Mo, 15:18 Uhr
20.01.2003
Gegen einen Krieg!
Nordhausen (nnz). Auch in Nordhausen machen Parteien, Vereine und Privatpersonen mobil. Sie wollen einen Krieg verhindern. Mit Aktionen und mit Worten. Dazu eine Betrachtung von Pfarrer Peter Kube in der nnz.
Essen wie im Irak ?
Ein eigenartiges Motto in dieser Zeit. Alle fühlen, reden, spüren die Bedrohung, die ein scheinbar fix und fertig geplanter Krieg mit sich bringt. Friedensaktivisten reisen in die Konfliktzone, wollen lebendes Schutzschild für die Zivilbevölkerung sein, große Demonstrationszüge in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Friedensdeklarationen...
Essen wie im Irak?
Wir denken gleichzeitig an die vielen Opfer der Embargopolitik gegenüber dem Irak, die nicht den Diktator traf (dieser ist immer versorgt, solange er die Fäden zieht), sondern vermutlich Hunderttausende von Opfern kostete: Frauen, Kinder, ethnische und religiöse Minderheiten... Und manche würden sich mehr als freuen, wenn es im Irak eine Veränderung gibt. Weg von einer Diktatur, aber nicht in die Arme derer, die Irak als billigen Rohstofflieferanten verbuchen wollen. Irak braucht freiheitliche, friedensförderliche und gerechte Wirtschaftsbeziehungen. Im Land ebenso wie mit Amerika, Europa und den Nachbarländern.
Und wir essen, als wäre das ein Fest!?
Wir tun das, weil wir den Menschen begegnen möchten, die aus dem Irak gekommen sind, die flüchteten vor Kriegsgefahr und Repression. Wir erfuhren, dass sie große Freude daran haben, uns bei einem gemeinsamen Essen zu erzählen, wie es ihnen ergeht. Wir beruhigen uns nicht damit, dass die Bundesregierung eine Beteiligung an einem Krieg ausschließt. Darauf verlassen wir uns nicht, unterstützen aber diese Haltung.
Es sind so viele Menschen hier – manchen ist es ein Anliegen zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die keinen Krieg wollen. Andere sind einfach Gäste unserer wunderbar kochenden Gäste.
Wir möchten allen sagen: Helft mit, dass auch im Irak ein Krieg nicht als falsche Antwort auf die Bedrohung durch den Diktator und seine Helfer zur Anwendung kommt. Wer ein Regime hochrüstet und zur Bedrohung aufbaut, der muss Wege zur Kriegsabwendung finden, die millionenfaches Töten ausschließen wollen.
Es war genau der Tag, an dem wir vor 12 Jahren in Nordhausen zu Friedensgebeten, Mahnwachen, Lichterketten zusammenkamen, um gegen den Golfkrieg zu demonstrieren. Weiße Kreuze neben der Blasii-Kirche symbolisierten den unsinnigen Tod vieler Soldaten, weiße Tücher hingen am Gotteshaus und bekundeten den Protest gegen eine deutsche Beteiligung am Krieg (um Erdöl). Eine kleine Gruppe fuhr nach Bonn zur Friedensdemo, überbrachte eine lange Unterschriftenliste... Damals, als am 17. Januar 1991 der Golfkrieg begann, war uns klar, dass die Probleme in der Golfregion nicht kriegerisch zu beenden sind. Das hat sich bestätigt.
Wir waren nicht blauäugige Pazifisten!
Was tun wir heute?
Wo sind all die Friedensbewegten?
Verlassen wir uns auf die Entscheidung der Bundesregierung – keine Beteiligung!?
Im Landkreis leben Menschen aus dem Irak, Flüchtlinge. Die Räume des MUBEN waren zu eng. Irgendwie schoben wir uns zusammen, saßen dicht gedrängt. Für manches Gespräch waren die Stehplätze besser. Und die Raucher standen eh draußen. Arabisch, Englisch und Russisch waren die meistgebrauchten Sprachen. Übersetzer aus dem Arabischen waren rar. Aber es gab einige wesentliche Impulse aus der Gruppe irakischer Gäste. Einige Reden, Statements, Diskussionen: Ihnen war gemeinsam, dass sie Sorge haben, was in ihrer Heimat passieren wird.
