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Die aktuelle Lage

Jeder schützt jeden

Dienstag, 14. April 2020, 17:45 Uhr
Wie geht es weiter im Landkreis Nordhausen unter Corona? Wie die nächste Etappe aussehen wird hängt stark davon worauf sich Bund und Länder morgen einigen. Überlegungen dazu stellt man im Landratsamt bereits an und informierte heute wieder über den aktuellen Stand der Dinge und den voraussichtlichen „Fahrplan“ für die nächste Zeit…

Das Landratsamt informierte heute zur aktuellen Lage im Landkreis (Foto: Angelo Glashagel) Das Landratsamt informierte heute zur aktuellen Lage im Landkreis (Foto: Angelo Glashagel)

Die Osterfeiertage sind ohne größere Vorkommnisse über die Bühne gegangen, Polizei, Ordnungs- und Gesundheitsamt waren am über die Feiertage verstärkt im Einsatz, mussten aber nur vereinzelt Menschenansammlungen auflösen ohne das es dabei zu Auseinandersetzungen gekommen sei.

In der Regel würden die Menschen gut auf die persönliche Ansprache reagieren, sagte die zweite Beigeordnete, Hannelore Haase. Dafür müsse man den Menschen auch einmal ein „Danke schön“ aussprechen.

Das Virus kennt derweil keine Feiertage, hier die aktuellen Zahlen:
  • die Zahl der bestätigten Infektionen ist über die Feiertage um neun auf insgesamt 40 Fälle gestiegen
  • sechs Personen finden sich in stationärer Behandlung, wobei drei Patienten intensivmedizinisch betreut werden
  • nicht mitgezählt werden die vier französischen Patienten die in der Neustädter Lungenklinik behandelt werden, hier seien zwei Personen auf dem Weg der Besserung
  • unter den Infizierten fand sich in den letzten Wochen auch medizinisches Fachpersonal. Der Landrat wies darauf hin das die Betroffenen zwar im Landkreis wohnen, sich aber im Rahmen ihrer Tätigkeit in einem Nachbarkreis angesteckt haben
  • durch Corona bedingte Todesfälle hat es im Landkreis bisher nicht gegeben, wobei der Landrat zu bedenken gab, dass man bisher noch keine Infektionsfälle in Alten- und Pflegeheimen gehabt habe
  • zur Zeit befinden sich 89 Personen in Absonderung
  • die Abstrichstelle der kassenärztlichen Vereinigung hat bisher 460 Abstriche vorgenommen, das Gesundheitsamt liegt bei 71 solcher Untersuchungen. Die Zahlen seien im Vergleich zur Vorwoche vor allem aufgrund der Ostertage nicht signifikant gestiegen, erklärte der erste Beigeordnete Stefan Nüßle. Grundsätzlich habe die Abstrichstelle eine solche Schlagzahl erreicht, dass sich das Gesundheitsamt inzwischen auf andere Aufgaben konzentrieren könne und im Moment keine eigenen Untersuchungen mehr durchführen müsse. Ergebnisse würden inzwischen nach etwa 24 Stunden vorliegen
  • 189 Kindergartenkinder befanden sich in der vergangenen Woche in Notbetreuung. Die Notinobhutnahmestelle des Kreises musste sechs Kinder aufnehmen. Drei Aufnahmen betrafen jüngere Kinder im Alter zwischen 10 Monaten bis vier Jahre, sowie drei ältere Kinder, wobei zwei Fälle in ihre eigentlichen Einrichtungen zurückkehren können. Ein weiterer Fall wurde im Rahmen einer Krisenintervention in Obhut genommen und befindet sich inzwischen wieder im familiären Umfeld

Jeder schützt jeden

Der Landrat äußerte sich erneut zur seit heute geltenden Pflicht Mund- und Nasenschutz zu tragen. Jendricke machte noch einmal deutlich das die Verpflichtung lediglich für den Einkauf im Einzelhandel, für den öffentlichen Nahverkehr und die Fahrt mit Taxen gelte, nicht aber pauschal für den öffentlichen Raum oder den privaten Bereich. Die Beschaffung einfacher Masken sei eine logistische Herausforderung für den Koordinierungsstab, bei der ersten Tranche habe es in der vergangenen Woche deswegen auch Verzögerungen gegeben. Im Moment sei man dabei 150.000 weitere Masken in den Landkreis zu holen.

Da man schon im Januar während der Quarantäne zweier ausländischer Studierender das „Thema“ einmal habe durchspielen müssen und mit dem Südharz-Klinikum ein überregionales Krankenhaus im Kreis habe, mit dem man ohnehin über Beschaffungsfragen spreche, sei man vergleichsweise gut vorbereitet gewesen, meinte Jendricke. Die Amtsärztin verfolge seit Wochen einen „entschiedenen Weg“, der so vom Krisenstab auch mitgetragen werde. Das tragen von Mund- und Nasenschutz soll dazu beitragen die Fallzahlen im Landkreis weiter niedrig zu halten. „Man rettet Leben nicht nur in dem man genügend Beatmungsgeräte vorhält, man rettet auch Leben indem man dafür Sorge trägt das unser Gesundheitsamt die Kontakte positiv getesteter Personen nachverfolgen kann“. Wäre das nicht mehr gewährleistet weil die Fallzahlen zu hoch ausfallen, werde es schwierig auf den Stand zurückzukommen, auf dem man sich jetzt befinde. Im Nachbarlandkreis Göttingen sei das nicht gelungen, hier könne das Gesundheitsamt trotz höherer Personalstärke nicht mehr alle Kontakte nachverfolgen. „Von hohen Zahlen wieder auf niedrige zu kommen wäre in jedem Fall mit mehr Einschränkungen verbunden als beim einkaufen eine Maske zu tragen“, sagte Jendricke, niedrige Fallzahlen vor Ort seien deswegen kein Grund, die Sachlage „locker“ zu behandeln. Eine Übertragung des Virus beim Einkauf im Supermarkt werde durch Mund- und Nasenschutz zwar nicht völlig ausgeschlossen, werde aber maßgeblich minimiert. Man sollte sich jetzt auch solidarisch mit denjenigen zeigen, die in den Märkten arbeiten. „Jeder schützt jetzt jeden“, sagte Jendricke.

