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Fr, 15:39 Uhr
14.10.2011

Wackers Neue: Dyhonne-Lucas do Amaral

Lautstark dröhnen temperamentvolle Samba-Rhythmen aus der Kabine. Aufgelegt hat sie Dyhonne-Lucas do Amaral. Der Offensivspieler des Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen, der sich in der Sommerpause den Blau-Weißen anschloss, betätigt sich seitdem nicht nur fleißig als Torjäger, sondern auch als Discjockey und legt insbesondere bei Auswärtsspielen die heißen Klänge aus seiner Heimat Brasilien auf.


Auf dem Platz unterwegs (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Auf dem Platz unterwegs (Foto: Olaf Dobrzykowsky) „Die Musik ist wichtig für mich. Das ist für mich ein Stück Heimatgefühl“, betont der 26-Jährige und lässt sich auch auf dem Spielfeld vom südamerikanischen Rhythmusgefühl leiten.

Temperament, Lebensfreude, Rhythmus – das ist für do Amaral vor allem eins - Lebensgefühl. Dieses bekam er schließlich in die Wiege gelegt. In der Millionenmetropole São Paulo geboren und aufgewachsen, begeisterte sich der aufgeweckte Knirps schon früh für den Nationalsport Fußball. Jagte doch schon sein Vater Valdir Soares Do Amaral, der es bis in die 2. Liga (Brasileirao B) schaffte, dem runden Leder hinterher.

Publikumsliebling Amaral (Foto: Olaf Dobrzykowsky) Publikumsliebling Amaral (Foto: Olaf Dobrzykowsky)

Zunächst mit acht Jahren auf der Straße, dann mit 13 Jahren im Verein erlernte sein Sohn die Begriffe und Techniken des Spiels. So war er unter anderem bei den Clubs São Paulo Clube, Portuguesa Londrinense, Londrina Esporte Clube sowie Nichika Londrina aktiv.

Ausgebildet wurde er im offensiven Bereich wie auch sein ebenfalls aus Brasilien stammendes sowohl zum Weltfußballer als auch zum Sportler des Jahrhunderts gewähltes Vorbild Pelé, der unter anderem mit der „Seleção“, der brasilianischen Auswahl, drei Weltmeisterschaften gewann.

„Ich bin mit Bildern und Videos von Pelé aufgewachsen. Diese Zeit hat mich einfach geprägt“, verrät der Angreifer mit einer gewissen Begeisterung.

Seine Heimat verließ do Amaral , der in einer Großfamilie mit drei Brüdern und einer Schwester aufwuchs, mit 21 Jahren, denn auf ihn wartete die große weite Welt. So ging es für den stets lebensfrohen Mann über den großen Teich. Das Ziel war die portugiesische Hauptstadt Lissabon. In dieser lief er nicht nur für den Erstligisten Sport Clube Benfica (Primeira Liga) auf, sondern fand auch sein privates Glück. Als seine deutschstämmige Freundin Melle Kley, die er später ehelichte, schwanger wurde, wollte sie zurück in die Heimat.

„Es lässt sich dort besser leben“, erklärte sie ihm. Auf den Flugtickets war als Zielort Hannover angegeben. In der niedersächsischen Landeshauptstadt, in der die gemeinsame Tochter Hannah Kley-do Amaral das Licht der Welt erblickte, lebt und arbeitet do Amaral, inzwischen von seiner Frau getrennt, auch heute noch. Fünf Jahre sind seit seiner Ankunft bisher vergangen. Wie er selbst sagt, fühlt sich sehr wohl. Fast fließend spricht er neben der portugiesischen, spanischen, französischen und englischen auch die deutsche Sprache.

