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Mi, 10:39 Uhr
16.07.2003

Legende zu Grabe getragen

Nordhausen (nnz). Die nnz hatte vor einigen Tagen an das Leben und Wirken des kubanischen Musikers Compay Segundo erinnert. Segundo war zu Wochenbeginn im Alter von 95 Jahren gestorben. Gestern wurde er mit einer bewegenden Feier zu Grabe getragen.


Tausende Kubaner haben am Dienstag in Santiago mit einem Trauerzug Abschied von dem legendären Musiker Compay Segundo genommen. Gehüllt in eine kubanische Flagge wurde sein Sarg durch die Straßen seiner Heimatstadt gefahren. Trauernde warfen Blumen, manche weinten. Der Sänger und Gitarrist des Buena Vista Social Club war in der Nacht zum Montag im Alter von 95 Jahren gestorben. Mit der Gruppe war er im hohen Alter Ende der 90er Jahre über Nacht zum Weltstar geworden. Mit bürgerlichem Namen hieß der Musiker Francisco Repilado. Bei der Leichenwache im überfüllten Gebäude der Stadtverwaltung ertönten Compays bekannteste Lieder. Die städtische Musikgruppe von Santiago begleitete den Trauerzug, der vier Kilometer durch die Stadt zum Friedhof zog. Bei der Band hatte Compay selbst vor acht Jahrzehnten als Klarinetten-Spieler seine Musiker-Karriere begonnen.

Bevor der Sarg in das Grab hinabgelassen wurde, sangen Compays Familie und Freunde noch einmal sein bekanntestes Lied "Chan Chan". Kubas Präsident Fidel Castro schickte ein Blumengebinde. "Compay war einer der Helden der kubanischen Musik und er hat uns international vertreten und die Revolution und ihre Prinzipien verteidigt", sagte ein Trauergast.

Compays Aufstieg zu Weltruhm begann 1997, als der US-Gitarrist Ry Cooder eine Reihe von Veteranen der kubanischen Musik zum Buena Vista Social Club zusammenbrachte. Ihre Platte gewann den Musikpreis Grammy und verkaufte sich mehr als vier Millionen mal. Der nach der Gruppe benannte Film des deutschen Regisseurs Wim Wenders erzählte die Geschichte dieses Aufstiegs und mehrte den internationalen Erfolg des Ensembles. Den Musikern gelang es, das internationale Interesse an traditioneller kubanischer Musik, genannt Son, wiederzubeleben.

"Die Blumen des Lebens kommen zu jedem. Man muss bereit sein, um sie nicht zu verpassen. Meine kamen, als ich über 90 war", sagte der Sänger in einem seiner letzten Interviews. Bis Mai hatte der Musiker noch auf der Bühne gestanden, wo er stets einen Panama-Hut trug. Der Musiker komponierte bereits als Kind seine ersten Lieder. Seinen Spitznamen erhielt er als zweiter Sänger der Gruppe "Los Compadres". "Compay" bedeutet in der kubanischen Umgangssprache Kumpel und "Segundo" bezieht sich auf die zweite Stimme. In den 40er und 50er Jahren spielte Compay mit bekannten kubanischen Musikern wie Nico Saquito und Miguel Matamoros.

Nach der kubanischen Revolution unter Fidel Castro zog sich der Sänger und Gitarrist wie viele andere Veteranen des Son aus der Musik zurück. Sie wurden durch die neue Volksmusik der Kommunisten verdrängt. Fortan arbeitete Compay in einer Zigarrenfabrik. Nach dem Durchbruch mit dem Buena Vista Social Club bereiste Compay mit über 90 Jahren die Welt und nahm noch neun Alben auf.
Autor: nnz

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