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Di, 09:15 Uhr
02.11.2010

nnz-Forum: Unrechtsstaat – ja oder nein?

Unrechtsstaat DDR? Auch unter den Kommentatoren sowie im Forum der nnz wird dazu trefflichst gestritten. Hier die Meinung eines Lesers der nnz..


Zum Anfang möchte ich eines klarstellen: Ich bestreite nicht, dass es im heutigen Deutschland auch Unrecht gibt. Das beweisen allein die vielen Klagen vor dem Verfassungsgericht. Ich frage mich auch, warum es „Verfassungsgericht“ heißt, wenn wir doch immer noch nur ein Grundgesetz haben, über welches das Deutsche Volk bis heute nie abstimmen durfte, wie es Artikel 146 GG eigentlich für eine zu beschließende Verfassung gefordert hat?

Aber darum geht es mir nicht; hier geht es vorrangig um die ehemalige „DDR“! Wenn ich da schon den Satz, den viele der Genossen gern benutzen, höre: „Ja in der DDR gab es Unrecht, aber sie war kein Unrechtsstaat.“ Schon das Wörtchen „ABER“ zeigt, dass diese Genossen nicht bereit sind, konsequent mit der „DDR-Geschichte“ abzurechnen oder sich gar eine persönliche Schuld einzugestehen.

Da gibt es auch immer wieder Personen, die mit dem Einwurf kommen: „In der BRD gibt es auch genug Unrecht!“ Das ist wahrlich nicht zu bestreiten. Dies darf aber nicht dazu benutzt werden, um das Unrecht während der „SED-Zeit“ klein zu reden. Wenn die meisten Genossen der Partei DIE LINKE behaupten, Unrecht sei in der DDR nur in bedauerlichen Einzelfällen gesprochen worden, dann dürfte es ihnen ja nicht schwerfallen, mir die folgenden Fragen zu beantworten.
  • Wie viel Tote (vor allem DDR-Bürger) gab es am „antifaschistischen Schutzwall“ und waren die Toten alle Faschisten oder standen unter dem Einfluss einer faschistischen Ideologie?
  • Wie viel politische Gefangene gab es während der SED-Herrschaft und wurde ihnen wegen ihrer politischen Motive wenigstens eine „Ehrenhaft“ (getrennt von Kriminellen) zugebilligt, wie sie z.B. Karl Liebknecht während des Deutschen Kaiserreichs(!) wegen angeblichen Hochverrats(!) zwei(!) Jahre in der Festung Glatz absitzen musste?
  • Wie viel Gefangene waren es, bei denen das DDR-Recht gebeugt wurde, um aus einem politisch motivierten „Straftäter“ einen Kriminellen zu machen?
  • Hielt sich die DDR-Justiz dabei immer an die von der DDR unterschriebene UNO-Menschenrechtskonvention?
  • Wie viel Berufsverbote gab es?
  • Wie viel Karrieren wurden vernichtet?
  • Wie viel Scheidungen wurden auf Druck der Stasi ausgesprochen?
  • Wie viel Freundschaften wurden zerstört, weil man Spitzeldienste verlangte?
  • Wie viel Reiseverbote – auch innerhalb der „DDR“ – gab es?
  • Wie viel Personen gab es, die sich regelmäßig bei der Abteilung Inneres melden mussten?
  • Wie viele durften den ihnen zugewiesenen Standort nicht verlassen?
Ich habe hier nur elf Punkte aufgeführt, damit sie nicht den Überblick verlieren. Es reicht mir auch völlig aus, wenn sie mir diese Punkte beantworten. Das würde mir zeigen, dass sie sich mit der Angelegenheit beschäftigt haben. Vielleicht bekommen sie dadurch einen Einblick in die Wirklichkeit.

Übrigens, es hilft mir sehr wenig, wenn mir jemand sein Bedauern ausdrückt aber in seinem weiteren Verhalten zeigt, dass es nicht allzu ernst zu nehmen ist. Da verlangt ein Kommentator, „ICH SOLLE MICH NICHT SO WICHTIG NEHMEN.“ Ja, genau das ist es, was sich unsere Politiker wünschen, dass sich niemand „wichtig nimmt“, dass sich alle einfachen Bürger für „arme kleine Würstchen“ halten und sich nicht trauen, die „Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft“ bei ihrem Treiben zu stören. Damit sie weiterhin unsere Steuergelder verschwenden können. Siehe Nentzelsrode, Pferdemarkt, Bücherstube und zu guter Letzt beim Autohof Sundhausen! Diese Beispiele zeigen sehr deutlich, was auch unsere lokalen „Größen“ von der Meinung der Bevölkerung halten.

