Mo, 12:29 Uhr
15.02.2010
nnz-Forum: Pluralismus zulassen
Ein Leser der nnz beschäftigt sich mit den Plänen zur Umgestaltung des Blasiikirch-Platzes und fordert eine breite Bürgerbeteiligung, um letztlich die Vorstellungen der Bürger zu formulieren...
Nach den zahlreichen Leserbriefen in der regionalen Digital- und Print-Presse und den vielen, leider oft anonymen Meinungen hier im Forum zum Thema Blasiikirchplatz, ist es an der Zeit, den Willensbekundungen der Nordhäuser zur Mitgestaltung ihres Blasiikirchplatzes einen Rahmen zu schaffen. Es wird Zeit, Ihre Vorstellungen in konkreten Aussagen zu formulieren.
Der von Gisela Hartmann vorgesehene Workshop ist ein erster Schritt in diese Richtung, denn es werden eine Vielzahl von Lösungsorientierten Diskussionen zu den verschieden Altstadtquartieren von Nöten sein. Die Ausschreibungen zum Blasiikirchplatz sind nur der Auftakt. Weitgehend fehl ausgerichtete Konzeptionen reifen gerade für Wiedigsburg und Elisabethstraße heran. Auch hier soll einiges im Stadtrat durchgepeitscht werden.
Einen Vorgeschmack dessen, was aus dem Stadtplanungsamt in Punkto Baukultur für unsere Altstadt zu befürchten ist, kann jeder erhalten, der sich die Altendorfer Stiege nach oben bewegt und auf der rechten Seite des Hanges in Form eines gerade neu erbauten Wohnhauses zu sehen bekommt. Gute Architektur definiert sich nicht über futuristische oder tradierte Bauweisen, sondern vielmehr, wie sie mit ihrer Umgebung korrespondiert. Diese Bebauung könnte gut am Kirschweg stehen - in der Altstadt ist sie völlig fehl am Platze. Die Altstadtsatzung aus den 1990er Jahren wird hier auf das schärfste brüskiert.
Angepasste Modernisten fallen zwar häufig durch Ausgefallenes auf. Gigantomanie, Protzerei und schematische Ästhetik erweisen sich jedoch oft als rücksichtslos gegenüber gewachsener Nachbarschaft und natürlicher Umwelt. Ein Wohnblock sollte sich vom Gefängnis, eine Altstadt von Stadtrandbebauung, eine Bibliothek vom Schwimmbad und ein Nordhäuser Blasiikirchplatz sollte sich von einem hiesigen Bahnhofsplatz unterscheiden.
Es ist höchste Zeit für eine Baukultur gegen Formzerstörung, für eine menschenfreundliche Architektur. Pluralismus definiert sich auch in der Wahl der Gestaltungsfreiheit, in der Individualität und Dauerhaftigkeit von städtebaulichen Strukturen und Gebäuden, die sich in ihrer Bauweise und Materialität lokalen Traditionen verpflichten.
Stadt und Architektur haben notwendigerweise eine historische Dimension: Städte entstehen über lange Zeiträume, Stadthäuser stehen viele Jahrzehnte, Stadtgrundrisse überdauern Jahrhunderte. Städtebau muss wieder in historischen Dimensionen denken und die Erfahrungen vergangener Zeiten nutzen. Ich plädiere für eine langfristige Stadtkultur, statt kurzfristiger Funktionserfüllung.
Es wird Zeit, Nordhausen von den Nachkriegsschäden zu befreien, die eine verfehlte DDR-Architektur seit Mitte der 1960er angerichtet hat, zumindest dort wo es noch möglich ist. Wir sollten nicht zulassen, dass gleiche Fehler erneut begangen werden. Dabei spielt Pluralismus nicht nur eine Rolle in der Architektur, sondern auch im Umgang mit dem gemeinen Bürger und derer die sie eigentlich vertreten sollten.
Wie glaubhaft ist ein Stadtrat noch, der zunehmend die Ambitionen seiner Bürger aus den Augen verliert? Wenn er sich hinter Paradigmen wie gesetzlich festgelegten Ausschreibungsverfahren verschanzt und von einigen Kompetenzträgern instrumentalisieren lässt. Indem er sich gesellschaftlich rationalisiert, stellt er seinen Anspruch als Bürgervertretung selbst in Frage. In diesem Kontext fällt mir ein Zitat Robert Schumanns ein, in dem er sagt: Wer das Schlimme einer Sache nicht anzugreifen sich getraut, verteidigt das Gut nur halb. oder simpler formuliert: Geht nicht, gibt’s nicht.