Befürchtungen wurden laut, die einen Bürgerkrieg ahnen, wenn die Unklarheit bleibt. Und bleibt Saddam, dann kann er wohl noch Stärke demonstrieren. Aber mit seinen unsinnigen Kriegen (Iran, Kuweit, gegen Kurden im Land und ...), die ein großes Reich unter seiner Führung zum Ziel hatten, stürzt er die Region in einen Strudel der inneren Konflikte... Ob jedoch ein amerikanisches Eingreifen besser ist, das muss sehr bezweifelt werden, sagten sie. Es besteht eine Ratlosigkeit und doch eine kleine Hoffnung, es könnte bald eine Zeit nach Saddam geben. Aber wird sie wie in Jugoslawien aussehen, als viele neue (Ver)Führer auftauchten und die ethnischen und religiösen Traditionen in ihre Machtansprüche einbauten? Werden sich die Menschen verständigen können? Große Skepsis bei meinen Gesprächspartnern. Zu lange hat ein Mann geherrscht, seine Herrschaft allgegenwärtig abbilden lassen, große Teile des Volkes auf seinen Kurs eingeschworen.
Eine Familie aus Bagdad. Sie haben die Heimat verlassen. Für Christen (die Saddam vor Jahren noch stärker in sein Gefüge einbeziehen wollte) wird es immer enger. In Deutschland kamen sie an und fühlten sich ausgegrenzt, abgeschoben in eine ehemalige Kaserne der NVA. Heute erlebten sie erstmalig wieder eine recht befreiende Atmosphäre. Ungezwungen reden können...
Wir brauchen die Möglichkeiten des Austausches, immer wissen wir zu wenig und sollten neugierig sein auf die Gespräche, die manchmal authentischer sind als Nachrichtensendungen. Menschliche Begegnung, sie bereichert ohne Ausbeutung und Benachteiligung. Es war ein Anfang, wieder ein Anfang mit neuen Bewohnern unseres Landkreises! Und unsere Fragen um die Lösung der Probleme verbinden sich mit ihren Empfindungen und Sorgen, wenn sie an die Menschen in ihrer Heimat denken.
Werden wir demonstrieren, Gebete sprechen, Zeichen der Friedenswilligkeit und -fähigkeit finden und darstellen?
Peter Kube
Autor: nnzEssen wie im Irak ?
Ein eigenartiges Motto in dieser Zeit. Alle fühlen, reden, spüren die Bedrohung, die ein scheinbar fix und fertig geplanter Krieg mit sich bringt. Friedensaktivisten reisen in die Konfliktzone, wollen lebendes Schutzschild für die Zivilbevölkerung sein, große Demonstrationszüge in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Friedensdeklarationen...
Essen wie im Irak?
Wir denken gleichzeitig an die vielen Opfer der Embargopolitik gegenüber dem Irak, die nicht den Diktator traf (dieser ist immer versorgt, solange er die Fäden zieht), sondern vermutlich Hunderttausende von Opfern kostete: Frauen, Kinder, ethnische und religiöse Minderheiten... Und manche würden sich mehr als freuen, wenn es im Irak eine Veränderung gibt. Weg von einer Diktatur, aber nicht in die Arme derer, die Irak als billigen Rohstofflieferanten verbuchen wollen. Irak braucht freiheitliche, friedensförderliche und gerechte Wirtschaftsbeziehungen. Im Land ebenso wie mit Amerika, Europa und den Nachbarländern.
Und wir essen, als wäre das ein Fest!?
Wir tun das, weil wir den Menschen begegnen möchten, die aus dem Irak gekommen sind, die flüchteten vor Kriegsgefahr und Repression. Wir erfuhren, dass sie große Freude daran haben, uns bei einem gemeinsamen Essen zu erzählen, wie es ihnen ergeht. Wir beruhigen uns nicht damit, dass die Bundesregierung eine Beteiligung an einem Krieg ausschließt. Darauf verlassen wir uns nicht, unterstützen aber diese Haltung.
Es sind so viele Menschen hier – manchen ist es ein Anliegen zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die keinen Krieg wollen. Andere sind einfach Gäste unserer wunderbar kochenden Gäste.
