Wo ist der Südharz?
Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen im Landkreis Nordhausen, also im Südharz. Doch wo ist der Südharz eigentlich - nicht in Rossla...
Aber genau dort liegt das politischen Zentrum der neuen Einheitsgemeinde Südharz - mitten in Sachsen-Anhalt. Jetzt haben sich einige Unternehmen der Einheitsgemeinde zusammengeschlossen und einen Brief an den Bürgermeister geschrieben. Sie wollen den Namen Südharz loswerden und stattdessen "Stolberg" haben. Auch André Materlik, Werkleiter von Knauf in Rottleberode, ist im nnz-Gespräch für Stolberg.
Der Südharz ist eine Region und kein Ort. Darüber hinaus ist Stolberg ob seiner Geschichte und seines Schlosses weit über die Grenzen der Gemeinde, ja de Bundeslandes ein Begriff, mit dem man sich identifizieren kann.
Sollten die Unternehmen mit ihrem Ansinnen Erfolg haben, dann haben Niedersachswerfen und Ilfeld als neue Landgemeinde Südharz fast ein Alleinstellungsmerkmal. Wenn da nicht der Landkreis Mansfeld-Südharz wäre...
Autor: nnz
Kommentare
Peppone
25.05.2011, 20:33 Uhr
Ja wo ist er denn nun, der Südharz?
Na endlich widmet sich eine Zeitung mal diesem neudeutschen Schwachsinn (sorry, was Besseres viel mir hier wirklich nicht ein ;-)).
Man stelle sich mal vor, ein guter Bekannter, den sie nach Jahren gern mal besuchen möchten, weil sie gerade mal in der Nähe sind, wohnt in Südharz. Jetzt suchen sie das mal auf der Karte. Sie werden's nicht finden!
Vor ein paar Jahren habe ich mal eine Adresse im "Helbedündorf" gesucht. Über diese Odysee zu berichten würde hier den Rahmen sprengen. Wenn da Holzthaleben gestanden hätte, wäre das ja viel zu einfach gewesen. Kannte ich ja schon immer.;-)
Vor drei Jahren wollten so ein paar Lokalmatadoren aus kleineren Dörfern die heutige größere Stadt Heringen in Goldene Aue umbenennen. Zum Glück gab es ein paar Leute mit Hirn, die das verhindert haben!
Ich kann das gut nachvollziehen, dass man im Kunstgebilde Südharz lieber Stolberg heißen möchte. Den Ilfeldern und NSW'lern lege ich noch mal an's Herz, macht was Besseres aus dieser "Südharznummer".;-)
socken
25.05.2011, 21:35 Uhr
...
wir haben ja nix besseres zu tun... da kommt wenigstens wieder Geld in die Tasche....nicht bei uns....
Iffland
25.05.2011, 22:11 Uhr
Umbenennungen von Orten bringt nur Probleme
Es ist schon frevelhaft eine Stadt wie Stolberg nach einer Gebietsbezeichnung zu benennen. Es gab schon immer mal in der Geschichte verschiedene Orte die sich zu Einem vereint haben oder unter neuen Namen zusammenschlossen siehe Friedrichsthal und Wipperdorf.
Ich persönlich bin aber gegen Zusammenlegungen von vielen zerstreuten Orten zu einer Geimeinde, welche dann kein Mensch mehr findet. Allein schon die Telekom läßt oft die Ortsteile wegfallen. Schon in der Vergangenheit gab es zahlreiche Leute, welche nach Hohenstein (gemeint ist dann aber die Verwaltungsgemeinschaft Sitz Klettenberg)fuhren und die Burgruine suchten. Sie mussten dann zur Verwaltungsgemeinschaft Hohnstein/Südharz in der sich die Ruine befindet. Schon hier hätte man auf die sinnvolle Wurzel zurückgreifen müssen und man hätte es Verwaltungsgemeinschaft Klettenberg nennen können.
Aber hier greifen viele nach zu großen Sternen. Man will mehr darstellen als man ist.
Im "Südharz" und der ist breit, nennt sich seit einigen Jahren jeder nach dieser Regien, um eventuell die meisten oder besseren Touristen zu erhalten. Das man dabei jahrhunderte alte Orts- und Gebietsbezeichnungen zerstört, ist vielen vermutlich nicht bewußt. Allein in den letzten 50 Jahren verschwanden viele Flurbezeichnungen aus unseren Wortschatz. Jetzt müssen die Bewohner, wie die von Stolberg, doppelt Werbung machen. Zum Einen für sich und zum Anderen um die Leute aufzuklären, das Stolberg/Harz nun Südharz OT Stolberg ist.
