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Mi, 19:28 Uhr
17.03.2010

Post von Luisa (25)

Luisa Schäfer, eine junge Frau aus Niedersachswerfen, schreibt in der nnz ein ungewöhnliches Tagebuch über ihre Erlebnisse am anderen Ende der Welt. Auf dieser Tagebuchseite geht Luisa der Frage nach: Wie begeht ein Argentinier Selbstmord?


Die Zeit vergeht einfach so rasend schnell. Jetzt ist nun schon mehr als die Hälfte meines Jahres um. Ich habe unglaublich viel erlebt, gutes und schlechtes, wobei das erste glücklicherweise überwiegt. Ob mich dies nun schon sehr verändert hat, diese Einschätzung bleibt meiner Familie und meinen Freunden überlassen.

Und auf dieses Feedback muss ich gar nicht mehr so lange warten. Ende des Monats habe ich nämlich meine ersten richtigen Ferien, die zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester verbringe. Doch zu diesem Thema schreibe ich dann noch tiefgebräunter und urlaubserholt etwas. Nun erst mal zu einer ganz anderen Sache…

Mann- Frau Beziehung war ein relativ großes Thema auf den Vorbereitungsseminaren meiner Organisation. Dass dieser Umfang berechtigt war, stelle ich nun immer wieder im Alltag fest. Denn einfach hat “frau“ es hier nun wirklich nicht. Ein paar meiner Erfahrung möchte ich nun in meinen Bericht einarbeiten. Natürlich trifft das, was ich schreibe werde, bei Weitem nicht auf alle Männer zu. Ich habe auch viele Freunde hier kennen gelernt, die ganz harmlos sind. Aber der größte Teil hat es faustdick hinter den Ohren!

Ganz naiv war ich nicht. Dass mir so einiges an Machismo begegnen wird, war ja klar. Die ersten Wochen waren daher auch nicht unbedingt anders als erwartet. Als vermeintliche Blondine folgen einem Pfiffe oder auch Kommentare, dass ist einfach zu überhören. Einigen, meist älteren Herren, scheint das aber noch nicht genug zu sein. Damit man es auch ja nicht überhört was sie zu sagen haben, wird es einem liebevoll ins Ohr geflüstert. Als mir dies das erste Mal auf der Straße passiert ist, habe ich mich so erschreckt, dass der Komplimentemacher sofort die Flucht ergriffen hat. Mittlerweile bin eher immer ich diejenige, welche so schnell wie möglich das Weite sucht.

Irritierend ist auch die Taktik, dass man einfach so gegrüßt wird. Zunächst hatte ich immer ein bisschen Panik, dass ich nicht zurück gegrüßt habe und dass es vielleicht ein Bekannter gewesen sein könnte. Es sind aber erfahrungsgemäß eher in den wenigsten Fällen Bekannte! Was sich jedoch schnell ändern kann, denn das Kennerlernen holt man hier ziemlich schnell nach…

Liebeserklärungen nach fünf Minuten sind auf Feiern nicht ungewöhnlich. Trotz einigem vorangegangenen Alkoholkonsum sollte man diese aber nicht unterschätzen. Sonst kann sich da mal ziemlich schnell eine unschöne Szene entwickeln. Wie kann man es auch wagen, mit jemanden anderes zu tanzen? Und das nachdem man sich schon eine Viertelstunde kennt.

Aber auch wenn keine berauschenden Substanzen im Spiel gewesen sind. Als leidenschaftlich würden sich sicher die meisten Lateinamerikaner beschreiben. Längeres Kennenlernen ist da unnötig. Zwei oder drei Treffen, dass reicht schon aus und man weiß, wer sein Traumtyp bzw. seine Traumfrau ist. Mit dem Tempo kann ich ehrlich gesagt noch nicht mithalten. Aber ich bekomme ja tägliches Training hier. Da ich aber deutsche Maßstäbe gewöhnt bin, wird es wohl noch ein bisschen dauern, bis ich mich da in meine Rolle einfügen werde. Denn hier gilt immer noch, die Mädels haben schickt zu sein und darauf zu warten, erobert zu werden. Daher erklärt sich auch, dass wohl einige vor dem abendlichen Weggehen schon ein paar Stunden vor den Spiegel verbringen und dann wird gepudert, gestylt und parfümiert was der Kosmetikvorrat hergibt. Und das ist bei den Umsätzen, die der argentinische Kosmetiksektor aufweist, eine Menge.

