Die aktuelle Lage
Gefährdungslage muss wieder lokal betrachtet werden
Mittwoch, 29. April 2020, 18:30 Uhr
In den letzten zehn Tagen war bei lediglich einem von fünf bekannt gewordenen Infektionsfällen im Landkreis der Ursprung nicht mehr zurückzuverfolgen. Ein gutes Zeichen, meinte Landrat Jendricke heute und plädierte dafür im Kampf gegen das Virus wieder mehr Regionalität zu wagen…
Woran macht man fest, dass sich die Lage langsam entspannt? Ein Indikator könnte, zumindest aus Journalistensicht, die Dauer des heutigen Pressegesprächs sein. Kam man in den letzten Wochen im Schnitt für anderthalb bis zwei Stunden im Landratsamt zusammen, war die Informationsrunde heute nach einer guten Stunde vorbei. Und dabei hat es nicht an Themen gemangelt. Doch zunächst die gewohnte Übersicht zum Stand der Dinge:
Fünf neue Fälle in zehn Tagen und nur einer mit unbekannter Infektionsquelle - das sei eine gute Entwicklung, die sich vielleicht auch auf die Einführung der Mund-Nasen-Schutz-Pflicht zurückführen lasse, meinte Landrat Matthias Jendricke. Wir hoffen, dass sich die Entwicklung weiter in diesem Rahmen bewegt, das wäre sehr erfreulich. Die langsame Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens begrüße er ausdrücklich, man brauche jetzt dieses Aufbruchssignal.
Im Zuge der Entwicklung sollte man nun auch darüber nachdenken wieder mehr Regionalität zuzulassen. Der Ruf nach einem einheitlichen Maßnahmen ist jetzt vielleicht nicht mehr der richtige Weg. Rückschlüsse auf die Gefährdungslage müsse man auch an lokalen Entwicklungen fest machen. Nordhausen sei eine medizinische Notlage zum Glück erspart geblieben und die Zahlen lägen zum Teil deutlich unter denen anderer Nachbarkreise wie dem Eichsfeld oder dem Landkreis Harz. In Nordhausen habe man ein hohes Schutzniveau erreicht. Deutlich werde das unter anderen auch an dem Umstand, dass sich durch den Einsatz von entsprechenden Schutzmaßnahmen keine weiteren Rettungskräfte in Ausübung ihrer Arbeit mit dem Corona-Virus angesteckt haben.
Neue Herausforderungen bringt derweil die Lockerung der Einschränkungen zur Versammlungsfreiheit mit sich, es droht der 1. Mai, sagte Jendricke. Eine erste Demonstration vor dem Nordhäuser Rathaus begleitete man bereits in der vergangenen Woche. Die Standdemo sei ruhig und unter Einhaltung der Vorgaben verlaufen, berichtete Haase. Für den kommenden Freitag sind nun zwei weitere Demonstrationen angemeldet und genehmigt worden. Zum einen wird die Marxistisch-Leninistische Partei an der Maitradition zum Tag der Arbeit festhalten, zum anderen hat die Gruppe Fridays for Grundrechte erneut zum Protest aufgerufen und will sich mit dem Thema Pflege in der Krise auseinandersetzen. Einen Demonstrationszug habe man letzterer Gruppe unter den gegebenen Bedingungen nicht gestattet, stattdessen wurden den Anmeldern drei Kundgebungen erlaubt. Wir sind Versammlungsbehörde aber wir müssen auch den Infektionsschutz und die Kontaktbeschränkungen bedenken. Da ist gerade vieles schwerer durchführbar als sonst, wir bitten deswegen um Verständnis, ergänzte Jendricke Er begrüße es zudem, dass die meisten Parteien auf ihre traditionellen Mai-Kundgebungen in diesem Jahr verzichten.
Kritische Töne fand der Beigeordnete mit Blick auf die Informationen von Landesseite. Die Vorgaben seien zum Teil schwammig, es fehle an Präzisierungen. Unklar ist auch, wie es mit der Wiedereröffnung der Kindergärten weitergehen soll, hier warte man gespannt auf das, was aus Erfurt noch kommen soll.
Dem Jenaer Modell, das Mund- und Nasenschutz auch im Unterricht vorsieht, werde man nicht folgen, erklärte Jendricke.
