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Sa, 20:09 Uhr
16.04.2011

nnz-Forum: W(M)utbürger

Der Sundhäuser Wut- und Mutbürger Karl Rumpf äußert wenige Tage vor der Stadtratssitzung seine Gedanken zur Politik.

Vorab möchte ich klarstellen, dass diese Gedanken meine ganz persönlichen sind und ich diese weder im Namen noch im Auftrag der „BÜRGERINITIATIVE GEGEN DEN AUTOHOF-STANDORT SUNDHAUSEN“ übermittle und (falls bei der Presse Interesse daran besteht) veröffentliche. Im Unterschied zu mir befürchtet eine Mehrheit der BÜRGERINITIATIVE, dass die Veröffentlichung solcher Gedanken möglicherweise von einigen Ratsdamen und -herren als Provokation aufgefasst werden und damit zu einem für die SUNDHÄUSER negativen Abstimmungsverhalten führen könnte.

Ein SUNDHÄUSER der denkt(!?), fragt man sich in Stadt (-rat und / oder –verwaltung) und Umland? Eigentlich erwartet man doch von den SUNDHÄUSERN rein emotionale Ausbrüche, die sich in einem „Totschlagargument“ äußern:
„Wir wollen den Autohof nicht, nein den Autohof wollen wir nicht“

Aber jetzt zu meinen Gedanken:

Der Stadtrat (als eine Organisationsform der „GEWÄHLTEN“) hat bei seiner nächsten Sitzung eine umfangreichen Entscheidungskatalog, der für die weitere Entwicklung unserer Stadt von großer Bedeutung ist und von allen Ratsdamen und -herren ein hohes Maß an Verantwortung, Sachkenntnis, Mut, Demokratieverständnis usw. erfordert. Nur zwei Punkt unter vielen betreffen SUNDHAUSEN direkt als Ortsteil. Auch ich weiß, dass von den dazu zu treffenden Entscheidungen weder der Gang der Weltgeschichte noch die Sicherung des Weltfriedens in großem Maße beeinflusst werden.

Die SUNDHÄUSER (WUT) MUTBÜRGER* aber werden durch diese Entscheidungen Politik direkt und unmittelbar erfahren, so zu sagen am eigenen Leibe. Sie werden sehen ob sich der Kampf ihrer BÜRGERINITIATIVE, ihre Briefe an die OB und an die Ratsdamen und –herren, ihre persönlichen Vorsprachen bei der OB, in den Ratsfraktionen und bei einzelnen Stadträtinnen und -räten, sowie bei den Spitzen der Verwaltung gelohnt hat. Sie werden erleben, ob ihre Argumente, die weit über ein emotional eifältiges:„Wir wollen den Autohof nicht, nein den Autohof wollen wir nicht“ hinausgehen und ob Ihr, mit viel Geduld aber großer Festigkeit vorgetragener Mehrheitswille, bei ihren “GEWÄHLTEN“ Berücksichtigung findet und was die einstimmig vom ORTSTEILRAT gefasste Zustimmungserklärung zum Antrag von Bündnis90 / Die Grünen dem Stadtrat wert sind.

Für uns SUDHÄUSER ist speziell die Entscheidung über diesen Antrag der Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen zur „Einstellung des Verfahrens…“von eminenter Bedeutung. Denn ob eine ca. 10 ha. große Ackerfläche direkt angrenzend an die Wohnbebauung des Dorfes versiegelt, und mit einem AUTOHOF bebaut wird oder nicht, hat entscheidenden Einfluss auf unser Leben, unsere Gesundheit, unsere Sicherheit, unser Wohlbefinden, unsere ländliche Identität unsere kulturelle Tradition und vieles mehr.

