Mo, 12:57 Uhr
21.06.2010
Die Nummer 13
Am kommenden Wochenende treffen sich Literaturfreunde wieder in Limlingerode. Dann ist die Zeit für die traditionellen Diskurse gekommen. es ist die 13. Ausgabe, wie Heidelore Kneffel zu berichten weiß...
Die Diskurse beginnen an beiden Tagen um 10.00 Uhr. Das Ende liegt in den Nachmittagstunden. Am ersten Tag wird auch der Dichterweg Grüner Junipfad erwandert, auf dem am See Lyrik erklingt. Am Samstag liest Nancy Hünger, 1981 in Weimar geboren, die als freie Autorin in Erfurt lebt. Sie studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar Freie Kunst und wandte sich dann vor allem der Literatur zu..
Von ihr erschienen die Bände Aus blassen Fasern Wirklichkeit, 2006, Gedichte, Deshalb die Vögel, 2009, Gedichte und Prosaskizzen, in der edition AZUR, Dresden, außerdem das Hörbuch 2009 Aus einem erfundenen Land, wo die ausdrucksschöne Stimme der Autorin zu vernehmen ist. Auch in Anthologien und Zeitschriften wie Sinn und Form und Palmbaum erschienen Werke von ihr.
In jedem Jahr vergibt die Hermann-Lenz-Stiftung ein Stipendien an begabte junge Autoren und Literaturwissenschaftler. Im Herbst 2008 wurde es an Nancy Hünger verliehen. Sie ist mit ihrer Lyrik und Kurzprosa sehr gefragt.
Wulf Kirsten, der Dichter aus Weimar, ist von dieser lyrischen Stimme überzeugt: Sie fragt sich, prüft sich, forscht sich aus, um zu erfahren, wer sie ist, was in ihr steckt an eigener originärer Stimmkraft. Wenn sie sich dabei in Sprache setzt, zeigt sie, was sie unter Poesie versteht und was sie vielmehr gerade nicht als solche anerkennt. Sie will partout nicht auf Vorgänger fußen, also Nachtreterin sein.
In Limlingerode wird Nancy Hünger von Helge Pfannenschmidt, Jahrgang 1974, vorgestellt. Seit März 2005 ist er Herausgeber der edition Azur, die seit Januar 2009 in Dresden auch formal ein eigenständiger Verlag ist.
In der HausART stellt der Grafiker und Maler Dieter Goltzsche aus, der Sarah Kirsch seit ihrem Leben in Berlin Ost kennt und ihren berühmten Gedichtband Zaubersprüche und den Prosaband Sommerhütchen mit Grafiken gestaltete.
Er wurde 1934 in Dresden geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer, bei letzterem wurde er Meisterschüler und lebt seit den späten 1950er Jahren in Berlin. Von 1980 an war er Dozent für Graphik an der Kunsthochschule Weißensee in Ostberlin. Er besaß zwischen 1992 und 2000 dort eine Professur und ist seit 1990 Mitglied der Berliner Akademie der Künste, wohin er einen Teil seines Vorlasses gegeben hat.
Goltzsche blickt auf ein fünfzigjähriges künstlerisches Schaffen zurück, das sich im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit darstellt. Sensibilität im Umgang mit der Linie und Farbe und Formbewusstsein zeichnen ihn aus, gleichfalls die Fähigkeit zum Wandel.Aber zuletzt wird die Form selbst zum Erlebnis., so seine Worte. In Limlingerode zeigt er vor allem Zeichnungen zur Lyrik..
Als historische Dichterpersönlichkeit wird am Sonntag Erich Arendt, aus Neuruppin stammend, vorgestellt, der mit seiner Dichtkunst eine ganz eigene Stellung in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einnimmt. Seine Sprache übt eine außergewöhnliche Suggestion aus.
In Limlingerode wird er von Hendrik Röder, Jahrgang 1964, vorgestellt, der Geschäfts-stellenleiter am Brandenburgischen Literaturbüro in Potsdam ist. Er studierte Germanistik und Kunsterziehung. Als freier Mitarbeiter schreibt er für mehrere Zeitungen. Er ist der Herausgeber des Bandes Vagant, der ich bin. Erich Arendt zum 90. Geburtstag, erschienen in der Januspress.
Arendts erste Gedichte erschienen 1925 und waren dem Expressionismus verpflichtet. Von 1928 bis 1933 war er Lehrer an einer reformpädagogischen Schule in Berlin-Neuköln. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei, trat aber später nicht der SED bei. Mit seiner Frau Katja emigrierten er bereits 1933 in die Schweiz, dann nach Spanien, wo kriegerische Zeiten herrschten, weiter nach Frankreich und Kolumbien. Im Sommer 1950 kehrten sie nach Europa zurück, entschieden sich für die DDR und lebten in Ostberlin am Prenzlauer Berg.
Nach der Übersiedlung des Dichters Peter Huchel in die BRD wohnte Arendt seit 1971 auch in dessen Haus in Wilhelmshorst. Sein Grab befindet sich auf dem berühmten Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.