Im Innenministerium wird über einen neuen Gesetzentwurf diskutiert. Er sieht vor, der Polizei noch mehr Rechte einzuräumen. Dazu schreibt die ARD: „Einem Gesetzentwurf des Innenministeriums zufolge drohen bei einfachem Widerstand gegen Beamte nun bis zu drei Jahre Haft. Widerstand gegen einen Polizisten liegt beispielsweise dann vor, wenn ein Demonstrant sich bei der Festnahme aus dem Griff des Polizisten losreißt, ohne diesen zu verletzen.“ Das Mitbringen von Plakaten und Regenschirmen könnte bei bestimmten Staatsanwälten als unerlaubtes Tragen von Waffen gelten und mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Nun, liebe Sundhäuser, seien sie gewarnt, es könnten gefährliche Zeiten auf sie zukommen.
Harald Buntfuß, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
NDHler
02.11.2010, 09:41 Uhr
Gewalt gegen Polizisten…
Nun, da ich den ersten Teil ihres Beitrages sofort unterschreiben würde, möchte ich aber auch nicht versäumen etwas zu dem von Ihnen angesprochenen Thema „Gewalt gegen Polizisten“ zu sagen. Ich finde schon, dass die Rechte der Polizei gestärkt werden sollten wenn Gewalt gegen sie ausgeübt wird. Wir haben in Deutschland ein sehr liberales Demonstrations- und Versammlungsrecht und da ist es eigentlich vermeidbar, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei kommt.

Voraussetzung ist natürlich, dass beide Seiten den nötigen Respekt für einander mitbringen. Das Leben und die Gesundheit der Polizisten sind genauso schützenswert wie das der Demonstranten. Aber im Gegenteil zu den Demonstranten müssen die Polizisten eingreifen wenn mal wieder einige Chaoten mit Steinen werfen und beginnen zu randalieren.

Dabei begeben sich die Damen und Herren durchaus auch in Lebensgefahr und das bringt eine nicht zu unterschätzende Stresssituation mit sich! Wir sollten immer daran denken das Polizisten auch nur Menschen sind die ja eigentlich nur zum Einsatz kommen wenn mal wieder einige sich nicht an die Spielregeln halten. Das ist leider traurige Realität.
Retupmoc
02.11.2010, 10:59 Uhr
Einseitig
Eine wiederum sehr einseitige Betrachtung von Herrn Buntfuß. Keine Frage...alles was er an Fragen aufführt, ist berechtigt und zeigt eindeutig die Diktatur des SED - Regimes. Dazu braucht man nicht einmal die genauen Zahlen zu kennen.

Nun ändere ich die Fragen aber einmal ab:

Wie viel Tote durch Schüsse von Seiten der BRD gab es am „antifaschistischen Schutzwall“ und waren die Toten alle Kommunitsten oder standen unter dem Einfluss einer kommunistischen Ideologie?

Wie viel politische Gefangene gab es in der BRD vor allem in den später 60ziger Jahren? Wieviele wurden wie Benno Ohnesorg getötet?

Hielt sich die BRD-Justiz dabei immer an die von der UNO-Menschenrechtskonvention? Hält sie sich auh heute daran, wenn in Afghanistan im Schatten der USA Kinder und Frauen getötet werden? Oder sind das nur so nebensächliche Schäden?

Wie viel Berufsverbote in der BRD gibt es? Ist Thilo Sarrazin ein Einzelfall?

Wie viel Karrieren wurden vernichtet? Ist Thilo Sarrazin ein Einzelfall?

Glauben Sie, das der BND keine Spitzel im Einsatz hat?

Waren die Gesetze der DDR nicht zu befolgen? Wenn es soviele Reiseverbote gab, wieso konnte Frau Merkel 1986 in die BRD reisen? Wieviel Menschen haben keine Arbeit?

