Protest gegen Straßenbau
Die nnz hatte in den zurückliegenden Woche bereits mehrfach gegen den geplanten Ausbau einer Straße zwischen Woffleben und Appenrode berichtet. Heute wollte die Bündnisgrünen und der BUND noch einmal dagegen protestieren...
Protest und Schildbürgerstreich (Foto: nnz)
Der Vor-Ort-Termin ist bewusst gewählt, denn morgen soll es zu dem geplanten Bau der Straße eine Anhörung in der Ellricher Stadtverwaltung geben. Der bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Dirk Adams nimmt das zum Anlass, um auf die Fragwürdigkeit des geplanten Vorhabens hinzuweisen. Seinen Worten zufolge gibt es lediglich vier Anwohnergrundstücke im Ortsteil Bischofferode. Was aber vermutlich dem Ellricher Rathaus und dem Stadtrat wichtiger ist: Der jetzige Plattenweg dienst zwei Gips abbauenden Unternehmen (Südharzer Gipswerke und BPB Formula) als Erschließungsstraße zum Tagebau Rüsselsee, wo jährlich fast 180.000 Tonnen Gips und Anhydrit abgebaut werden.
In der Antwort zu einer kleinen Anfrage, die Adams im Landtag stellte, führt das Verkehrsministerium aus, dass die Kosten für den Straßenneubau auf fast 900.000 Euro beziffert werden. Bis zu 75 Prozent können davon gefördert werden. Wird diese maximale Förderung eingehalten, dann kommen auf die Stadt Ellrich Kosten von mehr als 220.000 Euro zu, wird die Quote reduziert, dann steigt der kommunale Anteil. Und das bei einem Haushalt, der nicht gerade vor Stärke strotzt und wo Bürgermeister Matthias Ehrhold (pl) nicht müde wird, von einem Ausverkauf der kommunalen Finanzen durch das Land Thüringen zu sprechen.
Adams und auch Gisela Hartmann empfinden den Bau einer neuen Straße für einen privaten Tagebau aus öffentlichen Geldern als Schildbürgerstreich. Mit dem Geld können viele andere Straßen saniert oder repariert werden. Was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt: In den Planungen für die dann 7,5 Meter breite Straße sind weder ein Fuß- noch ein Radweg vorgesehen. Und das in unmittelbarer Nähe zu FFH- und Natura 2000-Gebieten.
Autor: nnz
Kommentare
Verdianer
11.07.2011, 13:32 Uhr
Das wäre natürlich auch nicht schlecht!
Wenn das Geld für die Sanierung anderer Straßen verwendet werden soll, dann schlage ich vor, es für die L 1014 von Rothesütte nach Sülzhayn zu investieren. Hier gibt es keine Privatinteressen von Unternehmern und es betrifft viel mehr Bewohner, die eine Anbindung an die Kernstadt Ellrich brauchen!
Bodo Schwarzberg
11.07.2011, 22:36 Uhr
Straße Sülzhayn-Ellrich
So wichtig, wie Straßenanbindungen auch sind: Wir müssen lernen, Maß zu halten und nicht alles, was im Sinne einer Förderung des Straßenverkehrs ist, auch umzusetzen. Die Verkehrsanbindung unserer Region hat sich nach der Wende deutlich verbessert, was der Wirtschaft und den Menschen auch zugute kommt.
Es entstanden Gewerbegebiete, in der Goldenen Aue ist auf wertvollsten Böden ein Industriegebiet geplant. Auch der Südharz ist sehr gut erschlossen. B 81 und B 4 wurden ausgebaut, ebenso die Linien Rothesütte-Benneckenstein und Netzkater-Stiege. Ich bin aber der Meinung, dass der Wert des Harzes als Erholungs- und Naturgebiet für die Menschen und für die Wirtschaft eine ebenso wichtige Rolle wie die Verkehrsinfrastruktur spielt. Auch das ist Wohlstand. Dies sollte bei allen weiteren Planungen nicht vergessen werden.
Sülzhayn sollte gerade aus seiner ruhigen Randlage heraus eine touristische Vermarktungsstrategie entwickeln. Das Parkhotel z.B. hat genau dies als unschätzbaren Wert erkannt. Immer mehr Menschen finden sich seit einigen Monaten dort ein. Vor dem Mauerbau war Sülzhayn trotz des nicht Vorhandenseins einer Straße in Richtung Jägerfleck ein touristisches und Kurzentrum. An dessen Besonderheiten mit Ruhe und sauberer Luft sollte nun angeknüpft werden.
Zudem wissen wir, dass gut ausgebaute Straßen erst recht Verkehr anziehen, später weitere Begehrlichkeiten nach Ortsumgehungen e.t.c. wecken. Ökonomie und Ökologie sollten sich die Waage halten.
Straßenbau
Meiner Meinung nach haben die nordthüringer Orte wie Sülzhayn, Rothesütte usw. den Wettlauf um Touristen im Vergleich zu den Orten im Oberharz verloren. Braunlage, Schierke etc. profitieren einfach von ihrer Geschichte und jahrzehnte langer Tradition als Urlaubsorte.
Dafür fehlt Nordthüringen auch eine entsprechende Attraktivität.Gut die Schmalspurbahn, aber wie komme ich von Sülzhayn zum Zug - eine Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Oder erst der Weg in die Kreisstadt...
Was bringt eine Straße Sülzhayn-Rothesütte. Eine neue Rennstrecke für Biker, eine im Winter nicht geräumte Piste? Ist das Umweltverträglichkeit,die Natur erneut zu durchschneiden um Wanderer in gute Startpositionen zu bringen?
