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Do, 10:45 Uhr
06.03.2003

Waffen für alle!

Bowling for ColumbineNordhausen (nnz). In amerikanischen Haushalten lagern 250 Millionen Feuerwaffen – ein Milliardengeschäft für die Industrie, das von den Medien tatkräftig angekurbelt wird. Trotz der weltweit höchsten Todesrate von weit über 10.000 „Gun Deaths“ pro Jahr beharren die Amerikaner mit ungebrochener Sturheit auf dem uneingeschränkten Recht auf Waffenbesitz – auch und gerade nach mehreren erschreckenden Schulmassakern.

Gibt es Zusammenhänge von ziviler Gewalt und amerikanischer Außenpolitik, Mediendarstellung und Historie?
Michael Moores Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ versucht ebenso brilliant wie schockierend, aber vor allem höchst unterhaltsam die Waffenversessenheit Amerikas zu erklären.
Farbenfrohe Charaktere präsentieren stolz ihre Waffen und ihr Wissen über das Bauen von Bomben. Die durch die Medien ständig geschürte Angst vor Gewalt führt zur Bewaffnung und zur Überreaktion. Konflikte werden mit dem Finger am Abzug gelöst. Der Film zeigt, wie einfach es für fanatische Spinner in den USA ist, an Massenvernichtungsmittel heranzukommen.

Moores Gespür für Satire und seine unglaubliche Hartnäckigkeit, die Mächtigen mit der hässlichen Wahrheit zu konfrontieren, macht „Bowling for Columbine“ zu einem echten Erlebnis – und lenkt die Diskussion gleichzeitig hin zu den Geschehnissen in Deutschland.

Das Bild vom hochgerüsteten Weltpolizisten als paranoider, blutrünstiger Angstbeißer setzte sich ebenso durch wie die unbehagliche Ahnung, dass die Ausrichtung europäischer Medien nach amerikanischen Erfolgsmustern womöglich doch ursächlich mit Tragödien wie der am Erfurter Gutenberg-Gymnasium zusammenhängt.

In Cannes, wo der Film als Wettbewerbsbeitrag geadelt wurde, traf „Bowling for Columbine“ einen deutlicher denn je freiliegenden anti-amerikanischen Nerv und sorgte mehrfach für Szenenapplaus.

Der besondere Film läuft am Montag, dem 10.03.2003 um 17.00 Uhr und
um 20.15 Uhr im Nordhäuser Kino.
Autor: grabe

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