Entscheidungen über die Versiegelung und Bebauung von Boden und damit den Verlust von Natur wirken sehr komplex und nachhaltig weit in die Zukunft. Sie sind deshalb nicht oder nur sehr schwer zu revidieren. Auch aus diesem Grund sollten Entscheidungen dazu mit großer Verantwortung und unter Berücksichtigung besserer (weil ökologisch nachhaltiger) Möglichkeiten und neuer Erkenntnisse getroffen werden. Keinesfalls sollten solch weitreichende Entscheidungen aber nur auf der Grundlage von kurzfristig relevanten Kriterien wie -bereits vor Jahren gefasste Beschlüsse, -vermeintlich wirtschaftpolitischer Verlässlichkeit, -Wachstum, -Fortschritt, -Umsatz, -Gewinn, -Steueraufkommen für die Stadt, -.Arbeitsplätze oder gar Vermietungsrate usw. gefällt werden.

Diese Kriterien sind alle für sich genommen wichtig. Aber nur unter Berücksichtigung der Ökologischen und Politischen Nachhaltigkeit, der sich auch unsere Stadt Nordhausen verpflichtet hat, sollten sie auch als Entscheidungsgrundlage dienen.
Übrigens bei aller wirtschaftlichen Bedeutung eines Autohofes, behalten Sie bitte auch seine eigentliche Bestimmung im Auge, nämlich Ruhemöglichkeiten für LKW-Fahrer zu schaffen. Falls das noch von Bedeutung sein sollte, ist das an allen Standorten auch außerhalb SUNDHAUSEN problemlos möglich.

Nun zu den „GEWÄHLTEN“ (die selbstverständlich mehr zu sagen haben sollen als die „NICHTGEWÄHLTEN“ aber die Dialektik zwischen diesen beiden Kategorien ist ein anderes abendfüllendes Thema), die als Oberbürgermeisterin und als Ratsdamen und –herren die Entscheidungen treffen müssen.

Voranstellen möchte ich, dass allen Mitglieder des Stadtrates, die mit uns zu tun hatten, die uns Zeit und Geduld geopfert haben, Dank gebührt. Ganz besonders denen, die schon zu Anfang unserer Aktivitäten auf der Seite der betroffenen Bürger standen als noch von interessierter Seite die Auffassung verbreitet wurde, dass sowieso längst „alle Messen gesungen seien“ und am Autohof auf dem alternativlosen* „Filetstück Sundhausen“ kein Weg vorbei führe, außer die Stadt wolle ca. zwei Millionen € Schadenersatz zahlen und Gerichtprozesse verlieren (TA vom 29.07.2010 Seite TANO229).

Aber auch den Ratsdamen und –herren, die im Laufe des letzen (fast schon ganzen) Jahres auf Grund neuer Erkenntnisse und Informationen aber auch auf Grund der Beharrlichkeit der BÜRGERINITIATIVE und ihrer Argumente auf die Seite der betroffenen Bürger wechselten oder zumindest nachdenklich geworden sind gebührt Dank. Die Informationspolitik der Verwaltung zu dem Vorhaben gegenüber dem Stadtrat und den Bürgern wäre übrigens einer gesonderten Betrachtung wert, genauso wie das Informationsbedürfnis einiger Stadträte.

Besonderer Dank geht an die kleinste (und rein weibliche) Fraktion – BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN“, denn die beiden Ratsdamen dieser Fraktion sind gegen alle Bedenken und möglicherweise auch Anfeindungen von anderer Seite in guter Tradition der Bürgerbewegung zum Interessenvertretern der SUNDHÄUSER WUT-(MUT)BÜRGER* geworden. Der Antrag ist dafür lebendiger Beweis, wenn auch mehr und stichhaltigere Antragsgrund vorstellbar gewesen wäre, als nur die „fehlend Akzeptanz der Mehrheit der Sundhäuser Bürgerinnen und Bürger“.

