Mi, 07:01 Uhr
10.11.2010
nnz-Forum: "Feiglinge!"
'Die Kader entscheiden alles' - das wusste schon Lenin. Im Nordhäuser Rathaus ist eine wichtige Kaderfrage jetzt entschieden: Matthias Jendricke heisst der alte Bürgermeister. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird auch der neue so heißen. Dazu das Statement eines nnz-Lesers...
Und noch besser: Aus dieser komfortablen Position heraus wird mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit Matthias J. in wenigen Monaten in das Rennen um den Stuhl in seinem Nachbarzimmer gehen, nämlich dem des Nordhäuser Oberbürgermeisters. Der ist in weniger als zwei Jahren neu zu besetzen. Und diese Position ist die Pole-Position, denn der Bürgermeister genießt neben der OB eine der höchsten Medienaufmerksamkeiten. Und wenn es einen gibt, der genau weiß, dass diese (und von ihm so sehr geliebte) Aufmerksamkeit der Presse in Wahlkampfzeiten Gold wert ist, weil sie eben Bekanntheit bedeutet, dann Matthias J.
`Kader entscheiden alles.` Dessen war man sich in der Führungsetage des Rathaus wohl bewusst, als man den Text für die Ausschreibung ziemlich passgenau (und übrigens durchaus im Ramen der Gesetze) auf einen bestimmten Bewerber zuschnitt, diese im Anzeigenteil von zwei regionalen Thüringer Zeitungen versteckte (von denen dazu noch eine, der Thüringer Staatsanzeiger, nur einer kleinen Gruppe Eingeweihter überhaupt bekannt sein dürfte). Minimale Aufmerksamkeit war damit garantiert. Entsprechend klein, so sicher das Kalkül, würde auch der Bewerberkreis sein. Diese Rechnung ist voll aufgegangen.
Es gab eine Bewerbung. Wohl die von Matthias Jendricke. Respekt! Doch: Es war feige! Und ist ebenso entlarvend, wie es ein Eingeständnis ist, ein wenig schmeichelhaftes noch dazu: Dass man nämlich Herrn Jendricke ein Rennen in einem größeren Bewerberfeld offensichtlich nicht zumuten wollte. Oder nicht zutrauen wollte? Das Kuriose: Offensichtlich nahm daran niemand Anstoß.
Und damit wären wir bei der so genannten Nationalen Front im Nordhäuser Stadtrat, einem illustren Bündnis, das man im Bundestag wohl Opposition nennen würde und im Nordhäuser Fall aus den Fraktionen der CDU, FDP, LINKE und den Grünen besteht. Jenen also, die sich Anfang der Wahlperiode mit unzähligen Anträgen zu Geschäftsordnung, Sitzungsleitung, Hauptsatzung, Ausschusszusammensetzung, Entscheidungsgrenzen und ähnlichen Formalien abarbeiteten, die Öffentlichkeit dabei langweilten, der Rathausspitze lediglich einige kleine Pfeile verpassten, als Papiertiger sprangen um nun, nach gar nicht allzulanger Zeit, als Bettvorleger von Herrn Jendricke zu landen.
´Die Kader entscheiden alles´ - das, die wichtigste Frage, haben die Damen und Herren der Opposition aus den Augen verloren. Sie haben Schlachten geschlagen und auch einige gewonnen, in einem (Klein)krieg, den sie letztlich samt und sonders verloren haben, weil sie in ihn gezogen sind ohne Strategie.
War das politischer Dilettantismus? Oder waren auch sie einfach nur Feiglinge angesichts einer vermeintlichen erdrückenden Übermacht eines Matthias J.? Oder hat die Parteien nun auch ein Phänomen erreicht, das das neuste gesellschaftliche Schreckgespenst ist und Fachkräftemangel heißt? Egal, welche Frage zutrifft: Für das Rennen um den OB-Posten sieht es für die`Frontler´ damit nicht gerade rosig ist.
`Die Kader entscheiden alles´ - das sollte Herr Jendricke allerdings gerade jetzt auch wörtlich nehmen und sich seiner Verantwortung besser bewußt werden, die mit seiner Machtfülle und seiner Entscheidungskompetenz zusammenhängt. Gerade jetzt, wo er quasi auf dem Roten Teppich ins Rathaus einziehen wird, sollte er mit den Füßen auf eben jenem Teppich bleiben. Mit einem starken Ordnungsamt, mit ordnungspolitischen Gängeleien, mit Verboten, der zigsten Verordnung, mit Autos im Polizeianstrich kann man eine Stadt sehr wohl verwalten - aber eben nicht gestalten.
Das braucht schon eine ganze Portion mehr. Da sollte Matthias J. von seiner jetzigen Chefin und auch - jawohl - von einigen Stadträten lernen. Und er sollte auch lernen, dass Klientelpolitik zwar kurzfristig Erfolge zeichnen kann. Doch trotz aller Wahlmüdigkeit: Es sind auch heute längst nicht nur Sportvereinsmitglieder, Senioren und Angehörige von Feuerwehren, die bei Kommunalwahlen ihre Stimme an der Urne abgeben. Wer OB werden will, der muss auch jetzt noch die große Mehrheit von sich überzeugen.
Herrn Jendricke wird in diesen Tagen wahrscheinlich ein großer Erfolg in den Schoß gelegt. Er hat den Verstand und die Intelligenz dazu, diese Chance zu begreifen. Ich wünsche ihm und dieser Stadt, dass sich zu diesem Verstand ein Stück mehr Herz hinzugesellt und ein Stück mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen dieser Stadt, die mit seinen Entscheidungen leben müssen.