Um wieviel Prozent betreibt die Regierung eine Fälschung der Arbeitslosenstatistiken?

Wieviele Kinder laufen in diesem Land obdachlos durch die Straßen?

Wieviele Kinder und Frauen sind durch deutsche Soldaten seit 1990 im Ausland getötet worden?

Wieviele Waffen hat die BRD in alle Welt exportiert, mit denen auf der ganzen Welt gemordet und getötet wird?

Wieso werden Rentner und Kinder wie in Stuttgart durch Polizisten niedergeknüppelt und lebensgefährlich verletzt, obwohl sie nachweislich nicht randaliert haben?

Ich höre dann an dieser Stelle auch auf. Meine Meinung bleibt: Die DDR war kein Rechtsstaat in diesem Sinne, das heutige Deutschland allerdings auch nicht. Wir sind leider vom Regen in die Traufe gekommen.
Eckenblitz
02.11.2010, 15:19 Uhr
Polizeigewalt?
Auch kann Ihren Artikel voll und ganz unterschreiben, Herr Buntfuß. Zu den Neuen Gesetzentwurf für Polizeibeamte möchte ich folgendes sagen. Im „Hamburger Abendblatt“ war zu lesen.

Ein Polizei-Insider bezeichnet in der einer Ausgabe des „Hamburger Abendblatt“ Spezialeinheiten als, scharfe Kampfhunde, die, wenn sie bei Demonstrationen von der Leine gelassen werden, ohne Erbarmen zubeißen. Sie würden genau dafür gedrillt und ausgebildet.

Ein anderer Polizist berichtet: „Ich weiß, dass wir bei brisanten Großdemos verdeckt agierende Beamte, die als taktische Provokateure, als vermummte Steinewerfer fungieren, unter die Demonstranten schleusen. Sie werfen auf Befehl Steine oder Flaschen in Richtung der Polizei, damit die dann mit der Räumung beginnen kann.

Nun Frage ich die Politiker, was sie dazu sagen. Die wissen wie immer von nichts, oder antworten mit dummen Phrasen.
Georg66
02.11.2010, 15:58 Uhr
Warum...
in die Ferne schweifen? In Stuttgart sind die Steinewerfer noch mit dem Leben davon gekommen.
In NDH hatte ein Steinewerfer nicht so viel Glück.
Manchmal reicht ein unbedachter Griff in die Jackentasche, um in den Lauf einer Dienstwaffe der Polizei zu blicken.

Ist mir schon mal selber passiert und das ist keine Ente!
Wer bei solchen Dingen überreagiert, hat bei der Polizei nichts zu suchen. Den einfachen Bürger pauschal als Straftäter zu behandeln, kann man nicht gelten lassen.
Außerdem gibt es ein Demonstrationsrecht, welches diese Demokratie garantiert.
WR-NDH
02.11.2010, 16:25 Uhr
Unrechtsstaaten?
Ich sehe das so wie rwe62 und füge folgendes hinzu:
Weder den USA, noch Israel, noch der Bundesrepublik spreche ich ab Rechtsstaaten zu sein. Dennoch wurde und wird dort gegen rechtsstaatliche Regeln verstoßen.

• Die Etablierung Guantanamos sollte in einem Rechtsstaat eigentlich nicht möglich sein
• Die von der US-Regierung angeordneten, zumindest geduldeten Folterungen im Irakkrieg wie z.B. das Waterboarding sollten in einem Rechtsstaat nicht möglich sein
• Die von der US-Regierung im Irak eingesetzten Privatarmeen dürfte es im Rechtsstaat nicht geben
• Murat Kurnaz wurde durch US-Geheimdienstler entführt, verschleppt und über vier Jahre in Guantanamo inhaftiert und gequält, obwohl er unschuldig war. Er wurde während dieser zeit auch von BND-Beamten verhört. Ist das rechtsstaatstypisch?
• Zigtausende Menschen wurden durch Splitterbomben und Landminen verstümmelt, die in Deutschland hergestellt wurden. Verstößt die Produktion und der Verkauf solcher Waffen etwa nicht gegen Prinzipien eines Rechtsstaates?
• Israel baut trotz mehrer Uno-Resolutionen, die das untersagen, Wohnsiedlungen auf palästinensischem Gebiet, macht das ein Rechtsstaat?
• Führende US-Politiker haben öffentlich gefordert zwischen den USA und Mexiko die Grenze so zu gestallten, wie es sie einst zwischen den beiden deutschen Staaten gab.
• Nach einer von Joschka Fischer 2004 in Auftrag gegeben Untersuchung der Verstrickung des Auswärtigen Amtes in die Machenschaften des dritten Reiches, deren Ergebnis jetzt veröffentlicht wurde, hat dass AA seinerzeit aktiv die Judenvernichtung unterstützt. Viele Mitarbeiter des AA, die dabei mitwirkten, waren auch nach 1945 in verantwortlichen Positionen des AA und konnten so die Schandtaten des AA vertuschen. Ist das ein Markenzeichen für einen Rechtsstaat?