Auch der FDP-Fraktion gilt für ihre aufgeschlossene Begleitung der Aktivitäten der BÜRGERINITIATIVE und selbstverständlich auch für die Einreichung des Antrages zum Lärmschutzgutachten, der durch eigenes Erleben des Autobahnlärms eines Fraktionsmitgliedes der FDP ausgelöst wurde, Dank. Übrigens, auch wenn der Stadtrat ihren Antrag ablehnen wird, die BÜRGERINITIATIVE der Ortsteilbürgermeister und der Ortsteilrat werden ihn wieder aufgreifen, auch weil die Begründungen der Verwaltung für seine Ablehnung (zumindest) nicht besonders logisch klingen und etwas von „das nicht sein kann was sein darf“ haben.
Probleme machen die SUNDHÄUSER WUT-(MUT)BÜRGER*, wie die Berichte aus der letzen Hauptausschusssitzung zeigen, besonders den großen (und damit mächtigen) Fraktionen, die zerrissen sind und sich nicht auf einen einheitlichen Standpunk verständigen können (oder wollen?). Mein Gedanken zu ihnen in der Reihenfolge ihrer Größe.

Aber halt diese Gedanken will ich nun doch nicht öffentlich machen, sondern den jeweiligen Fraktionen per mail meine Gedanken zu ihnen und ihrem Verhalten gegenüber den SUNDHÄUSERN übermitteln. Damit nehme ich Rücksicht auf die Bedenken der Mehrheit
der BÜRGERINITIATIVE, die befürchtet, kritisch formulierte und veröffentlichte Gedanken könnten möglicherweise als Provokation aufgefasst und mit einem für SUNDHAUSEN negativen Abstimmungsverhalten quittiert werden. (Wenn ich ehrlich bin, ein wenig provokant sind sie schon.)

Gedanken zur SPD – nur an SPD Fraktion und - Gremien per mail
Gedanken zur CDU – nur an CDU Fraktion und - Gremien per mail
Gedanken zur Linkspartei – nur an Linkspartei Fraktion und - Gremien per mail

Ein Gedanke noch, der alle Fraktionen des Stadtrates betrifft. Wenn ich richtig gezählt habe, sind (mit dem Nachrücken von Stadtrat Wieninger) nunmehr DREIZEHN Ratsdamen und –herren bzw. die gesamte hauptamtliche Spitze der Stadtverwaltung auch Mitglieder des Kreistages. Mit dieser Doppel – Würde (bestimmt auch Doppel – Bürde) tragen sie, beauftragt von allen Bürgern des Landkreises, auch große Verantwortung für die Entwicklung nicht nur in der Stadt sondern auch im „Rest“ des Landkreises.

Dieser Landkreis existiert konkret in seinen Gemeinden und zwei von diesen haben seit längerer Zeit starkes Interesse an der Ansiedlung eines Autohofes angemeldet. Die Standorte sollen teilweise sogar schon erschlossen sein. Was aber ein ebenso entscheidender Vorteil ist: Diese Standorte sind gewünscht und beeinträchtigen die berechtigten Interessen der Bürger nicht oder nur wenig. Ich denke mir, vielleicht können diese DREIZEHN (natürlich auch andere Stadträte die Verantwortung für den Rest… empfinden) darüber nachdenken die Verwaltung in Zusammenarbeit mit dem Landkreis zu beauftragen, den einen oder anderen Standort im Rest-Kreis offensiv zu befördern. Da der Kreis nicht sehr groß ist würden ein Teil der erhofften Arbeitsplätze bestimmt auch für Nordhäuser abfallen und die erhofften Steuereinnahmen indirekt auch der Stadt zugutekommen.

Mit einer solch großzügigen Geste könnten sie auch (bestimmt böswilligen) Vermutungen entgegentreten, die verbreiten, dass diese Personalunion vielleicht (wenigstens teilweise) als Lobbyarbeit für die Stadt verstanden werden könnte.

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Ratsdamen und –herren, lassen Sie bitte noch einmal die Argumente der BÜRGERINITIATIVE und anderer Persönlichkeiten (auch aus Ihren Reihen) an sich heran, lesen Sie vor der Abstimmung noch einmal den Offenen Brief vom 26.10.2010 der an jeden von Ihnen persönlich gerichtet ist und den Brief vom 16.01.2011 der an alle Fraktionen geschickt wurde.

