Fr, 18:52 Uhr
22.08.2003
Vor 60 Jahren
Nordhausen (nnz). In diesen Tagen, am 28. August, jährt sich zum 60. Mal der Tag, an dem der erste Transport mit 107 Häftlingen aus dem KZ Buchenwald mit seinen SS-Bewachern am Kohnstein bei Nordhausen eintraf, bald gefolgt von weiteren Transporten aus Buchenwald. Dazu eine Betrachtung vom Leiter der heutigen Gedenkstätte, Dr. Jens-Christian Wagner.
Damit erhielt Buchenwald ein neues Außenlager – das Arbeitslager Dora, wie es bei der SS offiziell hieß. Ein Lager im eigentlichen Sinne gab es jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Häftlinge wurden dort untergebracht, wo sie arbeiten mussten – in einer ausgedehnten Stollenanlage, die ursprünglich als unterirdisches Öllager konzipiert worden war und nun, wenige Tage nach einem schweren britischen Luftangriff auf Peenemünde, in eine unterirdische Raketenfabrik umgebaut werden sollte.
Zur Unterbringung der Häftlinge wurden vier Kammern der Stollenanlage als Schlafstollen eingerichtet. Tausende starben im Winter 1943/44 in dem unterirdischen Konzentrationslager an den Folgen von Erschöpfung, Hunger und katastrophalen sanitären Bedingungen. Erst nach Anlaufen der Raketenproduktion Anfang 1944 wurden die Häftlinge schrittweise in ein entstehendes oberirdisches Barackenlager verlegt; die letzten verließen die Schlafstollen erst Anfang Juni 1944 – falls sie bis dahin überlebt hatten.
Für die Überlebenden war das Leiden damit nicht vorbei. Sie mussten rund um Nordhausen weitere Stollenanlagen vorantreiben. Das Unternehmen Mittelbau sah vor, alle wichtigen Flugzeugfabriken des Junkers-Konzerns nach untertage zu verlagern, um sie vor alliierten Luftangriffen zu schützen. Dafür wurden in der Nähe der Baustellen KZ-Außenlager eingerichtet, die im Herbst 1944 mit dem Lager Dora zum KZ Mittelbau verselbständigt wurden. Tausende starben an den Folgen der Zwangsarbeit für absurde Bauprojekte, von denen keines fertiggestellt wurde. Von den insgesamt rund 60.000 Menschen, die in den KZ-Komplex Mittelbau-Dora verschleppt wurden, haben mehr als 20.000 das Kriegsende nicht mehr erlebt.
Mit zwei Veranstaltungen erinnert die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora im September an den 60. Jahrestag der Gründung des KZ Mittelbau-Dora. Am 15. September werden rund 200 Schüler und Schülerinnen gemeinsam mit Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora symbolisch die letzte Etappe des Todesmarsches der SS-Baubrigade III zwischen Letzlingen und Gardelegen ablaufen. Bei Gardelegen starben Mitte April 1945 über 1000 Häftlinge, darunter viele aus dem Mittelbau-Dora, in einer von SS, Wehrmacht und Volkssturm in Brand gesetzten Scheune. Im Beisein des Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Adolf Spotka, werden die Schüler und Überlebenden in Gardelegen mit dem Projekt Weg des Lebens der Opfer des KZ Mittelbau-Dora gedenken.
Am 16. September wird um 10.00 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora durch Vertreter der Städte Antwerpen und Nordhausen ein Gedenkstein für die Opfer der V-Waffen-Angriffe auf Antwerpen enthüllt. Im letzten Kriegsjahr starben in Antwerpen über 3500 Menschen durch den Beschuss mit V1- und V2-Raketen, die von Häftlingen im KZ Mittelbau-Dora hergestellt werden mussten. Viele belgische Häftlinge wurden gezwungen, Raketen zu montieren, die ihre eigenen Familienangehörigen bedrohten oder sogar töteten.
Autor: nnzDamit erhielt Buchenwald ein neues Außenlager – das Arbeitslager Dora, wie es bei der SS offiziell hieß. Ein Lager im eigentlichen Sinne gab es jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Häftlinge wurden dort untergebracht, wo sie arbeiten mussten – in einer ausgedehnten Stollenanlage, die ursprünglich als unterirdisches Öllager konzipiert worden war und nun, wenige Tage nach einem schweren britischen Luftangriff auf Peenemünde, in eine unterirdische Raketenfabrik umgebaut werden sollte.
Zur Unterbringung der Häftlinge wurden vier Kammern der Stollenanlage als Schlafstollen eingerichtet. Tausende starben im Winter 1943/44 in dem unterirdischen Konzentrationslager an den Folgen von Erschöpfung, Hunger und katastrophalen sanitären Bedingungen. Erst nach Anlaufen der Raketenproduktion Anfang 1944 wurden die Häftlinge schrittweise in ein entstehendes oberirdisches Barackenlager verlegt; die letzten verließen die Schlafstollen erst Anfang Juni 1944 – falls sie bis dahin überlebt hatten.
Für die Überlebenden war das Leiden damit nicht vorbei. Sie mussten rund um Nordhausen weitere Stollenanlagen vorantreiben. Das Unternehmen Mittelbau sah vor, alle wichtigen Flugzeugfabriken des Junkers-Konzerns nach untertage zu verlagern, um sie vor alliierten Luftangriffen zu schützen. Dafür wurden in der Nähe der Baustellen KZ-Außenlager eingerichtet, die im Herbst 1944 mit dem Lager Dora zum KZ Mittelbau verselbständigt wurden. Tausende starben an den Folgen der Zwangsarbeit für absurde Bauprojekte, von denen keines fertiggestellt wurde. Von den insgesamt rund 60.000 Menschen, die in den KZ-Komplex Mittelbau-Dora verschleppt wurden, haben mehr als 20.000 das Kriegsende nicht mehr erlebt.
Mit zwei Veranstaltungen erinnert die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora im September an den 60. Jahrestag der Gründung des KZ Mittelbau-Dora. Am 15. September werden rund 200 Schüler und Schülerinnen gemeinsam mit Überlebenden des KZ Mittelbau-Dora symbolisch die letzte Etappe des Todesmarsches der SS-Baubrigade III zwischen Letzlingen und Gardelegen ablaufen. Bei Gardelegen starben Mitte April 1945 über 1000 Häftlinge, darunter viele aus dem Mittelbau-Dora, in einer von SS, Wehrmacht und Volkssturm in Brand gesetzten Scheune. Im Beisein des Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Adolf Spotka, werden die Schüler und Überlebenden in Gardelegen mit dem Projekt Weg des Lebens der Opfer des KZ Mittelbau-Dora gedenken.
Am 16. September wird um 10.00 Uhr in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora durch Vertreter der Städte Antwerpen und Nordhausen ein Gedenkstein für die Opfer der V-Waffen-Angriffe auf Antwerpen enthüllt. Im letzten Kriegsjahr starben in Antwerpen über 3500 Menschen durch den Beschuss mit V1- und V2-Raketen, die von Häftlingen im KZ Mittelbau-Dora hergestellt werden mussten. Viele belgische Häftlinge wurden gezwungen, Raketen zu montieren, die ihre eigenen Familienangehörigen bedrohten oder sogar töteten.