Wir möchten allen sagen: Helft mit, dass auch im Irak ein Krieg nicht als falsche Antwort auf die Bedrohung durch den Diktator und seine Helfer zur Anwendung kommt. Wer ein Regime hochrüstet und zur Bedrohung aufbaut, der muss Wege zur Kriegsabwendung finden, die millionenfaches Töten ausschließen wollen.
Es war genau der Tag, an dem wir vor 12 Jahren in Nordhausen zu Friedensgebeten, Mahnwachen, Lichterketten zusammenkamen, um gegen den Golfkrieg zu demonstrieren. Weiße Kreuze neben der Blasii-Kirche symbolisierten den unsinnigen Tod vieler Soldaten, weiße Tücher hingen am Gotteshaus und bekundeten den Protest gegen eine deutsche Beteiligung am Krieg (um Erdöl). Eine kleine Gruppe fuhr nach Bonn zur Friedensdemo, überbrachte eine lange Unterschriftenliste... Damals, als am 17. Januar 1991 der Golfkrieg begann, war uns klar, dass die Probleme in der Golfregion nicht kriegerisch zu beenden sind. Das hat sich bestätigt.
Wir waren nicht blauäugige Pazifisten!
Was tun wir heute?
Wo sind all die Friedensbewegten?
Verlassen wir uns auf die Entscheidung der Bundesregierung – keine Beteiligung!?
Im Landkreis leben Menschen aus dem Irak, Flüchtlinge. Die Räume des MUBEN waren zu eng. Irgendwie schoben wir uns zusammen, saßen dicht gedrängt. Für manches Gespräch waren die Stehplätze besser. Und die Raucher standen eh draußen. Arabisch, Englisch und Russisch waren die meistgebrauchten Sprachen. Übersetzer aus dem Arabischen waren rar. Aber es gab einige wesentliche Impulse aus der Gruppe irakischer Gäste. Einige Reden, Statements, Diskussionen: Ihnen war gemeinsam, dass sie Sorge haben, was in ihrer Heimat passieren wird.
Befürchtungen wurden laut, die einen Bürgerkrieg ahnen, wenn die Unklarheit bleibt. Und bleibt Saddam, dann kann er wohl noch Stärke demonstrieren. Aber mit seinen unsinnigen Kriegen (Iran, Kuweit, gegen Kurden im Land und ...), die ein großes Reich unter seiner Führung zum Ziel hatten, stürzt er die Region in einen Strudel der inneren Konflikte... Ob jedoch ein amerikanisches Eingreifen besser ist, das muss sehr bezweifelt werden, sagten sie. Es besteht eine Ratlosigkeit und doch eine kleine Hoffnung, es könnte bald eine Zeit nach Saddam geben. Aber wird sie wie in Jugoslawien aussehen, als viele neue (Ver)Führer auftauchten und die ethnischen und religiösen Traditionen in ihre Machtansprüche einbauten? Werden sich die Menschen verständigen können? Große Skepsis bei meinen Gesprächspartnern. Zu lange hat ein Mann geherrscht, seine Herrschaft allgegenwärtig abbilden lassen, große Teile des Volkes auf seinen Kurs eingeschworen.
Eine Familie aus Bagdad. Sie haben die Heimat verlassen. Für Christen (die Saddam vor Jahren noch stärker in sein Gefüge einbeziehen wollte) wird es immer enger. In Deutschland kamen sie an und fühlten sich ausgegrenzt, abgeschoben in eine ehemalige Kaserne der NVA. Heute erlebten sie erstmalig wieder eine recht befreiende Atmosphäre. Ungezwungen reden können...
Wir brauchen die Möglichkeiten des Austausches, immer wissen wir zu wenig und sollten neugierig sein auf die Gespräche, die manchmal authentischer sind als Nachrichtensendungen. Menschliche Begegnung, sie bereichert ohne Ausbeutung und Benachteiligung. Es war ein Anfang, wieder ein Anfang mit neuen Bewohnern unseres Landkreises! Und unsere Fragen um die Lösung der Probleme verbinden sich mit ihren Empfindungen und Sorgen, wenn sie an die Menschen in ihrer Heimat denken.
Werden wir demonstrieren, Gebete sprechen, Zeichen der Friedenswilligkeit und -fähigkeit finden und darstellen?
Peter Kube