Gernot N., Nordhausen
Autor: nnzUnd noch besser: Aus dieser komfortablen Position heraus wird mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit Matthias J. in wenigen Monaten in das Rennen um den Stuhl in seinem Nachbarzimmer gehen, nämlich dem des Nordhäuser Oberbürgermeisters. Der ist in weniger als zwei Jahren neu zu besetzen. Und diese Position ist die Pole-Position, denn der Bürgermeister genießt neben der OB eine der höchsten Medienaufmerksamkeiten. Und wenn es einen gibt, der genau weiß, dass diese (und von ihm so sehr geliebte) Aufmerksamkeit der Presse in Wahlkampfzeiten Gold wert ist, weil sie eben Bekanntheit bedeutet, dann Matthias J.
`Kader entscheiden alles.` Dessen war man sich in der Führungsetage des Rathaus wohl bewusst, als man den Text für die Ausschreibung ziemlich passgenau (und übrigens durchaus im Ramen der Gesetze) auf einen bestimmten Bewerber zuschnitt, diese im Anzeigenteil von zwei regionalen Thüringer Zeitungen versteckte (von denen dazu noch eine, der Thüringer Staatsanzeiger, nur einer kleinen Gruppe Eingeweihter überhaupt bekannt sein dürfte). Minimale Aufmerksamkeit war damit garantiert. Entsprechend klein, so sicher das Kalkül, würde auch der Bewerberkreis sein. Diese Rechnung ist voll aufgegangen.
Es gab eine Bewerbung. Wohl die von Matthias Jendricke. Respekt! Doch: Es war feige! Und ist ebenso entlarvend, wie es ein Eingeständnis ist, ein wenig schmeichelhaftes noch dazu: Dass man nämlich Herrn Jendricke ein Rennen in einem größeren Bewerberfeld offensichtlich nicht zumuten wollte. Oder nicht zutrauen wollte? Das Kuriose: Offensichtlich nahm daran niemand Anstoß.
Und damit wären wir bei der so genannten Nationalen Front im Nordhäuser Stadtrat, einem illustren Bündnis, das man im Bundestag wohl Opposition nennen würde und im Nordhäuser Fall aus den Fraktionen der CDU, FDP, LINKE und den Grünen besteht. Jenen also, die sich Anfang der Wahlperiode mit unzähligen Anträgen zu Geschäftsordnung, Sitzungsleitung, Hauptsatzung, Ausschusszusammensetzung, Entscheidungsgrenzen und ähnlichen Formalien abarbeiteten, die Öffentlichkeit dabei langweilten, der Rathausspitze lediglich einige kleine Pfeile verpassten, als Papiertiger sprangen um nun, nach gar nicht allzulanger Zeit, als Bettvorleger von Herrn Jendricke zu landen.
´Die Kader entscheiden alles´ - das, die wichtigste Frage, haben die Damen und Herren der Opposition aus den Augen verloren. Sie haben Schlachten geschlagen und auch einige gewonnen, in einem (Klein)krieg, den sie letztlich samt und sonders verloren haben, weil sie in ihn gezogen sind ohne Strategie.
War das politischer Dilettantismus? Oder waren auch sie einfach nur Feiglinge angesichts einer vermeintlichen erdrückenden Übermacht eines Matthias J.? Oder hat die Parteien nun auch ein Phänomen erreicht, das das neuste gesellschaftliche Schreckgespenst ist und Fachkräftemangel heißt? Egal, welche Frage zutrifft: Für das Rennen um den OB-Posten sieht es für die`Frontler´ damit nicht gerade rosig ist.
`Die Kader entscheiden alles´ - das sollte Herr Jendricke allerdings gerade jetzt auch wörtlich nehmen und sich seiner Verantwortung besser bewußt werden, die mit seiner Machtfülle und seiner Entscheidungskompetenz zusammenhängt. Gerade jetzt, wo er quasi auf dem Roten Teppich ins Rathaus einziehen wird, sollte er mit den Füßen auf eben jenem Teppich bleiben. Mit einem starken Ordnungsamt, mit ordnungspolitischen Gängeleien, mit Verboten, der zigsten Verordnung, mit Autos im Polizeianstrich kann man eine Stadt sehr wohl verwalten - aber eben nicht gestalten.
Das braucht schon eine ganze Portion mehr. Da sollte Matthias J. von seiner jetzigen Chefin und auch - jawohl - von einigen Stadträten lernen. Und er sollte auch lernen, dass Klientelpolitik zwar kurzfristig Erfolge zeichnen kann. Doch trotz aller Wahlmüdigkeit: Es sind auch heute längst nicht nur Sportvereinsmitglieder, Senioren und Angehörige von Feuerwehren, die bei Kommunalwahlen ihre Stimme an der Urne abgeben. Wer OB werden will, der muss auch jetzt noch die große Mehrheit von sich überzeugen.
Herrn Jendricke wird in diesen Tagen wahrscheinlich ein großer Erfolg in den Schoß gelegt. Er hat den Verstand und die Intelligenz dazu, diese Chance zu begreifen. Ich wünsche ihm und dieser Stadt, dass sich zu diesem Verstand ein Stück mehr Herz hinzugesellt und ein Stück mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen dieser Stadt, die mit seinen Entscheidungen leben müssen.
Gernot N., Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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