Fällen Sie Ihre Entscheidung zu Gunsten der ökologischen Nachhaltigkeit (für Menschen christlichen Glaubens „zu Gunsten der Erhaltung der Schöpfung“), der Gesundheit und der Lebensqualität der SUNDHÄUSER sowie im Sinne einer bürgernah und auf demokratischer Teilhabe der Bürger ausgerichteten Kommunalpolitik.

Karl Rumpf
Autor: osch

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
Luftikus
16.04.2011, 22:29 Uhr
Autohof
Lieber Herr Rumpf, ich denke mit diesem Schreiben haben Sie keinen der Ratsherren angegriffen, vielmehr noch einmal die Fakten dargelegt. Ich denke "Autohof Sundhausen" ist ein schwerer Stein, für alle Komunalpolitiker. Die SPD als Antrageinbringer zum Bau der Autohofes wurde seinerzeit von allen Parteien unterstützt auch den Grünen. Zu den Grünen selbst möchte ich jetzt nichts sagen. Sie kannten die Situation auch von Anfang an.
Jedoch muß man wissen, dass nur weil dieses Verfahren eingestellt wird, kann in 1 oder 2 Jahren der nächste Investor am selben Standort wieder ein Autohof planen. Dann geht das Spiel von Vorne los. Die Fläche ist also damit nicht gleich gerettet. Würde das Planfestellungsverfahren zum Ende laufen und feststellen der Ort ist ungeeignet, so würde dort nie wieder ein Autohof entstehen.
Da sich die Stadtverwaltung mit der Oberbürgermeisterin an der Spitze nicht eindeutig positioniert, wird sich wohl auch keine Partei dabei verbrennen wollen. Vor allen die SPD wird schwer diskutieren müssen, weil es Ihr Antrag zum Standort Autohof war. Vermutlich wird jeder Stadtrat seine Entscheidung für sich selbst treffen müssen.
Bodo Schwarzberg
17.04.2011, 01:08 Uhr
Sundhausen denkt ökologisch?
Sehr geehrter Herr Rumpf,
ich schreibe hier ausschließlich auf der Basis allgemeiner Erkenntnisse, wenn ich Ihre Argumente im Umfeld des umkämpften Autohofes betrachte und in diesem Fall eher weniger als jemand, der einst Biologie studiert und weite Teile des Landkreises floristisch kartierte und kartiert. Ganz bewusst lasse ich, ebenso wie Sie, keine Emotionalität zu, sondern lasse nur die (Öko)Logik zu Wort kommen.

Mit anderen Worten: Egal ob für oder gehen den Autohof: Ihre Arguentation ist öko-logisch betrachtet nicht nachvollziehbar: Wenn Sie nämlich konsequent ökologisch herangehen würden, dann müssten Sie auch gegen einen Autohof anderswo sein, in diesem Landkreis oder in einem anderen. Denn wo immer er auch gebaut wird oder würde: Ökologische Schäden zieht er immer nach sich, ebenso wie jede andere neue, asphaltierte Verkehrseinrichtung oder Ansiedlung auch. Versiegelung bleibt Versiegelung, egal ob in Sundhauen, Hesserode oder Buxtehude.

Ich finde es opportunistisch, wenn Sie schreiben, das sich müde LKW-Fahrer auch außerhalb Sundhausens (auf Autohöfen) problemlos ausruhen könnten und erst recht, wenn Sie an die Stadträte apellieren, "ökologisch nachhaltig" zu entscheiden. In Ihrer Argumentation entschieden sich diese Damen und Herren ja nur dann ökologisch nachhaltig, wenn sie gegen einen Autohof in Sundhausen stimmten. Anderswo wäre er, um Ihren Gedankengängen konsequent zu folgen, ökologischer.

