liege da nicht ganz falsch...
Gudrun1974
16.10.2011, 09:44 Uhr
Herr Schwarzberg schon in der FDP?
An dieser Stelle Grüße an jene Kommentatoren, die sich über Lehrermangel beklagen, aber im gleichen Atemzug applaudieren, wenn irgendein Politiker fordert, das Landespersonal zu reduzieren. Ähnliches gilt mit Blick auf die Polizei.

Mein zweiter Gruß an jene, die krakeelen "Steuern runter", sich dann aber über mangelnde Leistungsfähigkeit der öffentlichen Hand beklagen. Und mein dritter Gruß an Herrn Schwarzberg, der sogar in bester FDP-Manier noch einen Schritt weiter geht und sagt: Privat kanns am besten!

Das ist Politik von vorgestern -wird hier aber als innovativ gefeiert.
Schleip-Ols
17.10.2011, 11:47 Uhr
Problemfall Herder-Gymnasium
Sollte sich nun wirklich etwas Grundlegendes ändern, nun, da die Problematik im Landtag und bei unserer Landesregierung bekannt geworden ist?

Es sei nur noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich hier nicht um einen Zustand handelt, der erst mit Beginn dieses Schuljahres (2011/2012) aufgetreten ist.

Schon seit Jahren werden die Elternvertreter nicht müde, die Schulleitung auf den überdurchschnittlichen Unterrichtsausfall hinzuweisen. Genauso lange erklärt die Schulleitung den Elternvertretern, ihr seien die Hände gebunden, aber im nächsten Schuljahr werde sich etwas ändern.

Nun ja, die Schulleitung hatte Recht behalten und es änderte sich etwas. Unsere Kinder hatten im nächsten Schuljahr noch weniger Unterricht. Das führte so weit, dass mein Sohn in der Klassenstufe 8 einen Stundenplan mit nach Hause brachte, in dem 28 Unterrichtsstunden pro Woche geplant sind.

Zum Vergleich: Für einen Grundschüler der 3.Klasse sind lt. Thüringer Schulordnung 27 Unterrichtsstunden pro Woche vorgesehen.

Das Problem ist also mehr als deutlich und mittlerweile jedem, sogar dem Herrn Staatssekretär bekannt. Nun gilt es schnellstmöglich konkrete Ergebnisse herbeizuführen. Die Aussage von Frau Keller, „man verabredete mit dem Staatssekretär sehr zeitnah einen Vor-Ort-Termin, um mit allen Beteiligten zu einer kurzfristigen und zufrieden stellenden Lösung zu kommen“ kann grundsätzlich nicht genügen.

Hier brennt es lichterloh und weder Lehrer oder Schulleitung, noch das Schulamt Worbis waren in der Lage dieses Feuer zu löschen. Also wann bitte wird es diesen Termin geben? Die Feuerwehr kommt auch nicht „zeitnah“ zum Brand, sondern sofort nach Kenntnisnahme. Und außerdem hat die Feuerwehr beim Eintreffen am Brandort gleich eine Lösung parat. Es wäre schön, wenn der Herr Staatsekretär ebenso vorbereitet in die „Brandbekämpfung“ startet.

Ich bin wirklich gespannt, ob sich nun, da sich der Thüringer Landtag und die Landesregierung diesem Problem annehmen, etwas ändert. Ich hoffe nicht, dass die einzige Idee der Verantwortlichen die Zusammenlegung von Klassen sein wird.
Harzer_Wolf
17.10.2011, 12:14 Uhr
Einklagen
Vielleicht sollten sich die betroffenen Eltern mal zum Gericht wenden und die Fehlstungen einklagen. Die Kinder haben ein RECHT auf Bildung. Und wenn Sie es nicht bekommen, muss man halt auch mal die Landesregierung verklagen!
Flitzpiepe
25.10.2011, 09:07 Uhr
Eine 'Lösung' ist jetzt,
dass ein Lehrer vom Humboldt-Gymnasium abgezogen wird, um im Herder-Gymnasium die Fehlstunden zu verringern. Das Schulamt stopft also ein Loch hier, indem es woanders ein neues Loch auftut. Prima! Ich bezweifle auch, dass der Lehrer auf eigenen Wunsch das Gymnasium wechselt, auch wenn es so mitgeteilt wurde.
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