Ausreden kann es jetzt nicht mehr geben
Anders in medizinischen Pflegeeinrichtungen. Hier müsse unbedingt mit Mund- und Nasenschutz, im engen Kontakt mit den Patienten auch mit FFP2-Masken, gearbeitet werden. Das Landratsamt habe die Pflegeheime noch einmal kontaktiert um Bedarfe abzufragen, die Nachfrage nach Schutzmaterial sei aber gering gewesen. Es kann jetzt hier keine Ausreden mehr geben, unterstrich Jendricke.
Die Versorgung der Apotheken werde man über den April hinaus beibehalten, der Ansturm, den man vor Ostern erleben musste, habe sich inzwischen relativiert. Die Amtsärztin würde zudem gerne Antikörper-Schnelltests im Landkreis einsetzen, noch sei die Datenlage zur Verlässlichkeit solcher Tests aber zu dünn. Falsch-positive Tests in Größenordnungen wolle man vermeiden und sieht daher vorerst vom Einsatz solcher Tests ab.
Angelo Glashagel
Autor: redWoran macht man fest, dass sich die Lage langsam entspannt? Ein Indikator könnte, zumindest aus Journalistensicht, die Dauer des heutigen Pressegesprächs sein. Kam man in den letzten Wochen im Schnitt für anderthalb bis zwei Stunden im Landratsamt zusammen, war die Informationsrunde heute nach einer guten Stunde vorbei. Und dabei hat es nicht an Themen gemangelt. Doch zunächst die gewohnte Übersicht zum Stand der Dinge:
- Der Landkreis Nordhausen verzeichnet im Moment 57 bestätigte Corona-Infektionen, 26 Personen gelten als gesundet. Eine angegebener 58. Fall musste statistisch einem anderen Bundesland zugeordnet werden
- Vier neue Fälle waren am vergangenen Donnerstag bekannt geworden, ein weiterer kam gestern hinzu
- Vier der fünf Fälle lassen sich auf eine Folgeansteckung in der Familie oder eine Infektion im beruflichen Umfeld zurückführen, in einem Fall war der Ursprung der Infektion nicht mehr festzustellen
- zwei Personen sind bisher verstorben
- zwei der vier französischen Patienten konnten die Lungenklinik Neustadt verlassen und wurden wieder ausgeflogen, die beiden verbliebenen Patienten müssen noch intensivmedizinisch versorgt werden
- Insgesamt befinden sich neun Personen in intensivmedizinischer Behandlung
- das Abstrichzentrum hat bisher ingesamt 580 Tests durchgeführt, das Gesundheitsamt liegt aktuell bei 188
- die Zahl der Schulkinder in Notbetreuung lag zuletzt bei 68, die Zahl der betreuten Kindergartenkinder verdoppelte sich im Vergleich zur Vorwoche fast und stieg auf 374
Fünf neue Fälle in zehn Tagen und nur einer mit unbekannter Infektionsquelle - das sei eine gute Entwicklung, die sich vielleicht auch auf die Einführung der Mund-Nasen-Schutz-Pflicht zurückführen lasse, meinte Landrat Matthias Jendricke. Wir hoffen, dass sich die Entwicklung weiter in diesem Rahmen bewegt, das wäre sehr erfreulich. Die langsame Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens begrüße er ausdrücklich, man brauche jetzt dieses Aufbruchssignal.
Im Zuge der Entwicklung sollte man nun auch darüber nachdenken wieder mehr Regionalität zuzulassen. Der Ruf nach einem einheitlichen Maßnahmen ist jetzt vielleicht nicht mehr der richtige Weg. Rückschlüsse auf die Gefährdungslage müsse man auch an lokalen Entwicklungen fest machen. Nordhausen sei eine medizinische Notlage zum Glück erspart geblieben und die Zahlen lägen zum Teil deutlich unter denen anderer Nachbarkreise wie dem Eichsfeld oder dem Landkreis Harz. In Nordhausen habe man ein hohes Schutzniveau erreicht. Deutlich werde das unter anderen auch an dem Umstand, dass sich durch den Einsatz von entsprechenden Schutzmaßnahmen keine weiteren Rettungskräfte in Ausübung ihrer Arbeit mit dem Corona-Virus angesteckt haben.