Ökologie aber ist die Wissenschaft von den wechselseitigen Beziehungen der Organismen zu ihrer Umwelt, und diese sind, das beweisen die vielfältigen ÖKOLOGISCHEN Globalprobleme, omnipräsent, übergreifend und beileibe nicht an Gemeinde- und bürgerliche Denkgrenzen gebunden. - Ökologie ist UNTEILBAR, wie wir tagtäglich in den Nachrichten sehen. Diese Konsequenz fehlt mir in Ihrer Argumentation. Dieses Fehlen wird auch darin deutlich, dass Sie von der Lärmbelastung durch die A 38 schreiben. Ich kann mich nicht erinnern, dass es gegen den Bau der Autobahn so aktive Bürgerinitiativen gab, wie gegenwärtig in Sundhausen. Falls doch, so können Sie mich gern eines Besseren belehren, denn ich war zum Zeitpunkt des Baus der A 38 noch nicht wieder ständig in Nordhausen ansässig. Mich wundert immer, dass das Bewusstsein nicht allzu sehr verbreitet zu sein scheint, dass der von stets so vielen Menschen gewollte Bau von Verkehrswegen fast stets auch Ansiedlungen nach sich zieht, die dann nicht mehr unebdingt gewollt werden.

Konsequenterweise müssten doch Diejenigen, die diese Ansiedlungen nicht wollen, doch bereits gegen den Bau der Verkehrswege protestieren, statt nach deren Fertigstellung gegen die unvermeidlichhen Folgen zu Felde zu ziehen?

Es liegt dem Menschen bekanntermaßen nicht, die übergreifenden, langfristigen Folgen seines Wollens und Tuns
rechtzeitig abzuschätzen. Das hat schon Engels in seiner berühmt gewordenen Arbeit "Der Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" schön beschrieben. Das ist wie mit den AKWs.

17 Stück haben wir davon in Deutschland: Als sie gebaut wurden, gab es keine größere Bewegung dagegen, obwohl jeder wusste aber verdrängte, was in ihnen für Gefahren schlummern. Die Bewegung entstand erst viel später, vor allem, als strahlendes Material an den atomstrombetriebenen Fernsehgeräten vorbei transportiert und gelagert werden sollte. Nun aber ist es schwer, die Dinger wieder loszuwerden. Es ist immer wieder dasselbe allgemeine Verhaltensmuster.

Aber auch bekannt ist die Lernfähigkeit des Menschen, - zumindest, sofern man sich angesichts von Klimawandel, Fukushima und Co. noch aufraffen kann, optimistisch zu denken.

Unabhängig davon, wie der Stadtratsbeschluss für Sundhausen ausgeht: Eine gloabalisierte Welt braucht globalisiertes Wissen, Denken, Fühlen und natürlich Handeln. Die Wirtschaft macht es uns längst vor. Das Motto, nach dem Sie argumentieren (ich schrieb es hier schon mehrfach) "Verschone mein Haus und zünde andere an", halte ich für egoistisch, opportunistisch und vor allem für unökologisch.

Meine uneingeschränkte Sympathie aber haben Sie, weil Sie sich hier "trauen", konsequent, und unter Nennung ihres bürgerlichen Namens, Ihre Meinung zu vertreten. Und ich würde mich freuen, wenn das Engagment der Sundhäuser nach der eventuellen Entscheidung gegen den Autohof im eigenen Ort nicht versiegt, sondern spätestens künftig eine auf übergreifendem Denken beruhende Uneigennützigkeit, auf welchem Gebiet des Gemeinwohls auch immer, unter Beweis stellt.

Beste Grüße

Bodo Schwarzberg
Alberdt
17.04.2011, 22:25 Uhr
Etwas zu lang geraten ...
Keine Frage, ein solch komplexes Thema wie das vorliegende läßt sich nicht in wenigen Sätzen abhandeln. Klar ist meiner Meinung nach, daß sich alle Parteien Gedanken um eine gute Lösung der Autohoffrage machen. Natürlich fällt es der SPD sicher am schwersten, sie hat vor vielen Jahren den Stein für einen Autohof in Sundhausen ins Rollen gebracht, sie steht somit in einer besonderen Verantwortung bei den Bürgern und den übrigen Stadtratsfraktionen.

