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Mi, 14:25 Uhr
22.06.2011

Atypische Kerbe

Die Krise hat der Thüringer Wirtschaftsentwicklung eine Kerbe versetzt. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Arbeitgeberbefragung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) im Auftrag des Thüringer Wirtschaftsministeriums in 2010 durchgeführt hat. Hier die Einzelheiten...


Der Angleichungsprozess habe einen Rückschlag erlitten. Atypische Beschäftigungen wie Leiharbeit und Teilzeit hätten im vergangenen Jahr kräftig zugenommen. Gleichzeitig konstatiert das IAB bei den hiesigen Beschäftigten einen hohen Qualifikationsgrad, der deutlich höher ist als in den alten Bundesländern.

Der Thüringer Wirtschafts- und Arbeitsminister Matthias Machnig (SPD) sieht diese Ergebnisse als Warnsignal: „Unsere qualifizierten Beschäftigten bleiben nur in Thüringen, wenn sie hier auf gute Arbeit stoßen“, so der Minister. „Jetzt in Zeiten des Aufschwungs müssen wir das Fundament der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes stabilisieren.“ Schwerpunkt des vorliegenden IAB-Betriebspanels 2010 sind die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung.

Laut IAB hat die Thüringer Wirtschaft mit einer Produktivität von 68 Prozent des westdeutschen Niveaus wieder den Wert von 2005 erreicht. Die Autoren stellen fest, dass der Anpassungsprozess seit 2008 unterbrochen ist. Der bestehende Produktivitätsabstand habe sich in den Jahren 2009 und 2010 vergrößert. „Deshalb ist es eine zentrale Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, um die Produktivitätslücke zu schließen“, sagte Machnig.

Eine weitere Botschaft des IAB lautet: Atypische Beschäftigungsverhältnisse haben in Thüringen deutlich zugenommen. Waren im Krisenjahr 2009 31 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse davon betroffen, sind die prekären Jobs in 2010 auf 33 Prozent angewachsen (Ost- und Westdeutschland: je 37 Prozent). Kräftige Zuwächse gab es bei Leiharbeit und Teilzeit. Besonders auffällig: Frauen sind wesentlich stärker betroffen.

In Thüringen arbeitet gerade mal jede zweite Frau in einem Normalarbeitsverhältnis, während dies auf vier von fünf Männern zutrifft. „Die Krise ist überstanden“, sagte der Minister, „jetzt in Zeiten des Aufschwungs muss Thüringen für faire Löhne, für verlässliche und ordentliche Arbeitsverträge stehen.“

3,5 Wochen mehr als ihre westdeutschen Kollegen arbeiteten die Beschäftigten im Freistaat im letzten Jahr. Gründe sind die längere Wochenarbeitszeit (rund 1,1 Stunden mehr), die geringere Verbreitung der Teilzeitarbeit (rund 5 Prozent weniger) sowie weniger Freiertage. Gleichzeitig haben die Thüringer eine höhere Qualifikation: 67 Prozent der Beschäftigten haben einen Berufsabschluss, 15 Prozent ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium und 7 Prozent sind Inhaber einer Firma, Vorstands- oder Geschäftsführungs-Mitglied. 11 Prozent arbeiten in einem Job, der keine Ausbildung voraussetzt.

Dabei lag die Zahl der ausbildenden Betriebe Mitte 2010 bei 23 Prozent – das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Panelbefragung 1996. Auch dies ist eine Auswirkung der Wirtschaftskrise. Die Autoren des Panels ermittelten, dass 33 Prozent der Betriebe in Thüringen mit Ausbildungsberechtigung keinen Nachwuchs ausbilden.

Wiederum haben sich die Übernahmenquoten verbessert: Der Trend sinkender Übernahmen konnte 2005 gestoppt werden. 2010 erhöhte sich die Übernahmequote im Freistaat und erreichte mit 58 Prozent den höchsten Wert seit Beginn des Panels 1996. Damit lag sie oberhalb des ostdeutschen Durchschnitts und leicht unterhalb des Wertes der alten Länder. „Mit einer steigenden Wirtschaftsleistung und der Schaffung qualitativ guter Arbeit müssen wir dafür sorgen, dass unsere jungen und gut ausgebildeten Fachkräfte in Thüringen bleiben“, sagte Machnig.
Autor: nnz

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