Bodo Schwarzberg
25.05.2011, 22:31 Uhr
Identität der Ortschaften wahren
Nach der Wende verloren viele Jahrhunderte alte Gemeinden und damit auch deren Bewohner durch oftmals willkürlich erscheinende rein verwaltungstechnische Wortkonstruktionen eine zentrale Säule ihrer Identität. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Im Widerspruch dazu stehen die vielfältigen Bemühungen von Ortschaftsräten, Bürgern und Vereinen, alte lokale Traditionen wiederzubeleben.
Man sollte sorgsamer mit den althergebrachten, urkundlich vor Jahrhunderten erstmals erwähnten Ortsnamen umgehen. Meiner Meinung nach kommt in diesen Umbennenungen vielfach auch eine gewisse Arroganz jener Verwaltungsstrukturen zum tragen, die sich die neuen Gemeindebezeichnungen ausdenken. Alle Familien mit dem Namen Meyer in einer bestimmten Region würden es bestimmt auch nicht gutheißen, mit einem Federstrich den Müllers zugeschlagen zu werden, um für eine "Vereinfachung" auf den Schreibstuben zu sorgen. Ähnlich kritisch ist dies wohl mit den Gemeindenamen zu sehen.
Ein Ortsname "Uftrungen Gemeinde Südharz" z.B. würde der Würde und Geschichte dieses Ortes eher gerecht, als Gemeinde Südharz OT Uftrungen. Man sollte den älteren Ortsnamen daher immer voranstellen und den neuen, künstlichen und unbekannten unterordnen. Allein die Bezeichnung "Ortsteil" halte ich schon für eine gewisse Herabwürdigung der Identität.
Zudem halte ich die Bezeichnung "Gemeinde Südharz" für wenig angebracht.
Der Südharz ist eine geografische Bezeichung für einen Landschaftsausschnitt. Ihn in ein verwaltungstechnisches Korsett zu zwingen und aus ihm eine Gemeinde zu generieren, müsste sich eigentlich von selbst verbieten. Mein Vorschlag also: Das Verwaltungsgebilde sollte Gemeinde Stolberg (im) Südharz heißen. Durch diese Bezeichnung wird Stolberg, da es ja mehrere Gemeinden und Städte dieses Namens gibt, eindeutig gekennzeichnet. Uftrungen oder Rossla würden, als Referenz an ihre Identität und Geschichte, demnach "Uftrungen - Gemeinde Stolberg (im) Südharz" bzw. "Rossla - Gemeinde Stolberg (im) Südharz" heißen.
Auf den Ortseingangsschildern könnte so der alte Ortname stets oben stehen. Alles andere wäre eine Arroganz gegenüber einer viele Jahrhunderte alten Geschichte und würde auch der vielbeschworenen touristischen Vermarktung des Harzes zuwiderlaufen. Sucht der Tourist z.B. in Uftrungen eine Kirche, dann sollte er sie eben auch in Uftrungen suchen dürfen und nicht "in Südharz", wo er sie auf Grund der Vielzahl der Kirchen dieser "Gemeinde" möglicherweise nicht so schnell finden könnte. Sucht er sie aber in Uftrungen Gemeinde Stolberg, so ist die Suche konkreter möglich. Obendrein ist diese Bezeichnung schon dadurch tourismusfördernd, weil das touristische Schwergewicht Stolberg mit im Ortsnamen erscheint.
Ich weiß nicht, ob es eine Art Volksabstimmung zu der Bezeichnung der künftigen Gemeinde gegeben hat. Wenn nein, dann hielte ich die aber für angebracht. Denn das Heimatgefühl eines Menschen hat wesentlich mit dem Namen seines Wohn- bzw. Heimatortes zu tun.
Erfreulich finde ich es, dass sich Unternehmen über die Bezeichnung der künftigen Gemeinde im Raum Rottleberode Gedanken machen. Allerdings müssten solche Initiativen meiner Meinung nach eher von den Bürgern angestoßen werden, falls nicht zuvor schon passiert.
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