Di, 20:13 Uhr
20.02.2001
Jugendangebote und die Schlacht am kalten Büffet
Nordhausen (nnz). Die Kunde der Ausschusssitzung verbreitete sich in Nordhausen schon gestern sehr schnell. Und wie das bei einer Verbreitung in verbaler Form so ist, pro Übertragungsstation kommt etwas hinzu. Und so kaum die Kunde denn am Abend auch im Nordhäuser Jugendklubhaus an. Da wurde aus einem Entwurf auch gleich die Schließung des Jugendklubhauses gemacht. Voller Wut im Bauch und in Begleitung von "professionellen Jugendlichen", (siehe nnz-Foto) ausgestattet mit Plakaten, deren Schrift überhaupt keine jugendlichen Züge aufwies, und sinnreichen Sprüchen wie: "Vorne aufgebaut, mit dem Arsch wieder eingerissen!" wurde zuerst das historischen Landratsamt umstellt, später dann der Plenarsaal geentert.Da drin wurde nicht nur die Ruhe der Kreistagsmitglieder durcheinander gebracht, da wurde erst einmal die Tagesordnung geändert. Am Anfang gleich Einwohnerfragestunde. Warum wird an der Jugend gespart? Was ist aus den Wahlversprechen geworden? Konkrete Antworten gab es nicht. Konnten die Kreistagsmitglieder auch nicht geben. Der Haushalt stand zur ersten Lesung auf dem Programm, noch als Entwurf. Das machte Landrat Joachim Claus (CDU) auch klar. Kritik richtetet Jürgen Hohberg (pl, CDU-Fraktion) an den Jugendhilfeausschuß und seine inszenierte Aufmachung. Er fand es unseriös, der Öffentlichkeit einen Kahlschlag zu suggerieren. Hohberg sagte zu, dass niemand im Kreistag etwas kaputt machen wolle. Thomas Pape (CDU) gab danach zu bedenken, dass die Jugendpflege im Landkreis Nordhausen eher im unteren Mittelfeld des Thüringer Durchschnittes angesiedelt sei. Die bislang vorgesehene Kürzung der Mittel dafür würde zu einer Reduzierung der Angebote um rund 30 bis 40 Prozent von dem jetzt schon bescheidenen Niveau führen. Landrat Claus machte den Jugendlichen ein Gesprächsangebot und bot weiter an, dass sich Vertreter der verschiedenen Projekte und Jugendgruppen die Kreistagssitzung anhören und ansehen könnten, vor allem, wenn der Haushalt in erster Lesung eingebracht werde. Diesem Streß wollten sich die Kids dann noch nicht aussetzen, sie zogen es vor, den Saal zu verlassen, noch mal schnell zum Handy zu greifen und vor dem Plenarsaal das kalte Büffet zu plündern, ohne zu bezahlen natürlich. Für die entstandenen Kosten werde das Landratsamt aufkommen, kündigte der Landrat an. Und das bei einer derart komplizierten Haushaltslage.


