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Di, 19:18 Uhr
22.06.2010

Restriktiver

Bei Funden von Bomben-Blindgängern im Stadtgebiet von Nordhausen müssen sich die Nordhäuser künftig aus Sicherheitsgründen auf restriktivere Maßnahmen einstellen. Das ist das Ergebnis eines Auswertungstreffens zu vergangenen Blindgängerfunden, zu dem die Nordhäuser Berufsfeuerwehr heute die Beteiligten von Evakuierungsmaßnahmen eingeladen hatte, um die neuen Einsatzpläne vorzustellen...

Zünder (Foto: P. Grabe) Zünder (Foto: P. Grabe)
Sprengmeister Andreas West (rechts) mit Beispielen für Säurezündern, die er beim Auswertungsterffen bei der Nordhäuser Berufsfeuerwehr präsentierte. Zwei Bomben mit diesen Zündern wurden auch in Nordhausen gefunden. Foto: Patrick Grabe, Pressestelle Stadt Nordhausen

Der letzte Blindgänger war im April gefunden worden. Nordhausen ist die Stadt in Thüringen, die von Bomben im zweiten Weltkrieg am meisten zerstört wurde. Die gesamte Innenstadt lag in Schutt und Asche. Die Stadt war am 22. Februar, am 3. und am 4. April 1945 bombardiert worden. Zugleich ergeben sich neue Vorgehensweisen aus der unkontrollierten Explosion eins Blindgängers in Göttingen vor wenigen Wochen.

Andreas West, Sprengmeister beim für Nordhausen zuständigen Kampfmittelräumdienst Tauber, kündigte an, dass beim Fund von Blindgängern mit zeitverzögerten Zündern – zum Beispiel Säurezündern wie in Göttingen - die Wahrscheinlichkeit einer Sprengung am Fundort deutlich steigen wird. „Wenn wir davon ausgehen müssen, dass die Bombe nach dem Auffinden bewegt wurde oder eine Entschärfung mit herkömmlichen Mitteln nicht möglich ist, ohne die Bombe zu bewegen, wird es eine Sprengung vor Ort geben müssen“, so West. Der Faktor Zeit spiele dabei ebenfalls eine größere Rolle: „Bei einer solchen Bombe bleiben maximal vier Stunden – dann kann sie alleine und unkontrolliert explodieren. Bis dahin müssen wir gehandelt haben.“

Der Evakuierungsradius werde in diesen Fällen mindestens 1000 Meter betragen, und es sei durch die Sprengung auch mit Schäden an den Gebäuden zu rechnen – trotz der bestmöglichen Sicherung des Fundortes durch Strohballen und ähnliche Schutzmittel. Die größten Schäden würden durch die Druckwelle entstehen. Auch Schäden durch Bombensplitter müssten selbst in weiter Entfernung einkalkuliert werden. So seien bei der ungewollten Explosion in Göttingen noch in 750 Meter Entfernung Splitter eingeschlagen – über Bäume und Häuser hinweg. Zugleich werde die Evakuierung zügig von statten gehen müssen – im Maximalfall blieben lediglich vier Stunden. Dass Bomben mit Säurezündern auch in Nordhausen gefunden würden, sei nicht auszuschließen. „Zumal in den 70-iger Jahren bereits zwei gefunden wurden.“

Beim Treffen bei der Berufsfeuerwehr hatte West auch Zahlen präsentiert: „In Nordhausen sind insgesamt 6902 Bomben gefallen. Es ist aufgrund der bisherigen Statistiken davon auszugehen, dass es damit 1035 Blindgänger gibt. Von denen sind nach bisherigen Rechnung 339 aufgefunden wurden. Daraus ergibt sich, von wie viel Blindgängern noch auszugehen ist.“ Eine systematische Absuche des Stadtgebietes sei allerdings nicht möglich.

In den kommenden Wochen werde man gemeinsam mit der Stadtverwaltung aufgrund von Kartenmaterial allerdings Hochrisikogebiete für wahrscheinliche Blindgänger festlegen. „Und in diesen Bereichen werden die Auflagen für die Bauherren deutlich strenger werden, was deren Pflicht betrifft, vor Baubeginn den Baugrund von einer entsprechenden Spezialfirma nach Fundmunition abzusuchen bzw. die Bauarbeiten durch Spezialfirmen zu begleiten“, kündigte Bürgermeister Matthias Jendricke an. Sprengmeister West wiederum appellierte an die Bauherren bzw. die Baumschienenführer: „Melden sie den Fund sofort und geben sie auch an, ob und wann die Bombe bewegt wurde!“

Eine weitere Konsequenz aus dem Göttinger Unfall: Egal, um welchen Typ Blindgänger es sich handelt, wird im Umkreis von 100 Meter um den Fundort sofort nach dem Auffinden mit der Evakuierung begonnen. Bisher, so Bürgermeister Jendricke, habe man nach der Absperrung des Fundorts auf das Eintreffen des Kampfmittelräumdienstes nach etwa einer halben Stunde gewartet, um Entscheidungen zum Evakuierungsradius zu treffen. „Das geht jetzt nicht mehr. Alle Gebäude im 100-Meter-Radius werden geräumt – sofort!“

Eine härtere Gangart werde es prinzipiell bei Evakuierungen geben – wenn nötig auch durch die Verhängung von finanziellen Sanktionen bei Evakuierungsverweigerern bzw. durch den Einsatz von Zwangsmaßnahmen „Es kann nicht sein, dass einige Uneinsichtige die gesamte Entschärfung zum Erliegen- und damit andere Menschen in Gefahr bringen. Und es ist schon gar nicht zu dulden, wenn eine Bombe mit Säurezünder gefunden wird, und einige Menschen denken: Geht mich doch nichts an. Ich bleibe zu Hause. Dann werden wir die Bewohner mit Zwang aus den Wohnungen holen. Die rechtlichen Möglichkeiten haben wir“, so der Bürgermeister.
Autor: nnz

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