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So, 18:44 Uhr
15.06.2003

nnz-Kunst-Blick: Nachtmusik

Nordhausen/Sondershausen (nnz). Der sinfonischen Kirchenmusik in der Spätromantik entsprach die Expressivorgel mit ihrem Hauptmeister Josef Rheinberg. Von eben diesem war am Samstag Abend während der Nachtmusik, einem Konzert für Orgel und Sopran in der Sondershäuser Stadtkirche St. Trinitatis, die Missa puerorum zu hören. Dazu eine Betrachtung von Katrin Landgraf.


Das Werk verlangt geradezu nach textlicher Klarheit und wenig Verzierungen im Gesang und einer gediegenen aber anmutigen Orgelbegleitung, die einen schwebenden Effekt erzeugt, damit sich in der Kirchenraumakustik die geistliche Intuition durchsetzen konnte. Die aus Halle an gereiste Juliane Claus entsprach mit ihrem reinen Sopran genau diesem Vorbild.

Wie jedes Jahr, trafen sich auch diesem Wochenende die goldenen Konfirmanden und konnten zusammen mit anderen Sondershäuser Gästen den Klängen von Juliane Claus und Jens Goldhardt (Orgel) lauschen. Im weiteren Verlauf des Programmes konnte man ein Werk von Johann Pachelbel hören. Der Komponist war dieses Jahr schön öfter auf den Programmen zu finden, da er in diesem Jahr seinen 350. Geburtstag feiert.

Zu Pachelbels Zeit wurde besonders gern Hausmusik gespielt. Das ist Musik, die im kleinen Rahmen unter Freunden gespielt wurde. Dem kleinen Raum entsprechend wurde folglich auf einer Hausorgel oder einem Spinett gespielt oder begleitet. Auf solch einer kleinen Hausorgel spielte Jens Goldhardt den Choral mit 9 Partiten. Die Variationen des Themas wurden in solcher Vielfalt dargestellt, dass man sich fragte, wie denn in eine so kleinen Orgel die 7 Register hineinpassen. Das Werk an sich war geprägt von einem heiteren Charakter. In den Variationen wurde das Thema in teilweise dissonante Melodien, Triolenketten und plötzlich wechselnde Taktarten umgewandelt und kehrte schließlich wieder zum Ausgangspunkt zurück, indem das Urthema wiederholt wurde.

Auch die große Hey-Orgel zeigte sich von ihrer Solistenseite. Die Sonata Eroica op. 94 von Joseph Jongen imponierte schon allein durch ihre heroischen Anfangsakkorde im Tuttieinsatz. Die bedrohliche aber Sieges bewußte Atmosphäre wirkte an den leisen Stellen fast wie ein höhnisches Lächeln und wurde im pianissimo verschlungen. Die leises und sanften Streicherregister, die sich stark von den herausfordernden Prinzipälen des Anfangs absetzen, gingen in ein 2 Fuß Register über , dass nur von tiefen Bässen begleitet wurde. Diese leise Stimmung sollte jedoch nicht den Abschluß bilden, denn etwas heroisches stirbt nie im ruhigen. Das Werk endete im dreifachen fortissimo. Dank dem ausdrucksstarken und impulsiven Spiel des Organisten Jens Goldhardt hat die Sonate dem Publikum so gut gefallen, dass einige bereits nach diesem Stück begeistert klatschten. Bei den meisten kommt wohl die spektakuläre Orgelmusik mit viel Bass, schnellen Läufen, einer vollen Registerbesetzung und möglichst viel Dynamik besser an, als strenge, gleichmäßige und „alltägliche“ Stücke, in denen „nicht viel passiert“. Es ist doch wie im Alltag: nur Skandal ist interessant.

Im letzten Teil des Abends taten sich Orgel und Gesang noch einmal zusammen und stellten das Werk Speculum Vitae (Spiegel des Lebens) von dem belgischen Komponisten Flor Peeters vor. In seinen Werken zeigt Peeters trotz aller deutlichen Einflüsse der französischen und der deutschen Orgelmusik einen eigenständigen Stil. Dieser fußt zum einen auf der flämischen Tradition, die mit Komponisten wie Tinel, Callaerts oder Jongen einen besonders durch französische und niederländische Einflüsse bestimmten Weg eingeschlagen hat, zum anderen auf einem Hang zu einer freien Rhythmik, wie sie in der beliebten Improvisation zu finden ist, und linearen Stimmverläufen.

Der Spiegel des Leben ist ein Liederzyklus von Flor Peeters und stellt geistliche Meditationen der Tageszeiten im Sinne des Lebens dar. Er entführt in farbige Klangwelten, die dem Impressionismus nahe stehen und entläßt das Publikum mit dem Schlußsatz „der Abend“ in die Nacht.
Katrin Landgraf
Autor: nnz

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