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Mi, 13:39 Uhr
30.07.2003

nnz-Betrachtung: „Der Bau sei gezieret“

Nordhausen (nnz). Die Petersbergschule wird saniert. Sie soll ein Schmuckstück oben auf dem Berg werden. Nur stören die Planer die Wandbilder aus den 50er Jahren. Dazu eine nnz-Betrachtung von Heidelore Kneffel.


Kunst? Der Petersberg in Nordhausen, mit einem der herausragendsten Bauwerke der Stadt Nordhausen geziert, mit dem aus dem Mittelalter stammenden Petriturm, ist ein Zentrum der Schulbauten. Seit mehr als hundert Jahren steht die Petersbergschule dort, die, nach starker Zerstörung durch englische Bomber, nach dem Krieg wieder instand gesetzt wurde. Es folgte die Gewerbliche Berufsschule, die den typischen Baustil der 50-er Jahre aufweist, der in Nordhausen an der Engelsburg und am Königshof/Lutherplatz seinen schönen, proportionierten Ausdruck gefunden hat, vor allem geprägt von dem Architekten Friedrich Stabe. Es folgte auf dem Petersberg dann der Bau der Bertolt-Brecht-Schule, die jetzt nach der Rekonstruktion ganz in Rot dort oben steht.


Der ehemaligen Gewerblichen Berufsschule soll unser besonderes Augenmerk dienen. Die Landesgartenschau Nordhausen 2004 GmbH nutzt sie seit kurzem als ihr Domizil. Diese Vereinbarung wurde mit dem Landkreis Nordhausen als dem Eigentümer der Schule getroffen. Das Landratsamt Nordhausen stellte die Mittel für die Renovierung zur Verfügung.

Durch Gelder der Landesgartenschau wurde das Umfeld, z. B. der Schulhof, gestaltet. Auffällig sind die wohl gegliederten Fenster, das fast klassische Portal, zu dem eine schwingende Treppe hinaufführt, die ansprechende in hellem Ocker gehaltene Farbigkeit der Fassade, zu der der hellgraue Steinsockel ausgezeichnet passt. Ein Schmuckstück im Stadtbild ist aus dem Aschenputtelschlaf erwacht. Ein weiterer Blickpunkt am Baukörper ist ein in den Putz geschnittenes Wandbild, das sich farblich gut von der es umgebenden Wandfläche abhebt. Kunst am Bau!


Zu allen Zeiten haben sich die Menschen auf allen Erdteilen ihre Behausungen geschmückt, sei es eine Hütte, sei es ein Palast. Nicht zuletzt auch deshalb bekommen Bauwerke ihr Gesicht. Sie werden dadurch Zeugen ihrer Zeit. Aber, es gab auch immer die Bilderstürmerei. Man glaubt, wenn man etwas auslöscht, dann war es nicht auf der Welt!? Vor allem Werke der bildenden Kunst mussten in der Weltgeschichte daran glauben.


Erhalten oder verdecken? In Nordhausen gibt es noch relativ viele Beispiele der Kunst am Bau aus den 50 bis 70-er Jahren, da die Kriegszerstörungen Neubauten nötig machten. Natürlich fließt in diese künstlerischen Zeugnisse der Geist der Zeit hinein, manchmal mehr, manchmal weniger. So auch in das Wandbild an der ehemaligen Gewerblichen Berufsschule. Daß man es so erhalten hat, wie es um 1955 geschaffen wurde, ist sinnvoll, denn so wurde das Haus geboren.

Was sieht man? Eine Sonnenuhr, wirklich mit einer strahlenden Sonne geschmückt, krönt das Wandbild. Darunter steht ein neugepflanzter Baum, gestützt durch einen Stab, damit er ungehindert wachsen kann. Neben ihm agieren zwei männliche Personen. Der vordere, mit großem Schritt ausschreitend, hält ein Buch unter seinem linken Arm. Hinter ihm steht ein etwas älterer Mann, dem jüngeren sorglich den Weg weisend.

Also, ein symbolisches Bild! Nach dem II. Weltkrieg galt es, Neues aufzubauen, wem sollte das nicht am Herzen liegen. Daß mit dieser Darstellung damals der Sozialismus gemeint ist, ist für den Zeitgenossen deutlich, für später Geborene schon weniger. Die erstaunt vielleicht die ins Pathetische gehende Menschendarstellung. Eine Zeit steht im Bild vor den Augen, eine treffliche Möglichkeit, Historisches zu erklären. Kunst am Bau!

Umweit dieses Gebäudes steht die Petersbergschule, die zur Zeit rekonstruiert wird, was Schüler, Lehrer und Bürger der Stadt freut. Nach den beiden beeindruckend rekonstruierten Gymnasien, die das Stadtbild bereichern, ist das ein weiteres Schmuckstück. Die Frage stellt sich, warum man darüber nachdenkt, wie man die auch dort in den 50-er Jahren angebrachte „Kunst am Bau“ belassen soll. Eigentlich nicht wirklich so, wie sie sich zeigt, sondern, wie es im Nordhäuser Ratskurier heißt „durch zeitgemäße Kunst ergänzt“. Nimmt man das Zitierte wörtlich, so hieße dass, es kommt Kunst aus dem 21. Jahrhundert hinzu. Das ist natürlich zu begrüßen!

Aber, warum muss sie so angebracht werden, dass die zwei Bilder aus den 50-er Jahren nicht mehr eindeutig zu sehen sind. Schämt man sich der älteren Bilder? Würde man den Bauern mit der Garbe, den Arbeiter, die Wissenschaftlerin, den Lehrer, der im Freien Biologieunterricht erteilt, eigentlich lieber nicht als Wandschmuck belassen? Und nur das Unter-Denkmalschutz-Gestellt-sein hindert daran? Vielleicht können die farbigen Metalltafeln, die vor den Wandbildern schweben sollen, ganz für sich an anderer Stelle schweben, so ist alles sichtbar, nichts verhüllt. Das könnten wir uns doch leisten in Nordhausen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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