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Mo, 12:32 Uhr
29.03.2010

nnz-doku: Angemessenes Gedenken

Für ein angemessenes Gedenken an die Opfer der Zerstörung der Stadt Nordhausen am 3. und 4. April 1945 tritt das Bündnis gegen Rechtsextremismus (BgR) ein. Die nnz veröffentlicht einen Aufruf des Bündnisses innerhalb der doku-Reihe.


Am 3. und 4. April 1945 wurde die Stadt Nordhausen von britischen Flugzeugen bombardiert. Bei den Luftangriffen starben etwa 8 800 Menschen, weite Teile der Stadt lagen in Schutt und Asche. Nordhausen gehörte damit zu den deutschen Städten, die durch alliierte Luftangriffe am stärksten zerstört wurden. Jedes Jahr am 3. April versammeln sich Vertreter der Stadt Nordhausen und des Landkreises Nordhausen sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt vor dem Rathaus, um an die Opfer der britischen Bombenangriffe und die Zerstörung der Stadt zu erinnern.

Seit einigen Jahren weiß die extreme Rechte diese Gedenkveranstaltungen ungehindert öffentlichkeitswirksam für sich zu nutzen. Von 2005 bis 2007 nahmen Vertreter der NPD sowie extrem rechter Kameradschaften an der Kranzniederlegung teil und beteiligten sich mit der Niederlegung eines eigenen Gesteckes im Anschluss an die der offiziellen Vertreterinnen und Vertreter der Stadt Nordhausen.

Seit 2008 ist zu beobachten, dass die NPD mit freien Kameradschaften der extremen Rechten eigene Gedenkveranstaltungen mit Kranzniederlegung
initiiert, so z.B. 2008 auf dem Hauptfriedhof am Gedenkstein „der Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege“ und 2009 am „Kriegerdenkmal“ im Gehege. Diese Eigeninitiative der extremen Rechten bedeutet eine neue Qualität in der Vereinnahmung des Gedenkens an die Opfer der Zerstörung Nordhausens durch die Luftangriffe für die Propagierung ihres revisionistischen Geschichtsbildes. Sie nutzen diese Art von Gedenkveranstaltung für eine eigene Mythosbildung von Gedenktagen und Heldenverehrung.

Hierbei wird explizit nicht der Opfer der Zerstörung Nordhausens gedacht, sondern der Opfer eines „Bombenholocaust“ (Artikel zum 3. April 2009 auf der Internetseite der NPD), womit die NPD die Opfer des Holocaust mit denen des Luftangriffes auf Nordhausen gleichsetzt, um diesen als willkürlichen Terror zu verschleiern. Doch die Luftangriffe des 3./4. April 1945 stehen in einem anderen Kontext – dem des von Nazi-Deutschland begonnenen Raub- und Vernichtungskrieg, der mit dem Überfall auf Polen 1939 seinen Anfang nahm.

Der Luftangriff auf Nordhausen war kein Akt der Willkür. Häftlinge aus dem KZ Mittelbau-Dora und dem Außenlager Boelcke-Kaserne wurden zur Arbeit an der für Deutschland militärisch wichtigen V-Waffen-Produktion gezwungen. Somit stellte Nordhausen ein militärstrategisches Ziel dar. Die Luftangriffe in ihrem geschichtlichen Kontext zu betrachten, muss Aufgabe des Nachdenkens über ein aufrichtiges und angemessenes Gedenken sein.

Ein Hochrechnen der Opfer des Nationalsozialismus gegen die Opfer der Luftangriffe im April 1945 ist in keiner Weise legitim. Ebenso ist eine klare Benennung der Trennung zwischen Tätern und Opfern notwendig. In 2010 – 65 Jahre danach – bietet sich der NPD durch eine Vereinnahmung des Gedenkens an die Zerstörung der Stadt Nordhausen die Möglichkeit, die Reihe der groß angelegten Gedenkveranstaltungen der extremen Rechten in Magdeburg, Dresden, Cottbus etc. fortzuführen.

Die Entwicklung, dass NPD und extreme Rechte sich das Gedenken der Opfer der Luftangriffe zu Nutze machen, darf nicht weiter stillschweigend hingenommen werden. Wir rufen dazu auf, nicht weiter zuzusehen, wie NPD und extreme Rechte Gedenkveranstaltungen auch in Nordhausen für sich vereinnahmen und für sich umdeuten. Das Gedenken der Opfer der
Luftangriffe darf nicht von rechten Kräften verkehrt werden!

Nur ein reflektierter Umgang mit Vergangenheit und Gegenwart des Rechtsextremismus in Deutschland und in Nordhausen speziell und die daraus resultierenden Folgen für die Gesellschaft können Grundlage eines
angemessenen Gedenkens sein!
SprecherInnenkreis des BgR Nordhausen
Autor: nnz

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Kommentare
doromarx
31.03.2010, 15:17 Uhr
vorsicht
Liebes BgR Nordhausen, schön das Ihr euch mit einer eigenen Pressemitteilung zu dem Thema meldet.

Es ist Land auf und Land ab zu beobachten, wie schwer sich Städte, Gemeinden, Politiker_innen und Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Städte und Gemeinden mit der Vereinnahmung durch die etxreme Rechte tun. Da sind Magdeburg und Dresden herausragende Ereignisse, welche überregionales Interesse erreichen und wo mittlerweile der Vereinnahmung und den Trauermärschen etwas entgegengestellt wird (inhaltlich wie praktisch).

Das bringt mich zu Nordhausen. Ihr schreibt selbst wie NPD und andere extrem Rechte am Gedenken teilgenommen haben oder eigene Veranstaltungen initiiert haben. In Nordhausen sitzen NPD'ler in Stadtrat und Kreistag und sind somit zumindest formell "legal erwünscht". Das sie kommen werden dürfte ausser Frage stehen. Was in Frage steht: Wie wollt Ihr darauf reagiern? Wie wird die Nordhäuser Politik damit umgehen? Wie werden die Bürgerinnen und Bürger reagieren? Was unternehmt Ihr Alle gegen eine NPD-Kranzniederlegung?

Bei dem was ich aus Nordhausen wahrnehme, dürfte von Seiten der Politik keine Reaktion erfolgen, ausser es hinzunehmen. Alles andere würde bei dem Konsens der vorherrscht doch überraschen. Wer geht vorran und stellt sich den Nazis in den Weg und kritisiert zugleich den Diskurs des gleichsetzens von Opfern? Ihr fangt an ihn zu gehen. Eine Veranstaltung am 07.04. in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora setzt dort ebenfalls an.

Doch was dann? Ich bin gespannt ...

mit freundl. und solidarischen Grüßen
Eure Dorothea Marx
Georg66
01.04.2010, 07:29 Uhr
Mücke!
@doromarx
Machen Sie doch bitte nicht aus einer Mücke einen Elefanten! Die NPD hat Bundesweit bei der letzten Wahl ca. 1,7 % erreicht. Da hat ja die Biertrinkerpartei mehr Stimmen bekommen.
Was Sie hier veranstalten ist Selstdarstellung!
Viele Grüsse an das Bündnis!
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