Di, 18:27 Uhr
13.09.2011
Wackers Neue: Jonas Heidrich
Es hat sich viel getan bei Wacker Nordhausen. Der Kader der "Ersten" ist kaum wieder zu erkennen. Was machen die Neuen, wie leben sie in Nordhausen oder in Thüringen? Antworten gibt es in einer neuen Serie der nnz. Sandra Arm stellt die Neuen vor...
Jonas Heidrich liebt es ein wenig anders zu sein. Dafür gibt es viele Beispiele. So bevorzugte der 21-Jährige, der sich in der Sommerpause dem Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen anschloss, nicht die Nummer eins als Rückennummer. Stattdessen prangen beim Keeper zwei große Ziffern, die zwei und die fünf, auf seinem Shirt.
Der damalige Manager vom FC Rot-Weiß Erfurt, Stephan Beutel, hat mir diese Rückennummer zugeteilt, als ich in den Kader der ersten Mannschaft aufgerückt bin. Ich habe mich mit dieser Nummer sehr wohlgefühlt und Wacker gefragt, ob es möglich ist, die 25 zu bekommen. Es steckt also ein bisschen Aberglaube und ein bisschen Wohlfühlgefühl in diesen Zahlen, lüftet er das Geheimnis.
Das Anderssein könnte auch an seinem Geburtsdatum liegen. So erblickte Heidrich zwei Tage nach dem Mauerfall, am 11. November 1989, in Nordhausen das Licht der Welt. Soweit er sich an die Erzählungen seiner Mutter erinnern kann, lag sie allein im Krankenhaus, weil für viele die Sehnsucht nach dem Westen größer war. Der gebürtige Görsbacher verbindet mit diesem außergewöhnlichen Tag aber noch viel mehr, denn wenn pünktlich um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit beginnt, dann schlägt auch sein Herz höher.
Die fünfte Jahreszeit ist für mich nach dem Sommer die schönste Jahreszeit, schwärmt er. Das kommt ebenfalls nicht von ungefähr, denn als jüngstes von drei Geschwistern, nach seiner Schwester Anne und seinem Bruder Martin, wuchs er in einer Familie auf, die sich aktiv im Karnevalsverein engagiert. Für den Auftakt in einigen Wochen laufen im Dorf bereits die ersten Vorbereitungen, sagt er. Wenn es die Zeit neben dem Fußball erlaubt, dann versuche ich zu jeder Sitzung anwesend zu sein.
Das könnte nun wieder öfters passieren, denn Heidrich ist zurück in seinem Revier. Der Fußball, viel mehr sein neuer Verein, gab den Ausschlag für seine Rückkehr in den Südharz. Davor war es neun Jahre die Landeshauptstadt mit seinem Aushängeschild dem FC RWE. Dass es Heidrich mal nach Erfurt verschlägt, das war zu Beginn seiner Karriere noch nicht abzusehen. Diese begann für den noch jungen Keeper vor 15 Jahren bei der SG Blau-Gelb Görsbach. Dort habe ich meinen ersten Spielerpass bekommen. Das Schöne war, dass ich ihn persönlich unterschrieben habe, erinnert er sich.
Im Besitz des Dokuments ist er heute nicht mehr. Ich habe ihn leider nicht mehr, wirkt er etwas geknickt. Gern würde er ihn zu den anderen Utensilien in seine Fußballkiste legen, doch es ist die Ungewissheit die den groß gewachsenen Blondschopf über den Verbleib nicht loslässt. Entweder er liegt noch bei meinem alten Verein oder beim Thüringer Fußballverband. Vielleicht hat ihn noch jemand, hat Heidrich die Hoffnung, seinen ersten Pass wieder in den Händen zu halten, noch nicht aufgegeben.
Acht Jahre hielt er seinem Heimatverein die Treue. In den Anfangsjahren auf dem Feld, meist als Libero, ab der D-Jugend dann zwischen den Pfosten. Dass ich Torhüter geworden bin, das ist aus der Not heraus geboren. Beim Fußballspielen mit den Freunden hatte ich nie Angst, mich in die Ecken zu schmeißen. Da wir in der D-Jugend keinen Torwart hatten, habe ich mich angeboten, berichtet der 1,89-Meter-Hüne. Bei seinen ersten Auftritten musste Heidrich noch sehr oft hinter sich greifen. So erinnert er sich an ein Spiel ganz besonders. Es war sein erstes auf Großfeld, als es gegen Mühlhausen ging. Am Ende musste sich sein Team mit 1:17 geschlagen geben. Damals auch schon mit im Team – Robin Teichmann, der ihm noch heute, nun beim FSV, die zahlreichen Gegentreffer vorhält.