Erreichen die etwa 120 Rothesütter, von denen die Mehrzahl das hohe Lebensalter erreicht hat, dann jeden Tag öffentliche Verkehrsmittel oder kommen mobile Verkaufswagen dort hoch? Eher nicht - es scheitert am lieben Geld und der Wirtschaftlichkeit/Rentabilität. Ein "Konsumladen" und mehrmalige tägl.Busanbindung funktionierte nur durch Bezuschussung und Planwirtschaft.
Finden wir uns damit ab, es gibt Ballungszentren und verträumte ländliche Gebiete - so wie unser Südharz.
Verdianer
12.07.2011, 13:32 Uhr
Weniger Protest, mehr Unterstützung
Soll Rothesütte wirklich ein Altenwohnsitz werden? Sollen junge Menschen dort keine Zukunft haben? Alle Bewohner haben das Recht, am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde (hier Einheitsgemeinde Ellrich) teilzunehmen. Deshalb wird u. a. die Straße dringend gebraucht. Es ist viel umweltbelastender und zeitraubender, auf Umwegen in die Kernstadt und zurück zu gelangen.
Das gilt für Rettungsdienste/ Feuerwehr, Einkäufe, Behörden und menschliche Kontakte. Und das gerade wegen der fehlenden öffentlichen Verkehrsmittel, wie richtig festgestellt! Es werden Unterstützer gebraucht und keine Fremden, die ständig belehren!
Wolfi65
12.07.2011, 15:40 Uhr
Irgendwie unverständlich
Zu DDR Zeiten ging das Leben doch in Rothesütte auch weiter. Auch ohne Direktverbindung nach Ellrich. Da war für viele gleich hinter Netzkater die Reise beendet.
Und nun hängt das gesellschaftliche und kulturelle Leben trotz Freiheit und Demokratie am seidenen Faden. Das muß mir mal einer erklären. Und daß die Jugend abwandert, ist nicht nur ein Problem von Rothesütte, sondern vom ganzen Osten.(westdeutsch: Oschten):-)
PS: Wegen mir kann dort eine Autobahn entstehen, es ist aber wie immer einer Frage der Finanzierung und der Berücksichtigung des Umweltschutzes.
Verdianer
12.07.2011, 20:18 Uhr
Besser informieren
Ich will es den Uninformierten erklären: Zu damaliger Zeit war Rothesütte ein selbständiger Ort und das notwendige zum Leben war organisatorisch mit Ilfeld verbunden. Da gab es auch eine direkte Staßenanbindung. Jetzt ist aber z. B. die für die Bürger zuständige Verwaltung in Ellrich, ohne direkte Straßenanbindung. Das die Jugend weg geht, muss man ja nicht einfach so hinnehmen und sollte wenigstens mit einer guten Infrastruktur versuchen gegen zu steuern. Denkt denn keiner an die Bürger, alle nur an die Natur? Wegen der andauernden Proteste haben die Planungen für eine Straßensanierung der L 1014 schon erhebliche Mittel gekostet! Wie kann man das denn verantworten??
I.H.
12.07.2011, 22:23 Uhr
Noch besser Informieren
Erklär mal nem ganz Uninformierten wie Rothesütte nach Ellrich gekommen is @ Verdianer. War das ne Zwangseingemeindung? Oder sind die da freiwillig hingegangen und haben erst hinterher gemerkt, dass sie keine Straße nach Ellrich haben? Das wär dann ja was!
danke - Jupp
Verdianer
13.07.2011, 07:03 Uhr
bessere Info
Der Beitritt war freiwillig und die Straße (L 1014) gab es schon immer! Die Straße, besser ihr Zustand, wurde der innerdeutschen Grenze geopfert. Jetzt soll einfach wieder werden was war!
TeeEff
13.07.2011, 11:53 Uhr
Die Leute gehen weg...
weil hier auch nach über 20 Jahren noch immer 20% und mehr weniger gezahlt werden, als im Westen und jeder zusehen muss wie er mit dem A... an die Wand kommt!
Spätestens wenn man weiß, dass nach 40 Jahren mit 40h Arbeit die Woche, bei 10 Euro Mindestlohn (und den kriegen bei weitem nicht viele!) am Ende HÖCHSTENS eine Rente auf Sozialhilfeniveau herauskommt, muss man eigentlich sofort packen!
Wenn dann Manager von runtergewirtschafteten Banken, die wir mit unseren Steuergeldern retten "dürfen" ohne dafür jemals wieder was zusehen, Boni in 2 stelliger Millionenhöhe bekommen, sollte einem das zu denken geben und auch dem letzten Klar werden das man absolut ausgepresst wird und sie einem nur minimal mehr lassen als man zum Leben braucht.
Aber dieses klitzekleine Bisschen, oft noch unterschiedliche verteilt, reicht das die Menschen nicht aufbegehren und sich lieber untereinander beneiden und kaputt machen.
Figaro
31.05.2013, 09:40 Uhr
Strasse von Sülzhayn nach Rotheshütte
Da die Strasse vor dem Sozialistischen Schutzwall existiert hat verstehe ich nicht, das man sich das hat nehmen lassen, Ruhe ist ja was schönes, aber schaut euch Sülhayn an, da herrscht schon Totenstille und der Modergeruch der zerfallenden Pracht vergangener Tage.
Soll das wirklich weiter so kaputt gehen? Was soll noch alles geschlossen werden in eurem schönen Ort? Aufwachen, Mitgestalten, Lebensqualität zurück holen. Ruhe hat man wenn man Tod ist.
LG
Momentmal
31.05.2013, 10:10 Uhr
Nur Motorradtourismus
Sind diejenigen,die für eine Strasse zwischen Sülzhayn und Rothesütte plädieren,dort im Wald schon mal gewandert ? Es nervt schon der Geräuschpegel vom nahen Jägerfleck. Zweiradfans würde es freuen, mehr nicht...
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