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Sa, 10:18 Uhr
27.08.2011

Bilderbriefe aus dem Kunsthaus (6)

Seit dem 16. Juli läuft im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen eine Sonderausstellung, die 135 originale Kunstwerke von der Frühromantik über die Hochromantik bis zum Biedermeier zeigt. Um einer Vielzahl von Lesern Lust auf diese Bilderschau zu machen, wird es bis zu deren Ende am 2. Oktober in der nnz „Bilder-Briefe aus dem Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen“ geben...

Caroline Bardua (1781-1864)

Friedrich de la Motte-Fouqué, 1827 Öl/Lw., 56,0 x 45,0 cm
© Anhaltische Gemäldegalerie Dessau


de la Motte (Foto: privat) de la Motte (Foto: privat) Die Malerin Caroline Bardua, die seit 1819 mit ihrer jüngeren Schwester Wilhelmine mit einigen Unterbrechungen bis 1852 in Berlin lebte, kannte Frauen und Männer, die zu den Größen der deutschen Malerei, Dichtkunst, Musik und Wissenschaften gehören. Genannt seien Johann Wolfgang Goethe, Johanna Schopenhauer, Wilhelm Gesenius, Friedrich August Wolf, Christoph Martin Wieland, Gerhard von Kügelgen, Caspar David Friedrich, Wilhelm Schadow, Carl Maria von Weber, Paganini, die Familie von Arnim, Friedrich de la Motte- Fouqué und andere mehr. Einige dieser Persönlichkeiten hat sie in ihren Bildern festgehalten, wie es die Ausstellung belegt.

Der deutsche Schriftsteller Friedrich de la Motte-Fouqué (1777-1843) stammte aus einer französischen Hugenottenfamilie. Die Malerin Caroline Bardua und den Dichter verband vor allem ihre Liebe zur Musik. Die Familie de la Motte-Fouqué lebte in den Jahren 1820-1831 in Berlin in ihrer Winterwohnung „Unter den Linden“. Die Schwestern Bardua wohnten ganz in der Nähe, man besuchte sich.

Er war ein unermüdlich Schreibender, der mit seinen phantastisch-märchenhaften Erzählungen, Ritterromanen, Dramen und Gedichten schnell einer der beliebtesten Dichter seiner Zeit wurde. Bis heute in Erinnerung ist vor allem sein Kunstmärchen „Undine“, 1811 erschienen, in dem eine Wassernixe nach menschlicher Bindung, Liebe und Sterblichkeit sucht, letztendlich vergebens. In Fouqués 1813 erstmals erschienenem großen Mittelalter-Roman „Der Zauberring“ entwirft er Szenarien jenseits der banalen Gegenwart.

Der Lesende erfährt etwas von den heidnischen Urmythen, ritterlicher Männlichkeit und magisch wirkender Weiblichkeit. Der Autor wollte mit seinen Werken das Ideal eines heroischen Mittelalters kultivieren. Caroline Bardua malte den Dichter mit dem achtspitzigen Malteserkreuz/Johanniterkreuz. Es gibt verschiedene Interpretationen dieser Ecken, für de la Motte-Fouqué wären sie wohl als die acht ritterlichen Tugenden zu deuten: Aufmerksamkeit, Takt, Hilfsbereitschaft, Geschicklichkeit, Mitleid, Ausdauer, Unterscheidungsvermögen, Eindeutigkeit.

Fouqué, in Brandenburg an der Havel geboren, schlug zunächst in der preußischen Armee die militärische Laufbahn seines berühmten Großvaters, des königlich-preußischen Generals Heinrich August Baron de la Motte-Fouqué ein, eines Vertauten König Friedrich II., der Friedrichs Taufpate war. Diese Karriere konnte er nicht fortsetzen, da er sich 1802 scheiden ließ. In seinem Scheidungsjahr reiste er nach Weimar, wo er Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und August Wilhelm Schlegel kennen lernte.

Ein Jahr später heiratete er Caroline, eine geborene von Briest, eine umtriebige Frau, die auch Unterhaltungsromane schrieb. 1803 machte Fouqué in Dresden die Bekanntschaft von Heinrich von Kleist, Philipp Otto Runge und Ludwig Tieck. In Berlin begegnete er 1804 Joseph von Eichendorff, Achim von Arnim, Johann Gottlieb Fichte, Clemens Brentano und Adelbert von Chamisso. Hinzu kamen dann noch Carl Maria von Weber, Caspar David Friedrich, Heinrich Heine, also alles Personen, die zum Kreis der Romantik gehören.

Wie Eichendorff nahm Fouqué 1813 an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil, musste aber wegen einer schweren Erkrankung den Dienst aufgeben. Mit seinem Lied „Frisch auf zum fröhlichen Jagen“ wollte er den von Napoleon besiegten Preußen Mut machen, die französischen Besatzung abzuschütteln. 1816 schrieb er das Libretto zu der Oper „Undine“, deren Musik sein Freund E. T. A. Hoffmann schuf. Das Bühnenbild gestaltete Karl Friedrich Schinkel. Auch Albert Lortzing vertonte „Undine“.

Seiner Frau Caroline gehörte in Nennhausen, im Havelland gelegen, ein Ensemble von Schloss und Park. Mit ihr schuf Fouqué dort einen „Märkische Musenhof“. Nach dem Tod seiner Frau musste er Nennhausen verlassen, weil er noch einmal heiratete, jedoch nicht standesgemäß. Er zog nach Halle, sein Ruhm verblasste mehr und mehr. 1841 kehrte er nach Berlin zurück, wo er nicht mehr lange lebte. Sein Grab befindet sich in Berlin-Mitte auf dem Garnisionsfriedhof, Kleine Rosenthaler Straße.

Die Romantik wurde von der Literatur und Philosophie in die Öffentlichkeit gebracht, Bildende Kunst und Musik folgten auf den Fuß. Deshalb gehört zur Konzeption der Ausstellung in Nordhausen die Dichtkunst. Die Lesungen gestalten Mitglieder der „Dichterstätte Sarah Kirsch“, Limlingerode. Sie folgen der romantischen Forderung nach geistiger Durchdringung von Poesie und Leben. In den vorgetragenen Texten kann man wie in den Bildern die „wahren Weltgeschichten“ entdecken. „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis und Friedrich Tiecks „Tannhäuser“ wurden bereits vorgestellt.

Am Samstag, 3. September, folgen ab 16.00 Uhr Friedrich de la Motte-Fouqués „Undine“ und „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ von Adelbert von Chamisso (1781-1838), einem sehr vertrauten Freund des Undinedichters, der 1814 zum Erscheinen der Geschichte Schlemihls, der seinen Schatten verkaufte, wesentlich beitrug.

Am 24. September steht ab 16.00 Uhr Bettina von Arnim im Mittelpunkt der Lesung mit ihren Büchern „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“, Die Günderode“ und „Clemens Brentanos Frühlingskranz“.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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