Dann geht es ans Tanzen und damit zu dem Teil der mir an der Sache am besten gefällt. Denn hier braucht man nicht besonders lange auf einen Tanzpartner warten. Und dank Reggaeton, eine vielleicht nicht besonders qualitativ hochwertige aber sehr rhythmische Musikrichtung, kommt man gar nicht dazu irgendwie Abstand zu wahren. Man lernt sich also wirklich automatisch relativ schnell kennen. Besonders schüchtern sollte man aber nicht sein. Denn da der Teil des Ansprechen und Aufforderns schon Männeraufgabe war, fällt es der holden Weiblichkeit zu nun die Hüften zu schwingen. Einige haben das schon ziemlich perfektioniert.

Bei dem was dort alles gezeigt und gewackelt wird, sollte dafür gesorgt werden, dass in der Nähe schon irgendwie ein Schlafzimmer zu finden ist. Und natürlich wird auch dafür gesorgt. Gleich in der Nähe der Diskotheken findet man die in Argentinien durchaus üblichen Stundenhotels. Denn dank traditioneller Familie ist es den meisten nicht gestattet, irgendjemanden mit nach Hause zu bringen. Daher wird ein Zimmer für ein paar Stunden gemietet. So bekommt man seinen Spaß ohne elterliche Strafpredigt. Kirche und Glaube wirken sich also geschäftsfördernd auf die örtliche Hotelbranche aus.

Und nicht nur die wird beansprucht. Auch die Parkanlagen sind mit ziemlich vielen Bänken ausgestattet. Denn Parks sind sehr beliebte Treffpunkte von Paaren. Es wird geküsst was das Zeug hält und die sich da aufdrängende Frage: „Haben die kein zu Hause?“, lässt sich ziemlich nüchtern beantworten. Doch schon, aber da dürfen sie nicht hin. Doch dieses ausgelebte Glück ständig vor Augen zu haben, kann als Single schon ganz schön depressiv machen. Daher wäre ich schon aus dem Grund dafür die Werte und Normen ein bisschen zu liberalisieren.

Doch in dieser Richtung tut sich schon was. Berufstätige Mütter sind auch hier nichts Neues. Und es ist auch nicht ungewöhnlich Männer bei der Kindererziehung und im Haushalt helfend zu sehen. Obwohl dies wohl doch eher noch die typischen weiblichen Tätigkeitsgebiete sind. In den ärmeren Vierteln ist dies noch viel mehr spürbar. Denn dort kommt es oft vor, dass sich die Ehemänner und Freund ganz um die Verantwortung drücken. Dann müssen die Frauen allein sehen wie sie mit den ganzen Kindern klarkommen. Von Unterhaltsansprüchen hat da noch kaum jemand
gehört.

Da haben es die Mütter bei uns einfacher. Da ist der deutsche Sozialstaat schon ganz nett. Aber auch so ist gar nicht verwunderlich, dass ich mich doch schon wieder langsam auf deutsche Verhältnisse in einigen Dingen freue. Wieder ohne große Beachtung durch die Straßen gehen zu können, keine anzüglichen Bemerkungen ertragen zu müssen, wenn man bei Hitze im Top herumläuft oder auch als platonische Freundin angesehen werden zu können.

Denn man kann schon sagen, nicht alle Männer in Lateinamerika sind Machos, aber doch schon ziemlich viele. Ein bisschen Macho ist zwar schon schön. Aber auch nur manchmal. Daher genieße ich nun das Tanzen in den Discos, übe mich aber weiter im Ignorieren von Pfiffen und Kommentaren. Alles perfekt wird man eben nie haben können…

Ach ja, hier die Antwort zu eingangs gestellter Frage: Er stürzt sich von seinem Ego!
Post von Luisa (Foto: privat)
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Autor: nnz

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