Aus Fehlern lernt man, sagte sich Heidrich, der darin eine seiner größten Stärke sieht. Er hat gelernt unter anderem beim FC Rot-Weiß Erfurt. Dorthin wechselte das Talent vor sieben Jahren, durchlief die Jugendabteilungen und schaffte den Sprung bis in die erste Mannschaft. Er wurde die Nummer drei hinter Dirk Orlishausen und Andreas Sponsel. Zu einem Einsatz sollte es nie kommen, stattdessen fand man seinen Namen oft nur in der Aufstellung der Reserve (Oberliga) wieder. Als Heidrich vor wenigen Monaten erfuhr, dass Erfurts-Trainer, Stefan Emmerling, nicht mehr mit ihm plant, war die Enttäuschung groß, die Vereinssuche begann. Diese gestaltete sich etwas schwierig.
Ich habe mir einen neuen Verein mit Perspektive gesucht und hatte auch Angebote aus der Regionalliga vorliegen. Es war vor allem ein hartes Ringen für den Vorstand des FSV, Heidrich in den Südharz zu locken. Sie mussten viel Überzeugungsarbeit leisten und ich habe anschließend lange überlegt, ob ich das Angebot annehme, haderte der Görsbacher mit sich. Er entschied sich für Wacker. Die Gespräche verliefen sehr positiv. Ich habe den Wechsel keine Minute bereut. Das Umfeld ist sehr stabil und der Verein hat klare Ziele.
Doch noch ein weiterer Punkt gab am Ende den Ausschlag. Das hat sich von der Schule her super angeboten, verwies der Blondschopf, der gemeinsam mit Teamkollege Matti Langer in einer WG wohnt, auf seinen in Erfurt angefangenen Abendschulkurs, um sein Abitur nachzuholen. Zwei Jahre muss ich noch, in denen er nicht nur auf der Schulbank der Volkshochschule in Nordhausen unter anderem in seinem Lieblingsfach Mathe, es macht mir einfach Spaß Aufgaben zu rechnen, glänzen, sondern auch bei den Blau-Weißen einen bleibenden Eindruck hinterlassen will. Sein Motto lautet nicht umsonst Carpe Diem, was so viel heißt, Nutze den Tag. Ich möchte jeden Tag nutzen, um mich im sportlichen und geistigen Bereich einen Schritt weiterzuentwickeln. Besonders in der Torwarttechnik und beim Erlernen der französischen Sprache sieht Heidrich noch Reserven.
Anders ist auch das, was Heidrich am Sonnabend, 17. September, um 14. 30 Uhr erwartet. Dann steigt beim Tabellenzweiten in Sondershausen nämlich Le derby du nord, was aus dem französischen übersetzt Nordderby bedeutet. Auf dieses freut sich der Neuzugang nämlich ganz besonders. Ich war schon oft als Zuschauer bei den Spielen vor Ort. Auf ein Derby freut man sich immer, umso schöner ist es, wenn man am Ende als Sieger vom Platz geht und kein Gegentor kassiert.
Sandra Arm
Autor: psgIch hatte nie Angst, mich in die Ecken zu schmeißen
Jonas Heidrich liebt es ein wenig anders zu sein. Dafür gibt es viele Beispiele. So bevorzugte der 21-Jährige, der sich in der Sommerpause dem Fußball-Verbandsligisten FSV Wacker 90 Nordhausen anschloss, nicht die Nummer eins als Rückennummer. Stattdessen prangen beim Keeper zwei große Ziffern, die zwei und die fünf, auf seinem Shirt.
Der damalige Manager vom FC Rot-Weiß Erfurt, Stephan Beutel, hat mir diese Rückennummer zugeteilt, als ich in den Kader der ersten Mannschaft aufgerückt bin. Ich habe mich mit dieser Nummer sehr wohlgefühlt und Wacker gefragt, ob es möglich ist, die 25 zu bekommen. Es steckt also ein bisschen Aberglaube und ein bisschen Wohlfühlgefühl in diesen Zahlen, lüftet er das Geheimnis.
Das Anderssein könnte auch an seinem Geburtsdatum liegen. So erblickte Heidrich zwei Tage nach dem Mauerfall, am 11. November 1989, in Nordhausen das Licht der Welt. Soweit er sich an die Erzählungen seiner Mutter erinnern kann, lag sie allein im Krankenhaus, weil für viele die Sehnsucht nach dem Westen größer war. Der gebürtige Görsbacher verbindet mit diesem außergewöhnlichen Tag aber noch viel mehr, denn wenn pünktlich um 11.11 Uhr die fünfte Jahreszeit beginnt, dann schlägt auch sein Herz höher.
Die fünfte Jahreszeit ist für mich nach dem Sommer die schönste Jahreszeit, schwärmt er. Das kommt ebenfalls nicht von ungefähr, denn als jüngstes von drei Geschwistern, nach seiner Schwester Anne und seinem Bruder Martin, wuchs er in einer Familie auf, die sich aktiv im Karnevalsverein engagiert. Für den Auftakt in einigen Wochen laufen im Dorf bereits die ersten Vorbereitungen, sagt er. Wenn es die Zeit neben dem Fußball erlaubt, dann versuche ich zu jeder Sitzung anwesend zu sein.
