Mi, 15:23 Uhr
24.08.2011
Gewalt in der Pflege
Was haben Schoko-Bonbons mit Demenz zu tun? Mit einem kleinen Experiment zeigte heute Diplom-Psychologin Helena Conrad in ihrem Vortrag Umgang mit Aggressionen und Gewalt in der Pflege, wie sich der Geschmacks- und Geruchssinn von Dementen verändert. Und nicht nur das...
Die rund 50 Gäste, die ins Begegnungszentrum Nord gekommen waren, hielten sich die Nase zu, während sie sich ein Stück Schokolade auf der Zunge zergingen ließen. Als die Zuhörer ihre Nase nicht mehr zuhielten, merkten sie sofort, wie gut die Schokolade in ihrem Mund eigentlich schmeckt – ohne den Geruchssinn ging das nicht. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Demenz: Die Betroffenen verlieren weitgehend ihren Geruchssinn, erklärte Helena Conrad. Das wirke sich natürlich auf den Geschmackssinn und den Appetit aus, der ohnehin im Alter nachließe – eine Alterserscheinung, die die Demenz noch verstärkt. Damit werde das Essen zu Hause oder im Alterheim oft ein Konfliktthema, weil Patienten die Mahlzeit verweigerten. So könnte schon das einfache Mittagessen ein Anlass für Aggressionen und Gewalt werden.
Auf Demenz legte Helena Conrad einen besonderen Fokus, denn der Vortrag fand im Rahmen des Projekts Würdevoll altern – Trotz Demenz gemeinsam ermöglichen statt, veranstaltet das Landratsamt Nordhausen in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung. In ihrem abwechslungsreichen Referat, das die Zuhörer – meist Pflegefachkräfte, aber auch privat Betroffene und Interessierte – immer wieder forderte und ihre persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen einbezog. Die Thematik Gewalt und Aggressionen sei vielfältig und nicht klar zu definieren, beschrieb die Expertin.
Demente Patienten empfänden beispielsweise einen Verlust der Kontrolle über das eigene Handeln, könnten Dinge nicht mehr wie gewohnt einordnen, seien verwirrt und orientierungslos. Daraus resultiere auch eine Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation, was wiederum ein Auslöser für Aggressionen sein könnte. Auch auf der Seite der Pflegenden seien Aggressionen und Gewalt ein Thema auf der Tagesordnung. Hier sei vor allem die Kommunikation und ein Austausch im Pflegeteam wichtig.
Die heutige Vortrag reiht sich ein in die Veranstaltungen, die der Landkreis im Projekt Würdevoll altern – Trotz Demenz gemeinsam ermöglichen in den vergangenen Monaten angeboten hat. Ziel des Projekts gefördert von der Robert Bosch Stiftung ist es, das komplexe Krankheitsbild Demenz bekannter zu machen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Betroffenen und ihren Angehörigen ein würdevolles Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.
Autor: nnzDie rund 50 Gäste, die ins Begegnungszentrum Nord gekommen waren, hielten sich die Nase zu, während sie sich ein Stück Schokolade auf der Zunge zergingen ließen. Als die Zuhörer ihre Nase nicht mehr zuhielten, merkten sie sofort, wie gut die Schokolade in ihrem Mund eigentlich schmeckt – ohne den Geruchssinn ging das nicht. Das ist ein wichtiger Aspekt bei Demenz: Die Betroffenen verlieren weitgehend ihren Geruchssinn, erklärte Helena Conrad. Das wirke sich natürlich auf den Geschmackssinn und den Appetit aus, der ohnehin im Alter nachließe – eine Alterserscheinung, die die Demenz noch verstärkt. Damit werde das Essen zu Hause oder im Alterheim oft ein Konfliktthema, weil Patienten die Mahlzeit verweigerten. So könnte schon das einfache Mittagessen ein Anlass für Aggressionen und Gewalt werden.
Auf Demenz legte Helena Conrad einen besonderen Fokus, denn der Vortrag fand im Rahmen des Projekts Würdevoll altern – Trotz Demenz gemeinsam ermöglichen statt, veranstaltet das Landratsamt Nordhausen in Kooperation mit der Robert Bosch Stiftung. In ihrem abwechslungsreichen Referat, das die Zuhörer – meist Pflegefachkräfte, aber auch privat Betroffene und Interessierte – immer wieder forderte und ihre persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen einbezog. Die Thematik Gewalt und Aggressionen sei vielfältig und nicht klar zu definieren, beschrieb die Expertin.
Demente Patienten empfänden beispielsweise einen Verlust der Kontrolle über das eigene Handeln, könnten Dinge nicht mehr wie gewohnt einordnen, seien verwirrt und orientierungslos. Daraus resultiere auch eine Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation, was wiederum ein Auslöser für Aggressionen sein könnte. Auch auf der Seite der Pflegenden seien Aggressionen und Gewalt ein Thema auf der Tagesordnung. Hier sei vor allem die Kommunikation und ein Austausch im Pflegeteam wichtig.
Die heutige Vortrag reiht sich ein in die Veranstaltungen, die der Landkreis im Projekt Würdevoll altern – Trotz Demenz gemeinsam ermöglichen in den vergangenen Monaten angeboten hat. Ziel des Projekts gefördert von der Robert Bosch Stiftung ist es, das komplexe Krankheitsbild Demenz bekannter zu machen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Betroffenen und ihren Angehörigen ein würdevolles Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.




