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Di, 08:15 Uhr
29.04.2003

nnz-Rückspiegel: 29. April 2002

Nordhausen (nnz). Wenn Sie wissen wollen was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war, dann ist das kein Problem. Die nnz hat für Sie in ihrem Archiv gestöbert. Heute:
Zeitzeugen und Reaktionen


Gespräche mit Zeitzeugen
Besuch aus Belgien weilte heute in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Die Gäste legten unter anderem Kränze am ehemaligen Krematorium nieder.

Gespräche mitz Zeitzeugen Mehr als 100 belgische Schüler, Studenten und Professoren besuchten heute unter Leitung von Erziehungsministerin an der Poorten die Gedenkstätte Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Dort informierten sie sich über die Arbeit der Gedenkstätte. Gleichzeitig gedachten sie der Toten des Lagers. Der Besuch kam auf Anregung ehemaliger Häftlinge zustande. Die Gästen nahmen darüber hinaus auch an einer Führung im Stollen des Kohnsteins teil. Danach kann es zu vielen persönlichen Gesprächen, so zum Beispiel zwischen dem ehemaligen Häftling Maurice Eyben und Ministerin van der Poorten (siehe nnz-Foto).

Für mehrere Hundert Belgier wurde das KZ Mittelbau-Dora zwischen 1943 und 1945 zum Todesort. Aber auch in Belgien selbst forderte das KZ Opfer: Tausende starben 1994/45 beim Beschuß Antwerpens und anderer belgischer Städte mit der V2-Rakete, die von Häftlingen im KZ Mittelbau-Dora hergestellt wurde.


Absagen und Kondolenzlisten
Nach den Ereignissen am Erfurter Gutenberg-Gymnasium sind bereits jetzt viele Veranstaltungen abgesagt worden.

„Angesichts dessen, was in Erfurt geschehen ist, bitte ich dringend, bis zum 3. Mai auf jede Art von Festveranstaltungen zu verzichten“, sagte Barbara Rinke, Oberbürgermeisterin der Stadt Nordhausen. Im Nordhäuser Rathaus und im „Neuen Rathaus“ liegen Kondolenzlisten aus mit dem folgenden Text:

„Wir trauern. Die Menschen der Stadt Nordhausen trauern um die Opfer der Gewalt am Johann-Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und Freunden“.

Der Thüringer DGB hat angesichts der Erfurter Ereignisse ebenfalls sein Programm für den 1. Mai in Nordhausen geändert. So wird es kein Familien- und Volksfest geben, die als Rahmenprogramm angekündigt waren. Im Mittelpunkt der Mai-Feier steht das Gedenken an die Opfer. Das Motto lautet: „Der Opfer am 1. Mai gedenken!“ Die Kundgebung, auf der neben DBG-Landeschef Frank Spieth auch die Landesvorsitzenden von SPD, PDS und Bündnis90/Die Grünen reden werden, beginnt um 10.00 Uhr vor dem Nordhäuser Rathaus.

In einer anderen Form als bisher geplant, wird auch das Familienfest der CDU stehen. Stattdessen wird in der Halleschen Straße für alle CDU-Mitglieder die Möglichkeit des Gespräches und des Gedankenaustausches stehen. „Das Geschehene in Erfurt hat uns alle zutiefst erschüttert. Unser Mitgefühl gilt vor allem den Opfern, den Verletzten, den Angehörigen der Opfer sowie den Schülern und Lehrern der betroffenen Schule. Wir versichern ihnen unsere Anteilnahme“, heißt es in einer vom Stadtverband, dem Kreisverband, der Frauenunion und der Jungen Union gemeinsam herausgegebenen gemeinsamen Presseerklärung.

Auch Landrat Joachim Claus (CDU) äußerte sich: „Warum sind wir früher mit einer gewissen Lust in die Schule gegangen“, fragt Claus und antwortet prompt: „Wir bekamen die Schule als Notwendigkeit vermittelt, uns auf das spätere Leben vorzubereiten, man hat uns die Lust vermittelt.“ Was Joachim Claus damit sagen will ist einfach: Es muß nun endlich mit einer Wertediskussion begonnen werden, in deren Mittelpunkt der Mensch steht. Wie es derzeit in der Gesellschaft damit bestellt ist, könne jeder nachvollziehen, vor allem in den Medien. „Da reisen sogenannte Sozialhilfeempfänger von einer Talkshow in die andere und erzählen ihre Märchen, da werden täglich Tausende Gewaltvideos verkauft oder ausgeliehen. Zuvor werden sie aber produziert. Da verdient einer in einem Rennauto Millionen Euro, zahlt in Deutschland nicht einen Pfennig Steuern, und wird als Idol dargestellt. Da lässt sich ein anderer in einen Container einsperren und geht als Millionär nach Hause. Der normale Mensch spielt in gewissen Medien überhaupt keine Rolle mehr.“

Worte, die hart klingen, die die derzeitige Realität aber beschreiben. Wo bleibt der Mensch, der jeden Tag ganz normal seinen Job macht, der seine Steuern zahlt, mit seinen Problemen? Und doch, ist sich der Landrat sicher, sind jene Menschen immer noch in der Mehrheit. Finden sie aber Gehör?

Nach Ansicht von Claus müsste nun diskutiert werden, was zum Beispiel diese ­ unsere ­ Gesellschaft zusammenhält. Für ihn ist es jedoch makaber, dass es zu dieser notwendigen Diskussion immer eines schrecklichen Ereignisses bedürfe. In die kommenden Gespräche sollen sich nicht nur die Politiker einmischen, hier sei eine breite Basis gefordert. Die Politiker sollten aber genau zuhören und dann ihre Schlüsse ziehen. Vielleicht sei es machbar, in den kommenden Wochen und Monaten parteipolitische Grenzen temporär verschwinden zu lassen.
Autor: nnz

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