Das könnte nun wieder öfters passieren, denn Heidrich ist zurück in seinem Revier. Der Fußball, viel mehr sein neuer Verein, gab den Ausschlag für seine Rückkehr in den Südharz. Davor war es neun Jahre die Landeshauptstadt mit seinem Aushängeschild dem FC RWE. Dass es Heidrich mal nach Erfurt verschlägt, das war zu Beginn seiner Karriere noch nicht abzusehen. Diese begann für den noch jungen Keeper vor 15 Jahren bei der SG Blau-Gelb Görsbach. Dort habe ich meinen ersten Spielerpass bekommen. Das Schöne war, dass ich ihn persönlich unterschrieben habe, erinnert er sich.
Im Besitz des Dokuments ist er heute nicht mehr. Ich habe ihn leider nicht mehr, wirkt er etwas geknickt. Gern würde er ihn zu den anderen Utensilien in seine Fußballkiste legen, doch es ist die Ungewissheit die den groß gewachsenen Blondschopf über den Verbleib nicht loslässt. Entweder er liegt noch bei meinem alten Verein oder beim Thüringer Fußballverband. Vielleicht hat ihn noch jemand, hat Heidrich die Hoffnung, seinen ersten Pass wieder in den Händen zu halten, noch nicht aufgegeben.
Acht Jahre hielt er seinem Heimatverein die Treue. In den Anfangsjahren auf dem Feld, meist als Libero, ab der D-Jugend dann zwischen den Pfosten. Dass ich Torhüter geworden bin, das ist aus der Not heraus geboren. Beim Fußballspielen mit den Freunden hatte ich nie Angst, mich in die Ecken zu schmeißen. Da wir in der D-Jugend keinen Torwart hatten, habe ich mich angeboten, berichtet der 1,89-Meter-Hüne. Bei seinen ersten Auftritten musste Heidrich noch sehr oft hinter sich greifen. So erinnert er sich an ein Spiel ganz besonders. Es war sein erstes auf Großfeld, als es gegen Mühlhausen ging. Am Ende musste sich sein Team mit 1:17 geschlagen geben. Damals auch schon mit im Team – Robin Teichmann, der ihm noch heute, nun beim FSV, die zahlreichen Gegentreffer vorhält.
Aus Fehlern lernt man, sagte sich Heidrich, der darin eine seiner größten Stärke sieht. Er hat gelernt unter anderem beim FC Rot-Weiß Erfurt. Dorthin wechselte das Talent vor sieben Jahren, durchlief die Jugendabteilungen und schaffte den Sprung bis in die erste Mannschaft. Er wurde die Nummer drei hinter Dirk Orlishausen und Andreas Sponsel. Zu einem Einsatz sollte es nie kommen, stattdessen fand man seinen Namen oft nur in der Aufstellung der Reserve (Oberliga) wieder. Als Heidrich vor wenigen Monaten erfuhr, dass Erfurts-Trainer, Stefan Emmerling, nicht mehr mit ihm plant, war die Enttäuschung groß, die Vereinssuche begann. Diese gestaltete sich etwas schwierig.
Ich habe mir einen neuen Verein mit Perspektive gesucht und hatte auch Angebote aus der Regionalliga vorliegen. Es war vor allem ein hartes Ringen für den Vorstand des FSV, Heidrich in den Südharz zu locken. Sie mussten viel Überzeugungsarbeit leisten und ich habe anschließend lange überlegt, ob ich das Angebot annehme, haderte der Görsbacher mit sich. Er entschied sich für Wacker. Die Gespräche verliefen sehr positiv. Ich habe den Wechsel keine Minute bereut. Das Umfeld ist sehr stabil und der Verein hat klare Ziele.
Doch noch ein weiterer Punkt gab am Ende den Ausschlag. Das hat sich von der Schule her super angeboten, verwies der Blondschopf, der gemeinsam mit Teamkollege Matti Langer in einer WG wohnt, auf seinen in Erfurt angefangenen Abendschulkurs, um sein Abitur nachzuholen. Zwei Jahre muss ich noch, in denen er nicht nur auf der Schulbank der Volkshochschule in Nordhausen unter anderem in seinem Lieblingsfach Mathe, es macht mir einfach Spaß Aufgaben zu rechnen, glänzen, sondern auch bei den Blau-Weißen einen bleibenden Eindruck hinterlassen will. Sein Motto lautet nicht umsonst Carpe Diem, was so viel heißt, Nutze den Tag. Ich möchte jeden Tag nutzen, um mich im sportlichen und geistigen Bereich einen Schritt weiterzuentwickeln. Besonders in der Torwarttechnik und beim Erlernen der französischen Sprache sieht Heidrich noch Reserven.
Anders ist auch das, was Heidrich am Sonnabend, 17. September, um 14. 30 Uhr erwartet. Dann steigt beim Tabellenzweiten in Sondershausen nämlich Le derby du nord, was aus dem französischen übersetzt Nordderby bedeutet. Auf dieses freut sich der Neuzugang nämlich ganz besonders. Ich war schon oft als Zuschauer bei den Spielen vor Ort. Auf ein Derby freut man sich immer, umso schöner ist es, wenn man am Ende als Sieger vom Platz geht und kein Gegentor kassiert.
Sandra Arm


