Do, 15:14 Uhr
29.09.2011
nnz-Betrachtung: Perfekt inszeniert
Eigentlich ist es nicht so mein Ding, über die große Politik da in Berlin öffentlich meine Meinung bekannt zu machen. Doch in diesem Fall soll das schon mal erlaubt sein. Weil diese Politik das Maß der Unerträglichkeit überschritten hat...
Haben Sie je auch nur den Hauch eines Zweifels gehabt, dass die heutige Abstimmung über den Rettungsschirm im Bundestag für die machtbesessene Frau Merkel schief laufen kann? Ich hatte keinen Zweifel und letztlich zeigten die zurückliegenden Tage, dass jeglicher Zweifel unbegründet war.
Es war alles perfekt inszeniert. Das Spektakel der Milliarden begann damit, dass die Kanzler-Mehrheit plötzlich nicht mehr da war. Sie war der Frau Markel abhanden gekommen - scheinbar. Es gab Abweichler in den Reihen der Koalition. Immer mehr schienen es zu werden. Ein ganzes Volk sollte zittern oder vielleicht voller Ehrfurcht nach Berlin schauen: Seht, da agieren sie, die Volksvertreter. Sie machen sich einen Kopf um die Zukunft des Euro. Sie zerbrechen sich ihre Köpfe um unser Land, das mit mehr als 220 Milliarden Euro bürgt.
Das ist Politik, da wird gerungen, da wird gekämpft, da wird gezittert - besser als ein Tatort in der ARD. Spätestens seit das ERSTE seinen medialen Rettungsschirm über diese Regierenden aufspannte, war klar: Das ist alles nur Mache. Und dann kam als Geheimwaffe Günther Jauch. Ich selbst, das will ich gern zugeben, habe am Sonntag nach zehn Minuten einfach abgeschaltet, der Plattheiten waren es da schon genug.
Die Einschätzung und Einordnung dieser Sendung überlasse ich dem von mir hochgeschätzten Jakob Augstein, Sohn den legendären Spiegel-Gründers: "Es war Angela Merkels Glück, dass ausgerechnet Günther Jauch den wichtigsten Sendeplatz des deutschen Fernsehens übernommen hat. Auf diesen Moderator kann sich die Kanzlerin besser verlassen als auf die eigenen Leute.
Am vergangenen Sonntag lud sich Merkel erst selber ein und hielt dann eine durch unangenehme Nachfragen weitgehend ungestörte einstündige Regierungserklärung. Jauch bewies in seiner ganzen nuschelnden Harmlosigkeit, dass man auch eine politische Talkshow zu einem so komplizierten Thema so moderieren kann wie die "Sendung mit der Maus".
Selten wurden die zwei zentralen Prinzipien der deutschen Mediendemokratie - Verblödung und Unterforderung - so offenbart wie hier in der harmonischen Zusammenarbeit von Politiker und Moderator.
Das war das Semifinale in diesem vermeintlichen Kampf um unser Land. Das Finale - heute im Bundestag. Vorher das schrittweise Nachgeben der einstigen, um Europa besorgten Widerständler. Man habe sie überzeugt, man habe Druck gemacht, so flöteten es die Berichterstatter à la Ulrich Deppendorf oder Bettina Schausten, wenn sie mit versteinerter Mine vor Reichstag oder Kanzleramt stehen.
Jetzt also ist es geschafft - nicht der Euro, nicht Griechenland und schon überhaupt nicht Deutschland sind gerettet, sondern einzig und allein die Banken, in deren Auftrag diese Inszenierung vonstatten ging. Sie und diese gesamte machtgeile Politik erreicht langsam und sicher die Qualität der Unerträglichkeit...
