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Do, 07:09 Uhr
07.10.2010

nnz-Forum: Nachdenken

Denkmal in Weimar (Foto: privat) Denkmal in Weimar (Foto: privat) Leben die Politiker aller politischen Sphären in einer parallelen Welt zu der der "normalen" Bürger? Fast könnte man dieser Meinung sein. Und es muss nicht immer der Blick ins Schwabenland sein, auch in Nordhausen tun sich Welten zwischen zwei Welten auf...


Abriss für „Stuttgart 21“ gestoppt - So lautete gestern die Schlagzeile vieler Medien. Der Baden-Württembergische Ministerpräsident will offenbar die kritische Situation entschärfen. Der Protest vieler Bürger gegen das Projekt geht schon seit Monaten.

Was bedeutet das für Thüringen und den Landkreis Nordhausen? Uns interessiert natürlich, welche Signalwirkung diese Entscheidung der Vernunft für den über 1025-jährigen Ort Sundhausen hat. Sicher eine große, denn wieder einmal mehr zeigt sich, wer eigentlich was bewirken kann in einer Demokratie – wie der unseren.

„Sundhausen will keinen Autohof für Nordhausen auf dieser Fläche!“ – auch nicht, wenn der gegenwärtige Ortsteilrat noch dominiert ist von Mitgliedern, die der Meinung sind, die Sorgen der örtlichen Bevölkerung sollten lieber fern in der Stadt geregelt werden, obwohl viele andere Ortsteilräte ihre Meinung sehr vorsichtig aber doch überaus deutlich wahrnehmbar an die im Ort vorherrschende anpaßten. Denn fast 75 % der Sundhäuser sagen nein!

Von Sundhäusern wurde diese begehrte „Filetstück“ vor hunderten von Jahren urbar gemacht und über lange Zeiten hinweg von Sundhäuser Landwirten bewirtschaftet, gehegt und gepflegt, es gehört zu den fruchtbarsten Böden in Thüringen – der goldenen Aue. Landwirtschaft ist und war schon immer prägend für unser Dorf.

Und genau diese Fläche, die zwischen der Autobahn und dem Ort liegt, soll nun versiegelt werden für 7000 bis 9000 Fahrzeuge, die täglich nur wenige hundert Meter von den Wohnhäusern entfernt an den Ort herangezogen werden sollen - auf einen Autohof an einer Hanglage !

„Die Stadt Nordhausen verfolgt mit der Aufstellung des Bebauungsplanes das Ziel, die Ansiedlungsmöglichkeiten für einen zeitgemäßen „Autohof“ zu schaffen und somit die infrastrukturelle Lage sowie die Versorgungssituation an der Autobahn und im strukturschwachen Nordthüringer Raum wesentlich zu verbessern. Auch ist es ein Planungsziel durch planungsrechtliche Rahmenbedingungen eine langfristige Investitionssicherheit zu erreichen. Darüber hinaus soll der „Autohof“ als bauliche Anlage in der Lage sein, den Anbindepunkt der Stadt Nordhausen an die A 38 in der Funktion „Aushängeschild“ optisch entsprechend zu repräsentieren“ (Pkt. 2.2.2. Bebauungsplan Nr. 88 „Autohof“ (OT Sundhausen) Entwurf)

Hat es die im Mittelalter stolze ehemalige „Freie Reichsstadt“ Nordhausen wirklich nötig, sich heute mit einem derartigen „Aushängeschild“ zu repräsentieren. Mit einem Aushängeschild auf dem 200 Lkw, 180 Pkw, zwei Tankstellen, Kinderhort neben Erotik-Artikelmarkt mit Peep-Show und Erlebnistanzbar (präzisiert als Stangentanzbar), Entertainment-Center mit 8 Konzessionen incl. Billard- u. Dartcafe, Bowlinganlage + Cafe stehen ? ... Mit einem Aushängeschild, das ein ganzes Dorf seines Charakters entwürdigt und beraubt ? Haben wir dieses insbesondere im Lichte dessen nötig, da andere Standortalternativen vorhanden sind ?

Befährt man eine andere Thüringer Autobahn, die BAB 4, so ist an der Abfahrt Weimar auch ein Aushängeschild zu sehen, auf dem steht „Autobahnkirche Gelmeroda.“ Gelmeroda liegt ähnlich weit entfernt von der Autobahn wie Sundhausen, man durchfährt den Ort, bevor man in d e n Ort Thüringer Geistes- und Kulturgeschichte fährt, den Ort Herders, Luthers, Melanchtons, Goehtes, Schillers ... .

Ob es auch in Weimar schon einmal Überlegungen gegeben haben könnte, einen Autohof als „Aushängeschild“ für die Stadt, in welcher sich Deutschland die erste Demokratische Verfassung gab, nach der sich die Weimarer Republik benannte, dem kleinen Ort Gelmeroda direkt vor die Nase zu setzen ? Oder hätte man vielleicht eine Peep-Show und Erlebnistanzbar direkt vor den Ort Gelmeroda ... ? In Weimar würde man sicher Standort-Alternativen suchen und finden – für einen notwendigen Autohof der eigentlich nur den Kraftfahrern als Ort der Ruhe, der Stärkung und der Erholung dienen soll.

