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Mi, 15:18 Uhr
27.08.2003

Hilfe in der Schuldenfalle

Nordhausen (nnz). Schulden sind unangenehm. Oftmals gibt es nur wenig Auswege aus dieser Falle. Hilfe bietet in diesen Situationen die Schuldnerberatung. Die feiert jetzt ihren 10. Geburtstag. Für die nnz Anlaß zur Bilanz, die nicht sehr erfreulich ausfällt.


Als vor 10 Jahren am 01.09.93 die Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt ins Leben gerufen wurde, war wohl keinem der Initiatoren bewusst, zu welch wichtigem Beratungsangebot sich Schuldnerberatung im Laufe der Jahre entwickeln würde. Das Jubiläum war Anlass für einen kurzen Rückblick durch die Geschäftsführerin Roswitha Steinecke und die Vorstandsvorsitzende Dagmar Becker. Ein besonderes Dankeschön ging an Bärbel Müller, Leiterin der Awo-Sozialstation in Heringen, die in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale die Beratungsstelle 1993 unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt eröffnet hatte. Ebenso galt Dank und Anerkennung der Leiterin der heutigen Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstelle, Monika Röthling, die sich die erforderlichen Qualifikationen aneignete und vom ersten Tag an als Beraterin für die ständig wachsende Zahl der Rat Suchenden tätig war.

Zunächst konnte die Beratungsarbeit über eine ABM-Maßnahme, später über SAM und zwischenzeitlich über Festanstellungen abgesichert werden. Obwohl die Finanzierung den Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt jedes Jahr vor neue Herausforderungen stellte, gelang es mit Unterstützung des Landkreises und des Landes Thüringen, eine stabile und fachlich fundierte Dienstleistung für die ständig wachsenden Nachfrage nach Schuldnerberatung zu entwickeln. Ein herzliches Dankeschön wurde auch an die Kreissparkasse, die Nordthüringer Volksbank und die Gemeinde Sollstedt gerichtet, die mit Spenden insbesondere die materiell-technische Ausrüstung unterstützten.

Während 1993 mit 16 Fällen in der Schuldnerberatung begonnen wurde, bewegen sich heute die jährlichen Fallzahlen um 150 pro Beratungsfachkraft. Die Voraussetzungen dafür wurden von der Awo durch die ständige Weiterbildung der Beraterin sowie durch die Bereitstellung moderner PC-Technik geschaffen. In den Beratungsgesprächen müssen professionelle Kompetenz in der Sozialarbeit mit juristischem, psychologischem und finanzwirtschaftlichem Wissen vereint werden, um für die unterschiedlichsten Fälle kompetenter Ansprechpartner zu sein. Letztendlich entscheidet aber das Vertrauen der Klienten und deren Befähigung, selbst aktiv im Entschuldungsprozess tätig zu werden , über den tatsächlichen Erfolg.

Dieser lässt sich nicht nur an der steigenden Anzahl eingereichter Insolvenzanträge messen. Erfolg in der Schuldnerberatung ist dann gegeben, wenn entschuldete Bürger auch mit ihrem wenigen Einkommen nicht erneut in die Schuldenfalle tappen und sich bei finanziellen Entscheidungen vorher sachkundiger Rat einholen, ehe sie Kreditverträge unterschreiben. Verhinderte Wohnungskündigungen, gerettete Arbeitsplätze, stabilisierte Ehen, zu Ende gebrachte Ausbildungen sind Erfolgserlebnisse, die dazu beitragen, dass Schuldnerberater die großen psychischen Belastungen verkraften können, die durch viele Einzelschicksale ihres Klientels bedingt sind.

Die bedenklich angestiegene Pro-Kopf-Verschuldung der betroffenen Personen von ca. 4.000 Euro 1993 auf ca. 21.000 Euro im Jahr 2002 wird vor allem durch erhöhte Konsumentenkredite, gescheiterten Immobilienfinanzierungen und Verbindlichkeiten ehemaliger Selbständige hervorgerufen. Mit dem Jahr 1999 musste sich die Schuldnerberatung mit der Einführung des neuen Insolvenzgesetzes einer neuen Qualität in den Beratungsinhalten und ihrer Verantwortung bei der Vorbereitung und Begleitung von Verbraucherinsolvenzverfahren stellen. Die Möglichkeit, auch als privater Verbraucher ein Insolvenzverfahren mit Restschuldbefreiung beantragen zu können, führte zu einer extremen Nachfrage von überschuldeten Bürgern. Diese neue und für viele die einzige Chance, wieder schuldenfrei zu werden, stellte auch eine große Herausforderung für die in der Schuldnerberatung Tätigen dar.

Bei den Verhandlungen mit mehr als 1.000 Gläubigern im Jahr hat die Beratungsstelle der Awo sich stets als Vermittler in den oft verhärteten Positionen zwischen Schuldner und Gläubiger bewährt. Häufig konnten die Verhandlungen den gewünschten Interessenausgleich erreichen und für beide Seiten akzeptable Vergleiche erzielt werden. Während in den Anfangsjahren der Schuldnerberatung kaum ehemalige Selbständige vorsprachen, waren es in den letzten Jahren insgesamt 150, bei denen die Existenzgründung mit einem Schuldenberg endete. Seit Einführung der Insolvenzordnung auch für Verbraucher wurden mit Hilfe der Awo-Beratungs-stelle insgesamt 43 Verbraucherinsolvenzanträge gestellt.

Aber auch die allgemeine Schuldnerberatung gemäß Bundessozialhilfegesetz ist durch hohe Arbeitslosigkeit, gescheiterte Immobilienfinanzierungen, familiäre Probleme wie Scheidungen oder übersteigertes Konsumverhalten im Landkreis sprunghaft angestiegen. Mittels Budgetberatung und Entschuldungsplänen konnten eine Vielzahl von finanziell zerrütteten Haushalten teilweise bzw. vollständig entschuldet werden.

Durch die Zusammenlegung der Schulderberatungsstellen des Landkreises seit Beginn dieses Jahres unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt, verfügt die Beratungsstelle inzwischen über 3 Beratungsfachkräfte und eine Verwaltungsfachkraft. Die Beratung wurde in Nordhausen zentralisiert und außerdem in einer Außensprechstunde in Bleicherode angeboten. Trotzdem kann der ständig wachsenden Nachfrage von überschuldeten Bürgern nur durch Wartezeiten von mehreren Monaten Rechnung getragen werden. Gegenwärtig werden 388 Fälle bearbeitet, seit Beginn des Jahres wurden 28 Verbraucherinsolvenzanträge gestellt.

Mit einem Rückgang an Rat suchenden Bürgern ist durch die anhaltenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt nicht zu rechnen. Deshalb wünschen sich die Berater für ihre weitere Arbeit eine kontinuierlichere Finanzierung von Land und Landkreis, die dem Umfang und der Qualität der Beratung entspricht. und über die auch zeitnah verfügt werden kann.
Autor: nnz

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