Mit den Bürgermeistern stehe man einmal in der Woche telefonisch in Kontakt. Das die Maskenpflicht kommen würde, sei seit 14 Tagen klar und habe niemanden überraschen können. Das man am vergangenen Wochenende noch einmal eine überarbeitete Variante der Allgemeinverfügung herausgegeben habe liege vor allem an Anpassungen durch die Landesseite, denen man habe folgen müssen.

Der Text unterscheide sich nicht wesentlich von dem der Verfügung aus der Vorwoche, man habe Empfehlungen entfernt, die angekündigte Pflicht aber beibehalten und lediglich einige Details deutlicher geregelt, etwa bei den zu treffenden Vorkehrungen im Einzelhandel. Etwas Verwirrung habe es zum Beispiel um die Desinfektionspflicht von Einkaufswagen gegeben. Die Verordnung regele deutlich das die Betreiber entweder die Desinfektion sicher zu stellen hätten oder Handschuhe für die Kundschaft bereitstellen müssen.

Schule, Sport und Volksfeste
Wie sich die Lage weiter entwickeln wird, hängt maßgeblich davon ab auf welche Schritte sich Bund und Länder in ihren Koordinierungsgesprächen einigen, die morgen stattfinden sollen. Die aktuelle Verordnung gelte demnach zwar nur bis zum 19.4., man rechne im Landratsamt jedoch damit das die Maßnahmen im Zuge der Gespräche auf Länderebene aktualisiert und verlängert werden. „Es wird, wahrscheinlich am Donnerstag oder am Freitag, eine neue Landesverordnung geben an die wir dann unsere Allgemeinverfügung anpassen müssen“, erklärte Jendricke.

Die neuen Regelungen könnten dann auch einen „Fahrplan“ für das weitere Vorgehen enthalten, allen voran im Bildungsbereich. Wie die im Detail aussehen werden weiß man im Landratsamt noch nicht, macht sich aber schon Gedanken zur teilweisen Wiederaufnahme des Unterrichts zum Ende des Monats. Eine organisatorische Hürde werde der Busverkehr, sagte Stefan Nüßle. Würde der Schulbetrieb in allen Klassenstufen gleichzeitig wieder aufgenommen, würden die Kapazitäten unter Einhaltung der Abstandsregeln nicht ausreichen. Denkbar sei daher das zunächst nur einzelne Klassenstufen wieder mit dem Unterricht beginnen und der morgendliche Schulstart gestaffelt wird.

Der Einsatz von Mund- und Nasenschutz könne es, wie in Österreich geschehen, möglich machen einzelne Bereiche wieder zu öffnen, meint der Landrat, nach der „kritischen Phase“ sei es an der Zeit, genauer auf örtliche Gegebenheiten zu blicken und zum Beispiel einzelne Sportarten mit geringen Infektionsrisiko, wie etwa das Tauchen im Landkreis Nordhausen, wieder zuzulassen. Großveranstaltungen wie Volksläufe oder größere Feste werde es in den nächsten Wochen und Monaten aber wohl nicht geben. „Unsere Planungen gehen über sechs Monate und so lange wird uns das Thema wohl auch noch in dieser Ernsthaftigkeit beschäftigen“.

Persönliche Anfeindungen in sozialen Medien würden ihn zwar ärgern, wer lange in der Politik tätig sei wisse aber damit umzugehen. „Natürlich ärgert das einen aber deswegen steckt man nicht den Kopf in den Sand. Die Dinge werden am Ende abgerechnet. Ich habe die Entscheidungen der Behörde nach außen zu kommunizieren und dafür als Person einzustehen. Wir reagieren gerne auf Kritik solange sie nicht pauschal und unfundiert daher kommt.“, sagte Jendricke. Im Alltag habe er für die Entscheidungen der letzten Zeit viel Zuspruch erhalten, die Erhebungen der ARD zeigten das die Mehrheit der Bevölkerung den Einsatz von Mund- und Nasenschutz befürworte, im Landkreis sei das vermutlich ähnlich. „Niemand von uns hat Lust diese Dinge auf Dauer zu ertragen. Ich wäre heilfroh wenn wir die Verfügungen hinter uns lassen könnten aber das wird nur funktionieren wenn wir alle konsequent handeln und die fachlich notwendigen Maßnahmen wie sie von unserer Amtsärztin untersetzt werden, durchsetzen“.
Angelo Glashagel
Autor: red

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