Markus Veit, Nordhausen
Autor: nnz/knNach den zahlreichen Leserbriefen in der regionalen Digital- und Print-Presse und den vielen, leider oft anonymen Meinungen hier im Forum zum Thema Blasiikirchplatz, ist es an der Zeit, den Willensbekundungen der Nordhäuser zur Mitgestaltung ihres Blasiikirchplatzes einen Rahmen zu schaffen. Es wird Zeit, Ihre Vorstellungen in konkreten Aussagen zu formulieren.
Der von Gisela Hartmann vorgesehene Workshop ist ein erster Schritt in diese Richtung, denn es werden eine Vielzahl von Lösungsorientierten Diskussionen zu den verschieden Altstadtquartieren von Nöten sein. Die Ausschreibungen zum Blasiikirchplatz sind nur der Auftakt. Weitgehend fehl ausgerichtete Konzeptionen reifen gerade für Wiedigsburg und Elisabethstraße heran. Auch hier soll einiges im Stadtrat durchgepeitscht werden.
Einen Vorgeschmack dessen, was aus dem Stadtplanungsamt in Punkto Baukultur für unsere Altstadt zu befürchten ist, kann jeder erhalten, der sich die Altendorfer Stiege nach oben bewegt und auf der rechten Seite des Hanges in Form eines gerade neu erbauten Wohnhauses zu sehen bekommt. Gute Architektur definiert sich nicht über futuristische oder tradierte Bauweisen, sondern vielmehr, wie sie mit ihrer Umgebung korrespondiert. Diese Bebauung könnte gut am Kirschweg stehen - in der Altstadt ist sie völlig fehl am Platze. Die Altstadtsatzung aus den 1990er Jahren wird hier auf das schärfste brüskiert.
Angepasste Modernisten fallen zwar häufig durch Ausgefallenes auf. Gigantomanie, Protzerei und schematische Ästhetik erweisen sich jedoch oft als rücksichtslos gegenüber gewachsener Nachbarschaft und natürlicher Umwelt. Ein Wohnblock sollte sich vom Gefängnis, eine Altstadt von Stadtrandbebauung, eine Bibliothek vom Schwimmbad und ein Nordhäuser Blasiikirchplatz sollte sich von einem hiesigen Bahnhofsplatz unterscheiden.
Es ist höchste Zeit für eine Baukultur gegen Formzerstörung, für eine menschenfreundliche Architektur. Pluralismus definiert sich auch in der Wahl der Gestaltungsfreiheit, in der Individualität und Dauerhaftigkeit von städtebaulichen Strukturen und Gebäuden, die sich in ihrer Bauweise und Materialität lokalen Traditionen verpflichten.
Stadt und Architektur haben notwendigerweise eine historische Dimension: Städte entstehen über lange Zeiträume, Stadthäuser stehen viele Jahrzehnte, Stadtgrundrisse überdauern Jahrhunderte. Städtebau muss wieder in historischen Dimensionen denken und die Erfahrungen vergangener Zeiten nutzen. Ich plädiere für eine langfristige Stadtkultur, statt kurzfristiger Funktionserfüllung.
Es wird Zeit, Nordhausen von den Nachkriegsschäden zu befreien, die eine verfehlte DDR-Architektur seit Mitte der 1960er angerichtet hat, zumindest dort wo es noch möglich ist. Wir sollten nicht zulassen, dass gleiche Fehler erneut begangen werden. Dabei spielt Pluralismus nicht nur eine Rolle in der Architektur, sondern auch im Umgang mit dem gemeinen Bürger und derer die sie eigentlich vertreten sollten.
Wie glaubhaft ist ein Stadtrat noch, der zunehmend die Ambitionen seiner Bürger aus den Augen verliert? Wenn er sich hinter Paradigmen wie gesetzlich festgelegten Ausschreibungsverfahren verschanzt und von einigen Kompetenzträgern instrumentalisieren lässt. Indem er sich gesellschaftlich rationalisiert, stellt er seinen Anspruch als Bürgervertretung selbst in Frage. In diesem Kontext fällt mir ein Zitat Robert Schumanns ein, in dem er sagt: Wer das Schlimme einer Sache nicht anzugreifen sich getraut, verteidigt das Gut nur halb. oder simpler formuliert: Geht nicht, gibt’s nicht.
Markus Veit, Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.