Arendt brachte Welterfahrung für die um 1935 geborenen Autoren aus Berlin, Leipzig, Dresden, Halle. Er war ein Beispiel dafür, dass auf Autoren und Künstler die Welt von allen Seiten einströmen sollte. Durch ihn, der spanisch schreibende Autoren sehr einfühlsam ins Deutsche übertrug, allen voran Pablo Neruda, erfuhr die nachwachsende Dichtergeneration, wie befördernd sich das Nachdichten auf das eigene Schreiben auswirken kann.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzDie Diskurse beginnen an beiden Tagen um 10.00 Uhr. Das Ende liegt in den Nachmittagstunden. Am ersten Tag wird auch der Dichterweg Grüner Junipfad erwandert, auf dem am See Lyrik erklingt. Am Samstag liest Nancy Hünger, 1981 in Weimar geboren, die als freie Autorin in Erfurt lebt. Sie studierte an der Bauhaus-Universität in Weimar Freie Kunst und wandte sich dann vor allem der Literatur zu..
Von ihr erschienen die Bände Aus blassen Fasern Wirklichkeit, 2006, Gedichte, Deshalb die Vögel, 2009, Gedichte und Prosaskizzen, in der edition AZUR, Dresden, außerdem das Hörbuch 2009 Aus einem erfundenen Land, wo die ausdrucksschöne Stimme der Autorin zu vernehmen ist. Auch in Anthologien und Zeitschriften wie Sinn und Form und Palmbaum erschienen Werke von ihr.
In jedem Jahr vergibt die Hermann-Lenz-Stiftung ein Stipendien an begabte junge Autoren und Literaturwissenschaftler. Im Herbst 2008 wurde es an Nancy Hünger verliehen. Sie ist mit ihrer Lyrik und Kurzprosa sehr gefragt.
Wulf Kirsten, der Dichter aus Weimar, ist von dieser lyrischen Stimme überzeugt: Sie fragt sich, prüft sich, forscht sich aus, um zu erfahren, wer sie ist, was in ihr steckt an eigener originärer Stimmkraft. Wenn sie sich dabei in Sprache setzt, zeigt sie, was sie unter Poesie versteht und was sie vielmehr gerade nicht als solche anerkennt. Sie will partout nicht auf Vorgänger fußen, also Nachtreterin sein.
In Limlingerode wird Nancy Hünger von Helge Pfannenschmidt, Jahrgang 1974, vorgestellt. Seit März 2005 ist er Herausgeber der edition Azur, die seit Januar 2009 in Dresden auch formal ein eigenständiger Verlag ist.
In der HausART stellt der Grafiker und Maler Dieter Goltzsche aus, der Sarah Kirsch seit ihrem Leben in Berlin Ost kennt und ihren berühmten Gedichtband Zaubersprüche und den Prosaband Sommerhütchen mit Grafiken gestaltete.
Er wurde 1934 in Dresden geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Hans Theo Richter und Max Schwimmer, bei letzterem wurde er Meisterschüler und lebt seit den späten 1950er Jahren in Berlin. Von 1980 an war er Dozent für Graphik an der Kunsthochschule Weißensee in Ostberlin. Er besaß zwischen 1992 und 2000 dort eine Professur und ist seit 1990 Mitglied der Berliner Akademie der Künste, wohin er einen Teil seines Vorlasses gegeben hat.
Goltzsche blickt auf ein fünfzigjähriges künstlerisches Schaffen zurück, das sich im Grenzbereich zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit darstellt. Sensibilität im Umgang mit der Linie und Farbe und Formbewusstsein zeichnen ihn aus, gleichfalls die Fähigkeit zum Wandel.Aber zuletzt wird die Form selbst zum Erlebnis., so seine Worte. In Limlingerode zeigt er vor allem Zeichnungen zur Lyrik..
Als historische Dichterpersönlichkeit wird am Sonntag Erich Arendt, aus Neuruppin stammend, vorgestellt, der mit seiner Dichtkunst eine ganz eigene Stellung in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einnimmt. Seine Sprache übt eine außergewöhnliche Suggestion aus.
In Limlingerode wird er von Hendrik Röder, Jahrgang 1964, vorgestellt, der Geschäfts-stellenleiter am Brandenburgischen Literaturbüro in Potsdam ist. Er studierte Germanistik und Kunsterziehung. Als freier Mitarbeiter schreibt er für mehrere Zeitungen. Er ist der Herausgeber des Bandes Vagant, der ich bin. Erich Arendt zum 90. Geburtstag, erschienen in der Januspress.
Arendts erste Gedichte erschienen 1925 und waren dem Expressionismus verpflichtet. Von 1928 bis 1933 war er Lehrer an einer reformpädagogischen Schule in Berlin-Neuköln. Er war Mitglied der Kommunistischen Partei, trat aber später nicht der SED bei. Mit seiner Frau Katja emigrierten er bereits 1933 in die Schweiz, dann nach Spanien, wo kriegerische Zeiten herrschten, weiter nach Frankreich und Kolumbien. Im Sommer 1950 kehrten sie nach Europa zurück, entschieden sich für die DDR und lebten in Ostberlin am Prenzlauer Berg.
Nach der Übersiedlung des Dichters Peter Huchel in die BRD wohnte Arendt seit 1971 auch in dessen Haus in Wilhelmshorst. Sein Grab befindet sich auf dem berühmten Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.
Arendt brachte Welterfahrung für die um 1935 geborenen Autoren aus Berlin, Leipzig, Dresden, Halle. Er war ein Beispiel dafür, dass auf Autoren und Künstler die Welt von allen Seiten einströmen sollte. Durch ihn, der spanisch schreibende Autoren sehr einfühlsam ins Deutsche übertrug, allen voran Pablo Neruda, erfuhr die nachwachsende Dichtergeneration, wie befördernd sich das Nachdichten auf das eigene Schreiben auswirken kann.
Heidelore Kneffel



