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Di, 16:44 Uhr
02.09.2003

nnz-Forum: Keine großen Erwartungen

Nordhausen (nnz). Die Bürgerinitiative „Rettung der Goldenen Aue“ warnt vor allzu großen Erwartungen für den Industriestandort in der Aue. Stattdessen sollten schon jetzt Alternativen erarbeitet werden, falls der Standort nicht realisiert werden können. Mehr dazu im nnz-Forum.


Die wirtschaftliche Lage scheint in Nordhausen immer dramatischere Züge anzunehmen. In die Schlange der Standortschließungen scheint sich jetzt auch das Traditionsunternehmen NOBAS einzureihen. Wieder, nachdem etwas mehr als 10 Jahre vergangen sind. Obwohl die Löhne deutlich niedriger sind als im Westen, obwohl Fachkräfte zur Verfügung stehen. Auch kleinere Firmen, wie die z.B. Heringer Hanffred GmbH, sehen hier keine Entwicklungschancen, obwohl auch hier die Löhne wohl eher niedrigen Standart haben sollen. So ließe sich die Reihe verlängern. Daher ist die Initiative des neuen Thüringer Wirtschaftsminister Reinholz deutlich zu begrüßen, der ein Umdenken bei der Vergabe von Fördergeldern fordert und diese mit der langfristigen Schaffung von Arbeitsplätzen verknüpfen will.

Das aus dem eigenen CDU-Lager widersprochen wird, stimmt uns deutlich nachdenklich. Die bisherige Förderpolitik hat, jedenfalls in unserer Region, nur dazu geführt, das wir jetzt auf Industriebrachen sitzen und den verbliebenen Fachkräften die Arbeitslosigkeit droht. Dies verstehen wir nicht unter einen nachhaltigen Wirtschaftspolitik. Die Nordthüringer Bürger erkennen immer mehr, das aus Versprechungen noch lange keine langfristigen Arbeitsplätze werden.

Nun ist es sicherlich vordergründig verständlich, das alle nur noch Rettung durch das Industriegebiet in der Goldenen Aue sehen, daß alle auf den Investor von außen warten, denn der heimischen Industrie scheint niemand mehr zuzutrauen, hier zu expandieren und durch Innovation neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Ob diese Planung all die euphorischen Erwartungen, die in letzter Zeit geäußert wurden, erfüllen kann, muß, wenn Sie objektiv betrachtet wird, deutlich verneint werden. Die Fakten, die von diesem Gebiet ausgehen sprechen eine andere Sprache. Doch nur wer sich eingehend mit der Planung beschäftigt kann dies erkennen. Bislang sind viele diese Kenntnis schuldig geblieben. Vordergründig hört es sich natürlich gut an, wenn von „Initialzündung“ und Wohlstand für alle gesprochen wird.

Nur wenn „brutalstmöglich“ erschlossen wird, wenn Bürger ihr Zuhause verlieren, wenn ein ganzer Bachlauf in eine Röhre gezwängt wird, wenn auf die Gefahren eines dann möglichen Hochwassers nicht eingegangen wird, wenn Landwirtschaftliche Betriebe Teile ihrer Existenz aufgeben, wenn über 100 Eigentümer ihren Besitz verkaufen oder faktisch ihren Besitz „hergeben müssen“, wenn ein ganzes Landschaftsbild zerstört wird und dann noch niemand gegen diese Planung klagt, kann diese Fläche als Industriestandort angeboten werden.

Doch sollte man nie die Rechnung ohne den Wirt machen, in diesem Fall die vielgepriesenen Investoren. Besieht man sich die im Entwurf des Landesentwicklungsplanes dargestellten „Großindustrieflächen“, die neben dem umstrittenen Standort entwickelt werden sollen, so schneidet das Gebiet in der Goldenen Aue u.a. wg. des Flächenzuschnitts, wegen fehlendem Bahnanschluss u.v.m. deutlich am schlechtesten ab. Die Investoren sind jedenfalls nicht Blind für Realitäten. Ob ein Großinvestor mit einem „Schlauch“ von nur 350 Metern Breite für eine „Großindustrieansiedlung“ zurechtkommt, der kaum an das Schienennetz angeschlossen werden kann, muss objektiv gesehen, deutlich kritisch bewertet oder sogar verneint werden. Es nutzt unserer Region rein gar nichts, wenn mit aller Mitteln versucht wird, hier dieses Industriegebiet „durchzupauken“, wenn die Standortbedingungen „schöngeredet“ werden. Allerdings kann es einzelnen „Kommunalen“ zu Schlagzeilen verhelfen, um sich demnächst wählen zu lassen.

Aus diesem Grunde wird die BI in Kürze zu einer Podiumsdiskussion in Nordhausen einladen, zu der vor allem die Befürworter eingeladen sind, um ihre Argumente kennen zu lernen, die sie dazu veranlassen jedwede Kritik an der Planung auszublenden. Kritische Auseinandersetzung bleibt deutlich nötig. Die kritische Haltung der Bürgerinitiative nur auf „Hamsterproblematiken“ zu reduzieren, was immer wieder versucht wird, wird einer sachgerechten Auseinandersetzung mit den Entwicklungschancen unserer Region nicht gerecht. Wenn nicht gravierende Probleme einer Realisierung entgegenstehen würden, wäre dieses Gebiet schon längst baureif. Das dieses noch nicht erreicht werden konnte, sollte auch die Befürworter nachdenklich stimmen.
BI „Rettung der Goldenen Aue“, Klaus-Dieter Korb

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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