Die Beispiele führe ich an um zu zeigen, dass man die DDR nicht so ohne Weiteres als Unrechtsstaat bezeichnen kann, auch wenn dort Unrecht geschah, wie wohl in anderen Ländern auch.
Ich habe allerdings ein gewisses Verständnis für die Betrachtungsweise des Herrn Buntfuß, da er ja unter Ungerechtigkeit in der DDR gelitten hat.

Übrigens kann man die Rechtsstaatlichkeit der DDR nicht einmal so und einmal anders bewerten. Karin Sorkalla aus Colmitz wurde 1998 von der Rehabilitierungsstelle eine Anrechnung ihrer Arbeitslosigkeit bei der Rentenberechnung verweigert, weil sie sich unloyal gegenüber dem Rechtsstaat DDR verhalten habe und deshalb exmatrikuliert wurde. Das ist im ND vom 10.09.2010 nachzulesen.
TeeEff
02.11.2010, 18:56 Uhr
Realismus bitte!
Ich empfehle einigen hier mal eine Relitätscheck und eine objektive Betrachtung der wirklichen UNRECHTSSTAATEN!
In denen täglich im Namen der Herrschenden oder auch nur so zum Spass gemordet, gefoltert, vergewaltigt und schlimmeres wird.

Und nicht nur gegen äußere Feinde Gewalt eingesetzt wird, sondern auch regelmäßig gegen Innere, Andersaussehende, Andersgläubige und Andersdenkende. Es verdeckte Sklaverei, Kinderhandel usw. gibt. Frauen als Eigentum gelten etc.
Ohne das diese Fälle jemals von Gerichten auch nur ansatzweise geprüft werden, oder darüber etwas in der Zeitung steht!

Natürlich sind auch die Demokratien nicht perfekt, aber hier jubelt niemand auf offener Straße wenn bei einem Militäreinsatz Zivilisten getötet wurden und teilt Süßigkeiten aus!
Darüber hinaus haben die Leute meist was zu Essen, sauberes Wasser und ein Dach über dem Kopf und müßen nicht dauernd in Todesangst leben, weil es hier keine marodierenden Banden mit Macheten gibt, die einfach so 100.000de abschlachten.

Demokratie und Fortschritt sind nichts Gottgegebenes, sie wurden von unseren Vorvätern teils blutig erkämpft!
Sie sind auch nicht ewiglich in ihrem Inhalt festgelegt und bei weitem nicht perfekt - aber immer noch besser als alle bekannten anderen Gesellschaftsformen.
Ganz besonders linke, ja kommunistische Ansichten waren bei der Entstehung der liberalen Gesellschaft in der wir heute leben stark beteiligt und haben die schlimmsten Formen des Kapitalismus, wie z.B. in Manchester im frühen 19 Jhd. herrschte stark abgemildet, ja auch erst zur Aufklärung geführt!

Statt so verächtlich darauf zu spucken, sollte man sie lieber schätzen und auch die Freiheiten die es heute gibt schützen und leben!

Und ja, auch Sozialismus ist eine Demokratieform! Eine deren Idee im 20 Jhd. schwer von Machteliten mißbraucht und die Menschen die daran glaubten und sich dafür einsetzten oft zu tiefst betrogen wurden.
All diesen vielen Millionen Menschen ihre erbrachte Lebensleistung mit dem Kampfbegriff "Unrechtsstaat" zu delegitimieren ist echtes Unrecht!
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