Wie froh bin ich da, dass ich mich um die kommunale Politik "kümmern" muss, kann oder darf. Da ist alles noch durchschaubar. Noch? Ab und zu gibt es auch schon in Kreistag oder Nordhäuser Stadtrat einige Inszenierungen. Nur Banken mussten noch nicht gerettet werden. Und Deutschland eben auch nicht. Nicht mal Nordhausen.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzHaben Sie je auch nur den Hauch eines Zweifels gehabt, dass die heutige Abstimmung über den Rettungsschirm im Bundestag für die machtbesessene Frau Merkel schief laufen kann? Ich hatte keinen Zweifel und letztlich zeigten die zurückliegenden Tage, dass jeglicher Zweifel unbegründet war.
Es war alles perfekt inszeniert. Das Spektakel der Milliarden begann damit, dass die Kanzler-Mehrheit plötzlich nicht mehr da war. Sie war der Frau Markel abhanden gekommen - scheinbar. Es gab Abweichler in den Reihen der Koalition. Immer mehr schienen es zu werden. Ein ganzes Volk sollte zittern oder vielleicht voller Ehrfurcht nach Berlin schauen: Seht, da agieren sie, die Volksvertreter. Sie machen sich einen Kopf um die Zukunft des Euro. Sie zerbrechen sich ihre Köpfe um unser Land, das mit mehr als 220 Milliarden Euro bürgt.
Das ist Politik, da wird gerungen, da wird gekämpft, da wird gezittert - besser als ein Tatort in der ARD. Spätestens seit das ERSTE seinen medialen Rettungsschirm über diese Regierenden aufspannte, war klar: Das ist alles nur Mache. Und dann kam als Geheimwaffe Günther Jauch. Ich selbst, das will ich gern zugeben, habe am Sonntag nach zehn Minuten einfach abgeschaltet, der Plattheiten waren es da schon genug.
Die Einschätzung und Einordnung dieser Sendung überlasse ich dem von mir hochgeschätzten Jakob Augstein, Sohn den legendären Spiegel-Gründers: "Es war Angela Merkels Glück, dass ausgerechnet Günther Jauch den wichtigsten Sendeplatz des deutschen Fernsehens übernommen hat. Auf diesen Moderator kann sich die Kanzlerin besser verlassen als auf die eigenen Leute.
Am vergangenen Sonntag lud sich Merkel erst selber ein und hielt dann eine durch unangenehme Nachfragen weitgehend ungestörte einstündige Regierungserklärung. Jauch bewies in seiner ganzen nuschelnden Harmlosigkeit, dass man auch eine politische Talkshow zu einem so komplizierten Thema so moderieren kann wie die "Sendung mit der Maus".
Selten wurden die zwei zentralen Prinzipien der deutschen Mediendemokratie - Verblödung und Unterforderung - so offenbart wie hier in der harmonischen Zusammenarbeit von Politiker und Moderator.
Das war das Semifinale in diesem vermeintlichen Kampf um unser Land. Das Finale - heute im Bundestag. Vorher das schrittweise Nachgeben der einstigen, um Europa besorgten Widerständler. Man habe sie überzeugt, man habe Druck gemacht, so flöteten es die Berichterstatter à la Ulrich Deppendorf oder Bettina Schausten, wenn sie mit versteinerter Mine vor Reichstag oder Kanzleramt stehen.
Jetzt also ist es geschafft - nicht der Euro, nicht Griechenland und schon überhaupt nicht Deutschland sind gerettet, sondern einzig und allein die Banken, in deren Auftrag diese Inszenierung vonstatten ging. Sie und diese gesamte machtgeile Politik erreicht langsam und sicher die Qualität der Unerträglichkeit...
Wie froh bin ich da, dass ich mich um die kommunale Politik "kümmern" muss, kann oder darf. Da ist alles noch durchschaubar. Noch? Ab und zu gibt es auch schon in Kreistag oder Nordhäuser Stadtrat einige Inszenierungen. Nur Banken mussten noch nicht gerettet werden. Und Deutschland eben auch nicht. Nicht mal Nordhausen.
Peter-Stefan Greiner