Es droht der 1. Mai
Der Landrat äußerte sich noch einmal zu den gegen ihn gerichteten Drohungen in den sozialen Netzwerken. Zu Anzeigen wegen Beleidigung und Bedrohung greife man relativ selten, dass es andere Auffassungen gebe, müsse man als Politiker hinnehmen. Im jüngsten Fall sei das Maß aber deutlich überschritten worden. Derlei Grenzüberschreitungen kann man nicht hinnehmen, nicht als Politiker und auch nicht privat, sagte Jendricke. Sollten Vollzugskräfte in Ausübung ihrer Tätigkeit beleidigt werden, werde das Landratsamt auch hier als Dienstherr Anzeige erstatten. Ein solcher Fall hatte sich am vergangenen Wochenende ereignet, berichtete die zweite Beigeordnete, Hannelore Haase. Die Einsatzkräfte des Landratsamtes, die zur Überprüfung der Anti-Corona-Maßnahmen unterwegs waren, wurden von einer Person derart angegangen, dass man die Polizei hinzuziehen musste. In der Gesamtbetrachtung sei die Zahl der Einsätze im Vergleich zu den Vorwochen aber in etwa gleichbleibend.Neue Herausforderungen bringt derweil die Lockerung der Einschränkungen zur Versammlungsfreiheit mit sich, es droht der 1. Mai, sagte Jendricke. Eine erste Demonstration vor dem Nordhäuser Rathaus begleitete man bereits in der vergangenen Woche. Die Standdemo sei ruhig und unter Einhaltung der Vorgaben verlaufen, berichtete Haase. Für den kommenden Freitag sind nun zwei weitere Demonstrationen angemeldet und genehmigt worden. Zum einen wird die Marxistisch-Leninistische Partei an der Maitradition zum Tag der Arbeit festhalten, zum anderen hat die Gruppe Fridays for Grundrechte erneut zum Protest aufgerufen und will sich mit dem Thema Pflege in der Krise auseinandersetzen. Einen Demonstrationszug habe man letzterer Gruppe unter den gegebenen Bedingungen nicht gestattet, stattdessen wurden den Anmeldern drei Kundgebungen erlaubt. Wir sind Versammlungsbehörde aber wir müssen auch den Infektionsschutz und die Kontaktbeschränkungen bedenken. Da ist gerade vieles schwerer durchführbar als sonst, wir bitten deswegen um Verständnis, ergänzte Jendricke Er begrüße es zudem, dass die meisten Parteien auf ihre traditionellen Mai-Kundgebungen in diesem Jahr verzichten.
Schwammige Vorgaben aus Erfurt
Die schrittweise Wiederaufnahme des Unterrichts habe aus Sicht des Landratsamtes bisher gut funktioniert, erklärte der erste Beigeordnete, Stefan Nüßle. Der Landkreis ist als Schulträger unter anderem für den Schülertransport und die hygienischen Maßnahmen in den Gebäuden zuständig. In Sachen Transport befinde man sich weiter in Absprache mit den Verkehrsbetrieben um an den Stellen, wo mit mehr Schülern zu rechnen ist, nachjustieren zu können. Wir befinden uns in guter und enger Abstimmung um die Dinge wieder in Gang zu setzen aber da hat gerade jeder sein Päckchen zu tragen, sagte Nüßle.Kritische Töne fand der Beigeordnete mit Blick auf die Informationen von Landesseite. Die Vorgaben seien zum Teil schwammig, es fehle an Präzisierungen. Unklar ist auch, wie es mit der Wiedereröffnung der Kindergärten weitergehen soll, hier warte man gespannt auf das, was aus Erfurt noch kommen soll.
Dem Jenaer Modell, das Mund- und Nasenschutz auch im Unterricht vorsieht, werde man nicht folgen, erklärte Jendricke.
Ausreden kann es jetzt nicht mehr geben
Anders in medizinischen Pflegeeinrichtungen. Hier müsse unbedingt mit Mund- und Nasenschutz, im engen Kontakt mit den Patienten auch mit FFP2-Masken, gearbeitet werden. Das Landratsamt habe die Pflegeheime noch einmal kontaktiert um Bedarfe abzufragen, die Nachfrage nach Schutzmaterial sei aber gering gewesen. Es kann jetzt hier keine Ausreden mehr geben, unterstrich Jendricke.
Die Versorgung der Apotheken werde man über den April hinaus beibehalten, der Ansturm, den man vor Ostern erleben musste, habe sich inzwischen relativiert. Die Amtsärztin würde zudem gerne Antikörper-Schnelltests im Landkreis einsetzen, noch sei die Datenlage zur Verlässlichkeit solcher Tests aber zu dünn. Falsch-positive Tests in Größenordnungen wolle man vermeiden und sieht daher vorerst vom Einsatz solcher Tests ab.
Angelo Glashagel

