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So, 16:14 Uhr
13.07.2003

Vom Schau- zum Trauerspiel

Nordhausen (nnz). Eigentlich sollte der Streik der Ost-Metaller das Schauspiel der Stärke der IG Metall werden. Nach dessen Abbruch geriet die größte Einzelgewerkschaft der Welt zum Hauptdarsteller eines Trauerspiels. Das geht munter weiter...


In der IG Metall wird der Druck größer, rasch die Führungskrise zu beenden und nicht die nächste Vorstandssitzung im September abzuwarten. Der Vorsitzende des IG Metall-Bezirks Bayern, Werner Neugebauer, forderte am Sonntag IG-Metall-Chef Klaus Zwickel auf, so schnell wie möglich eine außerordentliche Vorstandssitzung einzuberufen. Diese müsse über einen außerordentlichen Gewerkschaftstag oder einen Rücktritt des kompletten Vorstands entscheiden.

"Der Vorstand der IG Metall ist nur noch bedingt handlungsfähig. Die IG Metall ist aber mehr als der Vorstand", heißt es in der Erklärung Neugebauers. Eine Entscheidung über eine vorgezogene Vorstandssitzung könnte möglicherweise bereits am Montag fallen. Dann kommen die zehn Mitglieder des geschäftsführenden Vorstands zusammen. Auch der IG Metall-Bezirk Baden-Württemberg hatte sich für einen außerordentlichen Gewerkschaftstag ausgesprochen. Dadurch soll der Streit über den designierten IG-Metall-Chef Jürgen Peters und damit auch über die zukünftige inhaltliche Ausrichtung der Gewerkschaft beendet werden. Der amtierende stellvertretende Vorsitzende Peters wird von Zwickel und einflussreichen Metallern für die Streikniederlage in Ostdeutschland verantwortlich gemacht. Er soll deswegen auf die Führung der IG Metall verzichten.

Peters wird dem Flügel der Gewerkschaft zugerechnet, der eher an der Wahrung bestehender Strukturen interessiert ist. Bei der Nominierung des neuen Gewerkschaftschefs konnte er sich gegen den Vorsitzenden des Bezirks Baden-Württemberg, Berthold Huber, durchsetzen. Huber gilt in der IG Metall als Reformer. IG Metall-Sprecher Claus Eilrich bestätigte, dass immer mehr Gewerkschafter eine Entscheidung wollten: "Ich habe den Eindruck, dass die Forderung nach klaren Entscheidungen zu Personal und Politik der IG Metall zunimmt." Möglicherweise sei dafür der 1. September zu spät. Für diesen Tag ist die nächste reguläre Sitzung des IG Metall-Vorstandes vorgesehen. Nach bisherigen Fahrplan soll Peters beim Gewerkschaftstag Mitte Oktober zum Nachfolger Zwickels gewählt werden.

Im Magazin "Focus" lehnte Peters einen Rücktritt erneut ab. Zwickel hatte Peters aufgefordert, gemeinsam mit ihm zurückzutreten, um den Weg für eine neue IG Metall-Spitze frei zu machen. Nach Eilrichs Angaben ist die Abwahl von Vorstandsmitgliedern nicht möglich. Für Neubesetzungen müssten entweder Vorstandsmitglieder von ihrem Amt zurücktreten oder ihre Amtszeit müsse abgelaufen sein.

Auch der Konzernbetriebsratschef von ThyssenKrupp, Thomas Schlenz, reihte sich in die Gruppe einflussreicher IG Metaller ein, die von Peters einen Verzicht auf eine Kandidatur fordern. Schlenz warnte in der "Berliner Zeitung", falls Peters IG Metall-Chef würde, werde dies eine nachhaltige Zerrissenheit und zwei sich bekämpfende Fraktionen bedeuten. "Die Gewerkschaft muss sich an die Bedingungen, die sich unter anderem durch die Globalisierung und die Grenzen der Finanzierbarkeit der Sozialsysteme drastisch verändert haben, anpassen."

Der einflussreiche Konzernbetriebsratschef von DaimlerChrysler, Erich Klemm, erneuerte ebenso wie der Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück seine Kritik an Peters. Peters werde die IG Metall nicht einigen können, sagte Klemm. Er forderte Berthold Huber in der "Bild am Sonntag" auf, für den IG Metall-Vorsitz zu kandidieren. Hück sagte dem Blatt: "Für mich ist Huber der ideale Mann. Peters muss weg."

Nach der Einmischung der Politik in die Belange der Gewerkschaft (Bundeskanzler Schröder) verteilt jetzt auch das Lager der Arbeitsgeber die ersten Ratschläge. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, sagte der "Welt am Sonntag", die Gewerkschaft müsse vor allem die inhaltlichen Differenzen klären." Da soll die Gewerkschaft sich lieber ein paar Wochen Zeit nehmen, damit die alten Gräben später nicht wieder aufbrechen." Er bezeichnete Peters als Betonkopf, während Huber seiner Ansicht nach ein nachdenklicher Reformer ist.

"Focus" berichtete auch, als Kandidat für den IG Metall-Vorsitz sei der Arbeitsdirektor von Audi in Ingolstadt, Horst Neumann, im Gespräch. In der Umgebung von IG Metall-Chef Zwickel werde Neumann als geeignet zur Führung gehalten. Neumann gelte als undogmatisch und kenne neben der Arbeit in der Gewerkschaft auch die Unternehmerseite. IG Metall-Sprecher Eilrich sagte dazu, er wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen.
Autor: nnz

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