Weimar ist nicht weit und von Weimar und dem wunderschönen Weimarer Land mit seinen Dörfern kann man vieles lernen über christlich-abendländische Wertvorstellungen und Traditionen, über Lebensgewohnheiten der Menschen, vor allem auch über Demokratie und Bürgerwillen, nicht umsonst hat auch in Weimar der Thüringer Verfassungsgerichtshof seinen Sitz – nur wenige Fußminuten vom Nationaltheater mit dem wohl bekanntesten Standbild Thüringens mit Deutschlands beiden großen Dichtern und Denkern entfernt.

In Sundhausen lädt die Bürgerinitiative immer Donnerstags um 18:30 Uhr vor die heimische Kirche ein, um gemeinsam zu ermahnen, den Willen der Bürger des Ortes zu achten, den Ort zu respektieren. Keiner der Bürger versteht sich als Verhinderer oder will Gewinner sein oder jemand anders zum Verlierer werden lassen. Die Sundhäuser möchten verändern – und Veränderungen beginnen in den Gedanken der Menschen. Sundhausen möchte den Standort für den - für die Region wichtigen - Autohof ändern.
Die Bürgerinitiative
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
teamplayer
07.10.2010, 08:03 Uhr
Langsam nervt das Thema!
Liebe Sundhäuser, ich respektiere eure Sorgen, aber ehrlich gesagt, geht mir das Thema als Nordhäuser inzwischen nur noch auf den Geist. Ich warte schon auf die ersten Wasserwerfer- und Pfeffersprayaktivisten aus ganz Deutschland, die sich auf dem Acker zum Protest vereinen, wenn die Planierraupen anrücken.
Seht es sportlich (und demokratisch): der Autohof wird kommen, alles andere wäre ein Witz!
Retupmoc
07.10.2010, 10:40 Uhr
Nostradamus?
Mir geht das nicht auf die Nerven. Weiter so, ihr Sundhäuser. Man kann den Autohof verhindern. Man muss nur den Mut und die Kraft haben das durchzuziehen. Leute wie der Teamplayer können sich die LKW ja vor die Haustür stellen und wenn an seinem Haus noch eine Kletterwand mit Musikbeschallung gebaut wird ... dann schreit er Hurra !

Und Sundhäuser ...sollte der Autohof kommen: Ich hoffe, Ihr wisst bei der nächsten Wahl noch, wer Euch das eingebrockt hat ?
diphileo
07.10.2010, 11:58 Uhr
Keineswegs demokratisch
ist es, denn 75% der Sundhäuser haben auf Unterschriftenlisten dagegen votiert. Das wurde vom Ortsteilrat ignoriert und die Quittung dafür werden sie spätestens bei der nächsten Wahl bekommen.
Ein Autohof soll entstehen, aber nicht in einer Ortsnähe. Die Gründe hierfür sind hinreichend bekannt.

Leider geht das Thema manchen Nordhäuser auf den Geist. so wie dem teamplayer. 'Hauptsache der Autohof entsteht nicht vor meiner Tür, alles andere ist mir egal' - das scheint wohl der Grundsatz zu sein. Das ist schade. Es zeigt wieviel Werte in unserer Gesellschaft bereits verloren gegangen sind.
Die goldene Regel - so bezeichnet man den Grundsatz der praktischen Ethik - wird und wurde angewandt von klugen Leuten aus Politik, Philosophie, Religion sowie humanistischen Vereinigungen. Dazu gehören Konfuzius, Kant, Kennedy, Gorbatschow und viele mehr.
Sie lautet im übertragenem Sinn: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem andern zu...
oder bei Konfuzius: Was man selbst nicht wünscht, das tu man anderen nicht an. Wir hoffen, daß die Stadträte das nötige Einfühlungsvermögen haben, sich in die Lage der Sundhäuser Bürger zu versetzen. Wir hoffen, daß eine Entscheidung getroffen wird, die nicht vom Geld bestimmt ist, sondern von moralischen Werten, über die gewählte Vertreter des Volkes verfügen sollten.
NDHler
07.10.2010, 12:47 Uhr
Nicht das Thema nervt...
Der geplante Autohof steht vor keiner Haustür und ist ausreichend vom Ort entfernt. Die LKW Stellplätz stehen entlang der Autobahn und die der Kühllaster hinter separaten Lärmschutzwänden. Der Autohof wird niemanden stören bzw. belästigen. Nicht das Thema nervt mich, sondern die ständig falschen und übertrieben negativ dargestellten Fakten.
Totofino
07.10.2010, 13:33 Uhr
Einladung für heute abend
wenn jemand sagt es nervt, den kann ich irgendwo verstehen, ich bitte aber auch um Verständnis für die Sundhäuser und lade heute abend alle 18.30 Uhr vor die Kirche nach Sundhausen ein, wo wir Gedanken austauschen können, danach schauen wir uns den Standort einmal an, vieleicht ändern dann einige ihre Meinung. Und wer nur aus der Ferne urteilt sollte sich lieber enthalten.