Ein positives Moment scheint mir im Text sehr gut erkennbar: Es gibt Gemeinden im Umkreis an der A 38, die einen Autohof wollen. Insofern sollte der wohl stakt überzeichnete Vorwurf des Opportunismus, gar die Steigerung desselben in das tatsächlich unheilige „St. Florians Prinzips“ undiskutiert als abgehakt gelten.

Fraglich allerdings ist für mich, wie man im Ort Sundhausen so lange nichts von den, glaubt man der Stadt, seit Jahren laufenden Planungen wußte. Sind die Menschen dort tatsächlich so uninteressiert an allem was um sie herum geschieht ? Das sollte unbedingt der Vergangenheit angehören – nicht nur in Sundhausen ! Politik lebt von der aktiven Teilhabe und der Einmischung der Bürger in dieselbe.

Dem zweifelsohne hohen Verstand eines Ökologen oder Biologen mag es vielleicht logisch erscheinen, daß man, weil man gegen einen Standort (nicht gegen einen Autohof ) direkt am Wohnort argumentiert, auch gegen Autobahnen sein muß, mir leuchtet dieses Argument jedenfalls nicht ein. Beim Autor scheint es sich nicht um einen (nur) fundamental sondern sehr rational denkenden Menschen zu handeln. So und nicht anders deute ich auch die Kenntnis desselben darüber, daß bereits erschlossene Flächen für derartige Ansiedlungen bereitstehen und die Nutzung derselben natürlich nachhaltiger und auch ökologischer ist, als die (zusätzliche) Erschließung und „Versiegelung“ weiterer Flächen.

Eigentlich aber geht es mir um ein ganz anderes Problem, das ich als etwas unterbeleuchtet bezeichnen möchte: Welches Signal geht von der gegenwärtigen sehr verfahrenen Situation der Autohof-Diskussion an die Menschen und die Unternehmen aus ? Gäbe es keine Alternativen, was hier nicht der Fall ist, dann würde ein derartiger Druck auf die Kommunalpolitik aufgebaut (gegenwärtig baut dieselbe diesen wohl ein Stück weit selbst auf), daß es schwer fallen würde, für eine Verfahrenseinstellung zu stimmen.

Gegenwärtig dürfte es wohl eher der Faktor Zeit sein, es ist eben noch keiner der vom Autor benannten anderen Standorte positiv mit einem Autohof im Rennen, der am Mittwoch wohl abermals zu einer Vertagung oder gar einer Ablehnung des Einstellungsantrages führen könnte. Dieses wiederum behindert gleichwohl die zügige Beförderung der Entwicklung an anderer Stelle zweifelsohne.

Schlimm allerdings und befremdlich wäre es, falls nicht das, sondern der einfache Grund einer Machtdemonstration gegenüber einer kleinen Gruppe von Betroffenen Ursache für ein mögliches negatives Abstimmverhalten wäre. Ich gehe deshalb davon aus, daß zumindest eine der großen Parteien eine klare Position zu beziehen hätte.

Wichtig scheint unbedingt der Hinweis des ersten Kommentators: „Jedoch muß man wissen, nur weil dieses Verfahren eingestellt wird, kann in 1 oder 2 Jahren der nächste Investor am selben Standort wieder einen Autohof planen.“ Die Sundhäuser sollten sich da an die Wort ihrer Oberbürgermeisterin erinnern, die Anfang des Jahres sinngemäß erklärte: „Wenn es die Mehrheit der Sundhäuser will, bleibt es eine Ackerfläche ...“ Dazu allerdings muß der Flächennutzungsplan korrigiert werden. Für Unternehmen ist das Signal klar: es geht nicht (mehr) alles und überall. Das Problembewußtsein für Ökologie und Nachhaltigkeit, die Bewahrung von Kultur und Tradition steigt überall – nicht nur in Sundhausen. Und dieses Problembewußtsein erfordert künftig eine immer höhere politische Kompetenz.

So, nun habe auch ich es nicht geschafft, mich kurz zu halten, schade? Nein ... !
Totofino
18.04.2011, 22:54 Uhr
Bürgernähe nur eine Floskel ?
ich bin Sundhäuser und auch Mitglied der Bürgerinitiative und möchte etwas dazu beitragen offene Fragen der Kommentatoren unten zu beantworten, ich möchte aber auch ausdrücklich in meinem Namen, wenn auch Nicknamen schreiben (ich habe hier aber auch schon Artikel unter Nennung meines Klarnamens veröffentlicht).

