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Mo, 18:59 Uhr
14.07.2003

Thüringen gegen Pfand-Rest

Nordhausen (nnz). Erst wurde um das Dosenpfand gestritten. Jetzt kommt ein neuer Zankapfel in Sicht. Er betrifft eine Branche, die von der Einführung des umstrittenen Zwangspfandes mehr als jede andere profitiert. Wenn Sie es genau wissen wollen, dann klicken Sie einfach auf MEHR.


Im Dosenpfand-Streit hat sich der Wettbewerb zwischen den Anbietern von Rücknahmeautomaten um den milliardenschweren Absatzmarkt in Deutschland verschärft. Hintergrund ist laut Insidern der Branche zufolge ein neues Angebot der Deutschen Pfand AG an den Handel, für 200 Millionen Euro über Sammelcontainer die flächendeckende Rücknahme, das Pfandclearing und den Abtransport der Einwegverpackungen zu organisieren. Das Unternehmen war vor mehreren Monaten bei der Ausschreibung des Handels für ein flächendeckendes Pfandsystem nicht zum Zuge gekommen.

Nun zeigten sich jedoch mehrere Handelsketten wieder offen für das System, da es kurzfristig deutlich preiswerter sei als die Pfandautomaten der Konkurrenten Tomra Systems und Prokent AG aus Thüringen, hieß es in der Branche. "Da wird in einigen Unternehmen bald eine Entscheidung fallen", hieß es in den Kreisen weiter. "Das System hat in der Tat seinen Reiz", äußerte sich am Montag auch eine große Handelskette.

Eine Sprecherin der Deutschen Pfand AG, eine Tochter der RWE Umwelt, sagte, das Unternehmen führe derzeit Gespräche über das Rücknahmesystem. Die genannte Summe könne sie jedoch nicht bestätigen. Von Zusagen einzelner Handelsketten sei ihr nichts bekannt.

Der Branchenführer Tomra sieht ungeachtet des verschärften Wettbewerbsdrucks gute Chancen für einen Umsatzzuwachs in Deutschland. "Wir haben derzeit 20 Testinstallationen in zehn Einzelhandelsketten", sagte ein Unternehmenssprecher. Tomra sei zuversichtlich, bald Verträge für Pfandautomaten abschließen zu können. Das Unternehmen hatte im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von 54 Prozent hinnehmen müssen und steht daher unter hohem Druck, Umsatzzuwächse zu erzielen. Die Aktien gingen am Montag mit einem Plus von 5,7 Prozent aus dem Handel.

Auch der thüringische Wettbewerber Prokent verhandelt derzeit mit mehreren Handelsketten über den Verkauf von Rücknahmeautomaten. "Wir sind proaktiv dabei, die Verhandlungen sind schon weit gediehen", sagte ein Sprecher, ohne jedoch Einzelheiten über Kunden und Stückzahlen zu nennen.

Mitte Juni hatten Handel und Getränkeindustrie ihre Zusage für den Aufbau eines bundesweit einheitlichen Pfandsystems rückgängig gemacht. Der Verbraucher muss sich nun auf ein Mischsystem einstellen, bei dem einige Ketten auf separate Rücknahmelösungen mit oder ohne Automaten setzen und andere Einweg ganz aus den Regalen nehmen. Daneben soll unter Führung von Lekkerland-Tobaccoland ein Rücknahmesystem aufgebaut werden, an dem sich die Tankstellen, Kioske und die Spar-Gruppe beteiligen. Lekkerland bleibt nach Angaben der Geschäftsführung zunächst jedoch bei der geplanten manuellen Rücknahme.

Das System der Deutschen Pfand AG sieht vor, dass Dosen und Einwegflaschen nicht im Laden selbst, sondern in Sammelcontainern zurück gegeben werden, die etwa am Supermarkt oder an öffentlichen Plätzen stehen. Beim Einwurf liest und entwertet ein Scanner den Code auf der Verpackung und schreibt den Pfandbetrag auf einer speziellen Geldkarte gut. Nach Einschätzung von Branchenexperten ist das System in der Anschaffung zwar deutlich billiger als die Rücknahmeautomaten im Laden, die zwischen 20.000 und 60.000 Euro pro Stück kosten sollen.

Mittelfristig rentiere sich das System jedoch wegen der hohen Kosten des Abtransports der Einwegbehälter nicht. Umweltverbände fürchten zudem Verstöße gegen die Verpackungsverordnung. Danach dürften die Automaten nicht einfach an öffentlichen Plätzen stehen, sondern müssten in der Nähe des jeweiligen Supermarkts platziert werden.
Autor: nnz

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