„Einen Sprachkurs belegte ich aber nie“, wie er am Rande verriet. „Ich bin nicht zur Schule gegangen. Ich habe das meiste auf der Straße gelernt, weil ich sehr oft mit Menschen in Kontakt trete.“ Auch in seinem Beruf spielen zwischenmenschliche Kontakte eine wichtige Rolle. So lässt er, wie könnte es für einen gebürtigen Brasilianer auch anders sein, nämlich zweimal, immer dienstags und donnerstags, als Ausbilder für den Kampftanz Capoeira und als Tanzlehrer für die Samba die Hüften kreisen. „Tanzen und Capoeira faszinieren mich, da es wie beim Fußball um Teamsport geht. Ich bin gern mit Menschen zusammen. Der Rhythmus gefällt mir einfach wie beim Fußball.“

An den anderen Tagen ist es dann Jörg Goslar, der Trainer des FSV Wacker 90 Nordhausen, der ihn und das Team in den Einheiten ordentlich in Bewegung hält. Allerdings ist für den 1,79 Meter großen Modellathleten der Name Goslar kein Unbekannter, war er doch bereits bei seinem vorherigen Verein, dem OSV Hannover, sein Coach. „Es ist einfach sein Charakter, der ihn so besonders macht. Er ist bisher, auch was seine Erfahrung angeht, mein bester Trainer“, lobt ihn sein Schützling in höchsten Tönen. So feierten beide mit dem OSV in der abgelaufenen Serie den Aufstieg in die Landesliga. Danach trennten sich zunächst die Wege.

Während Goslar beim FSV anheuerte, blieb do Amaral beim OSV und wurde alles andere als glücklich. „Es gab gleich beim ersten Training kleine Probleme. Ich habe mich mit dem neuen Trainer nicht so gut verstanden.“ Er nahm daraufhin Kontakt zu seinem alten „Lehrmeister“ auf, der ihn nach Nordhausen holte.

Am Anfang stand die Angst, dass er aufgrund seiner dunklen Hautfarbe, wie er selbst sagt, „angefeindet wird“. Genau das Gegenteil war der Fall, denn die Fans empfingen den temperamentvollen und stets gut gelaunten Südländer mit offenen Armen. Die Herzen der blau-weißen Anhängerschaft eroberte der Neuzugang mit sehenswerten Treffern, seinem engagierten Einsatz und auch mit seiner offenen Art im Sturm. So avancierte „Johnny“, wie er aufgrund der Aussprache des Namens von allen nur gerufen wird, nebenbei noch zum neuen Publikumsliebling.

So recht erklären kann er sich die neu gewonnene Popularität nicht. „Vielleicht liegt es an meinem Lachen oder an meiner freundlichen Art.“ Vielleicht liegt es auch an seiner positiven Verrücktheit, welche sich in seinen unzähligen Haarfrisuren widerspiegelt. So drapierte er kürzlich die schwarzen Dreadlocks zu unzähligen kleinen Hörnchen auf seinem Kopf, denen er mit blau-weißen Gummibändern noch den richtigen Pepp verpasste. Ein Gesprächsthema ist dann immer schnell gefunden.

Doch viel lieber spricht der ehrgeizige Akteur über seine neue Herausforderung. „Mein Wunsch ist es, mit dem FSV Meister zu werden und aufzusteigen. Ich hoffe, dass es klappt“, verweist er auf die sportlichen Ziele. Dafür nimmt er gern dreimal wöchentlich die Fahrt in die Rolandstadt in Kauf, aber nicht allein, sondern gemeinsam mit Goslar, Fitnesstrainer Torsten Last und Teamkollege Pascal Biank, die eine Fahrgemeinschaft bilden.

Vollgas gibt er dann anschließend nicht nur im Training, sondern auch in den Punktspielen. „Ich will jedes Spiel gewinnen.“ Er scheut keinen Zweikampf. Zwei davon endeten bereits mit Platzwunden, die genäht werden mussten. So zieren nun zwei Narben, die eine drei und die andere acht Zentimeter lang, seine Stirn über dem linken Auge. „Es ist mir das erste Mal passiert, dass ich gleich zweimal genäht werden musste“, erinnert er sich und hofft, dass „es ein drittes Mal nicht geben wird“.

Doch auch davon lässt er sich nicht so schnell aus dem Rhythmus bringen und gibt sich stattdessen dem heimatlichen Sound aus der Stereoanlage in der Kabine hin. So wie er es sicherlich auch wieder am Sonnabend tun wird, wenn er mit dem Team um 14 Uhr beim SC Weimar gastiert und als „DJ“ vor der Partie für die nötige Gefühlsstimmung sorgen will.
Sandra Arm
Autor: nnz

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