Do, 08:58 Uhr
15.02.2001
Und plötzlich wurden alle Stadträte putzmunter
Nordhausen (nnz). In den ersten acht Punkten der Tagesordnung für eine Nordhäuser Stadtratssitzung ist schon so etwas wie Routine enthalten. Von der Begrüßung über die Einwohnerfragestunde bis hin zu den Vorlagen des öffentlichen Teils gleicht die Tagesordnung der 14. Sitzung vermutlich der der 13. oder 8. Sitzung wie ein Ei dem anderen. Zwar werden bei den Anfragen der Stadträte solche existenziellen Probleme wie die Reparaturbedürftigkeit der Wasserhähne auf dem Hauptfriedhof in den kommunalpolitischen Ring geworfen, doch ein bißchen Müdigkeit beschleicht da vor allem die älteren Räte.
Vor allem, wenn die Stadtratssitzung eine Stunde später beginnt als sonst üblich. Vermutlich waren die Volksvertreter noch nicht so richtig in die Gänge gekommen, als von Punkt 8.2 bis Punkt 8.8 abgestimmt werden sollte. Da geht es zwar nur um solch lapidare Geschichten wie Bebauungspläne oder Begleitmaßnahmen für die Landesgartenschau, aber man sollte eigentlich schon wissen, wann man dafür oder dagegen stimmt und vor allem wann. Doch dann kam mit dem Punkt 8.9 richtiges "Leben in die Bude". Hier ging es um das allseits beliebte Thema "Straßenumbenennungen". Was soll eine Straße "Am Schlachthof", wenn es in Nordhausen überhaupt keinen Schlachthof mehr gibt und Löblein jetzt auch noch dicht macht? Da wusste selbst das Liegenschaftsamt nicht mehr, wie weit die Sondershäuser Straße denn wirklich geht. Sollte man nicht lieber mal über Barbarossa-Straße nachdenken, wurde aus der CDU-Fraktion gerufen. Der Vorschlag wurde denn auch gleich wieder zurückgezogen, weil Kaiser Barbarossa einen roten Bart gehabt haben soll. Richtig verwirrt waren denn auch die SPD-Räte Bernd Weißleder und Helmut Bornkessel. Letzterer sah sich selbst in punkto Straßennamen und dazugehöriger Ortsteile (oder andersrum?) schlechthin als das "Opfer der vielen Systeme", die er überlebt habe. Die PDS-Fraktion war hingegen völlig überfragt, weil sie sich nur in einem alten Stadtplan (aus DDR-Zeiten?) habe orientieren können. Schließlich auch noch der Auftritt von Hans-Jürgen Lill (CDU). Der war völlig konsterniert, denn als Straßennamenopfer wisse er nach dem Studium der Unterlagen überhaupt nicht, wo er wohne. In Rüdigsdorf gewiß, aber wo da genau? Winkelberg, Pusteklubweg, Borngasse, Lichte Höhe oder Wiesenweg? Manche Stadträte aber auch Zuschauer hatten so ihren Spaß an diesem Mittwochabend. Da wurde sich auch schon mal gegenseitig auf die Schultern oder Schenkel geklopft, ehe man dann zu den nächsten - eher unspektakulären - Tagesordnungspunkten überging, wie zum Beispiel der ersten Lesung der Haushaltssatzung. Aber das hatten wir ja schon.
Autor: psgVor allem, wenn die Stadtratssitzung eine Stunde später beginnt als sonst üblich. Vermutlich waren die Volksvertreter noch nicht so richtig in die Gänge gekommen, als von Punkt 8.2 bis Punkt 8.8 abgestimmt werden sollte. Da geht es zwar nur um solch lapidare Geschichten wie Bebauungspläne oder Begleitmaßnahmen für die Landesgartenschau, aber man sollte eigentlich schon wissen, wann man dafür oder dagegen stimmt und vor allem wann. Doch dann kam mit dem Punkt 8.9 richtiges "Leben in die Bude". Hier ging es um das allseits beliebte Thema "Straßenumbenennungen". Was soll eine Straße "Am Schlachthof", wenn es in Nordhausen überhaupt keinen Schlachthof mehr gibt und Löblein jetzt auch noch dicht macht? Da wusste selbst das Liegenschaftsamt nicht mehr, wie weit die Sondershäuser Straße denn wirklich geht. Sollte man nicht lieber mal über Barbarossa-Straße nachdenken, wurde aus der CDU-Fraktion gerufen. Der Vorschlag wurde denn auch gleich wieder zurückgezogen, weil Kaiser Barbarossa einen roten Bart gehabt haben soll. Richtig verwirrt waren denn auch die SPD-Räte Bernd Weißleder und Helmut Bornkessel. Letzterer sah sich selbst in punkto Straßennamen und dazugehöriger Ortsteile (oder andersrum?) schlechthin als das "Opfer der vielen Systeme", die er überlebt habe. Die PDS-Fraktion war hingegen völlig überfragt, weil sie sich nur in einem alten Stadtplan (aus DDR-Zeiten?) habe orientieren können. Schließlich auch noch der Auftritt von Hans-Jürgen Lill (CDU). Der war völlig konsterniert, denn als Straßennamenopfer wisse er nach dem Studium der Unterlagen überhaupt nicht, wo er wohne. In Rüdigsdorf gewiß, aber wo da genau? Winkelberg, Pusteklubweg, Borngasse, Lichte Höhe oder Wiesenweg? Manche Stadträte aber auch Zuschauer hatten so ihren Spaß an diesem Mittwochabend. Da wurde sich auch schon mal gegenseitig auf die Schultern oder Schenkel geklopft, ehe man dann zu den nächsten - eher unspektakulären - Tagesordnungspunkten überging, wie zum Beispiel der ersten Lesung der Haushaltssatzung. Aber das hatten wir ja schon.