MfG
Alberdt
07.10.2010, 23:41 Uhr
Hallo NDHler,
Ich sehe, sie haben sich mit dem Thema Autohof beschäftigt. Ich kam auch nicht umhin, einmal einen Einblick in den Bebauungsplan Nr. 88 „Autohof“ zu nehmen. Kennen Sie diesen ? Auch die Fläche, wo dieser Autohof oder sollte ich schreiben, das Gewerbegebiet entstehen soll, ist mir bekannt.
Was mich aber doch wundert, ist die Tatsache warum man nun darüber nachdenkt, Lärmschutzwände einzuplanen und sogar über eine Kühlung per Strom für Kühllaster nachzudenken, denn

„ Durch den Bebauungsplan Nr.88 Autohof (OT Sundhausen) der Stadt Nordhausen werden die Belange der benachbarten Gemeinden nicht tangiert.“ (Bebauungsplan Nr.88 Autohof (OT Sundhausen))

Und auch ihrer Meinung nach wird ja niemand gestört. Warum sind die Stellplätze für Laster direkt an der Autobahn - weg vom Ort, wo doch der Autohof vor keiner Haustür steht. Haben sie mal darüber nachgedacht, daß dann aber auch noch 180 PKW Stellplätze vorgesehen sind - noch näher am Ort. Was das in der Nähe eines Fastfood-Betriebes bedeutet, hat sicherlich jeder schon einmal erlebt. Diese Parkplätze werden gut besucht sein. Dort läßt man gerne mal die Motoren laufen und sich mit lauter Musik beschallen.

So, nun zur Bebauung des Autohofareals. „ ... Und oben auf der Dorfseite bauen wir Gebäude, die quasi einen Schallschutz bieten.“ (Aussage von Claudius Hasebrink vom 15.09.2010) Diese Aussage finde ich doch sehr vage, wo doch folgendes im Bebauungsplan steht:

„Ziel der Planung ist es u.a., dem Bauherrn einen größtmöglichen Gestaltungs- und Nutzungsspielraum in dem Plangebiet zu gewähren. Dieser Tenor sollte auch bei einer evtl. Befreiung gemäß § 31 BauGB Berücksichtigung finden.“

„In dem Gewerbegebiet wurde aus funktionalen Gründen keine Bauweise festgesetzt. Diese Maßnahme ist auch gerechtfertigt, da Gestaltungsziele einer solchen Festsetzung mit den gewählten Nutzungsarten nicht vereinbar sind und keine städtebauliche Notwendigkeit für diese Festsetzung besteht.“

„Die überbaubaren Grundstücksflächen im Plangebiet sind relativ großzügig mittels Baugrenzen flächig festgesetzt worden, um dem Bauherrn und Architekten einen größeren Handlungs- und Gestaltungsspielraum hinsichtlich des Grundrisses und der Wahl des Standortes einzuräumen. Es ist außerdem erwünscht, dass die Gebäude in jeder beliebigen Stellung errichtet werden können. Durch diese Festsetzung wird eine große Flexibilität bei der Bebauung und somit eine größere Effizienz im Plangebiet erreicht.“ (Bebauungsplan Nr.88 Autohof (OT Sundhausen))

Ich weiß nicht, wie sie es sehen, aber ich würde sagen alles ist zu jeder Zeit erlaubt. Was kann da nicht alles angesiedelt werden, was zusätzlichen Lärm erzeugt, vielleicht eine Discothek. Nehmen wir aber nun einmal das Beste an und behaupten der Autohoflärm wird Sundhausen nie erreichen, geschützt durch die recht „zweifelhafte“ Bebauung.

Was ist dann mit der Zufahrts- und Abfahrtsstraße des Autohofes, welche genau zwischen dieser Bebauung und dem Ort liegt und das auch noch mit einem Anstieg. Ich denke eine Frequentierung von 7000- 9000 Fahrzeugen pro Tag wäre möglich, wobei sicherlich niemand abschätzen kann, wieviel es in 5, 10, 15 ... Jahren wirklich sein werden.

Ich habe mir einmal an einem Vormittag 10 Minuten Zeit auf dem Sangerhäuser Autohof genommen und 50 Fahrzeuge gezählt, welche die Zufahrt zum Autohof genutzt haben, und dort ist das Angebot an Unterhaltung bei weitem nicht so groß, wie in Sundhausen geplant. Warum sind sie der Meinung, die von den Sundhäusern aufgeführten Fakten sind falsch und übertrieben negativ ? Sind sie Hellseher ? Wissen sie vielleicht schon was in den nächsten Jahren dort angesiedelt werden wird ? Wie sich der Güterverkehr entwickelt ? Wie sich Nordhausen entwickelt ?

Ich bin der Meinung, die Auswirkungen dieses Autohofes sind für die Zukunft weder abzusehen noch zu planen.
Warum sagen die Verantwortlichen in der Stadt Nordhausen nicht einfach auch NEIN zum Autohofstandort Sundhausen und wir alle könnten das Thema beenden. Auch würden dann sicher viele Sundhäuser wieder ruhiger schlafen.

MfG
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