Ich kann die Argumente Herrn Schwarzbergs durchaus nachvollziehen, der Hauptgrund gegen den AH für die Sundhäuser ist aber, dass der AH keine 100 m von der ersten Wohnbebauung in der Hauptwindrichtung liegen soll. Das ist in Bezug auf die Feinstaubbelastung von aktuell 120 LKW's (ursprünglich 220 !) unzumutbar.

Weiter wichtig ist, und das wird Sie als Biologen interessieren, meiner Meinung nach die Bedrohung der bedeutendsten Bachmuschelbestände in Thüringen, die Gefährdung von Fischottern, der Westgroppe, der Helm-Azurjungfer und des Bachneunauges, da das Regenwasser von ca. 10 ha versiegelter Fläche in die Helme geleitet wird und man muss bei dieser Fläche befürchten, dass Ölabscheider etc. bei einem Starkregen ihren Dienst versagen.

Die Versiegelung des Ackerbodens ist auch ein wichtiges Argument, vor allem, weil es mit Hesserode und Bleicherode zwei erschlossene Areale im Kreis Nordhausen gibt, aber wichtig für mich ist, dass (aus eigener Erfahrung) die Interessen der Anwohner berücksichtigt werden.
Also nicht „verschone mein Haus usw.“, wir Sundhäuser verfahren nicht nach diesem Prinzip, sondern wir kämpfen gegen die Errichtung eines AH in unserer unmittelbaren Ortsnähe und nicht darum diese Last auf andere abzuwälzen..

Über 70 % der Sundhäuser haben sich übrigens gegen den AH ausgesprochen.

Zum Thema Autobahn : Man kann nicht gegen alles und jedes kämpfen, ich glaube auch nicht, dass vor knapp 20 Jahren eine Mehrheit gegen die Autobahn zusammengekommen wäre (mit heutigen Erfahrungen wäre es evtl. anders), auch wenn ich persönlich damals schon die versprochenen Arbeitsplätze angezweifelt habe. Leider haben sich meine Zweifel bestätigt, die Autobahn wird nur zum Transport von im Osten (hinter Oder/Neiße) billig produzierter Waren in die Westrichtung oder von bestehenden Produktionsstandorten im Westen Richtung Osten benötigt und führt nicht zur Ansiedlung von neuer Industrie.

Fraglich ist, ob wir die Autobahn und damit den Autohof in vielleicht schon 30 Jahren überhaupt noch benötigen, weil die Treibstoffpreise soweit gestiegen sind, dass Güter über lange Strecken nicht mehr (oder nur geringfügig) per LKW transportiert werden.

Und nun noch ein Wort zu Alberdt, nein die Sundhäuser wurden nicht in die Diskussion zum AH einbezogen, es gab eine Veröffentlichung im Jahr 2002 von 3 eventuell möglichen Standorten (Hesserode, Steinbrücken und Sundhausen) und erst im Mai/Juni 2010 wurden die Sundhäuser und ihr Ortschaftsrat vor vollendete Tatsachen gesetzt und auch die Bürgerversammlung im Juli erfolgte erst auf Drängen der Sundhäuser.

Auch die Stadt NDH (Frau Klaan) hat diese „Nichtöffentlichkeit“ nach einer Anfrage von mir zugeben müssen, auch wenn man vorher anderes behauptet hatte.
(Im Jahr 2002 gab es auch noch keine Angaben zur geplanten Größe etc.)

Jetzt wird übrigens von der Stadt NDH mit den Hesserödern ähnlich verfahren.

Mal sehen, ob die Stadträte am Mittwoch im Sinne der betroffenen Bürger entscheiden oder ob andere Befindlichkeiten wichtiger sind und „Bürgernähe“ wieder nur eine Floskel ist.
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