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Mo, 08:55 Uhr
25.11.2002

Ist Alter eine politische Größe?

Nordhausen (nnz). Es war im Jahre 1999 eine der ersten Maßnahmen der damals neu gebildeten Bundesregierung, für die Bundesbürger ein Renteneintrittsalter von 60 Jahren anzustreben. Nun geht die gleiche Regierung fast auf Gegenkurs. Über Zusammenhänge informiert nnz.


Die Frühverrentung von Arbeitnehmern hat in der Wirtschaft deutliche Spuren hinterlassen. Jedes zweite Unternehmen in Deutschland beschäftigt keine Arbeitnehmer mehr im Alter von mehr als 50 Jahren. Das ist Ergebnis einer Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB).

Das Dilemma dieser Vorruhestandsregelung ist offensichtlich: während einerseits viele Arbeitnehmer von den Anreizen dieser Regelung Gebrauch machten, beklagen noch mehr arbeitslose ältere Arbeitnehmer, dass ihnen keine Chance gegeben würde, wieder einen Arbeitsplatz zu finden. Ist also schon die Situation unter arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten unausgewogen, sind die Folgen dieser Vorruhestandsregelung für die Rentenversicherungsträger gravierend, weil sie in deren eh schon knappen Kassen zunehmend große Löcher reißen. „Diese Politik hat die Rentenbeiträge um rund einen Prozentpunkt nach oben geschoben. Ohne den Vorruhestand lägen wir also bei etwa 18,5 Prozent“, sagte der Präsident der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Herbert Rische.

Skeptisch beurteilt er auch die Umsetzung des Hartz-Konzepts durch die Bundesregierung. „Wenn ich sehe, dass dadurch mit dem so genannten Brückengeld wieder ein Signal Richtung Vorruhestand gestellt wird, dann belasten wir die Rentenversicherung erneut mit hohen Ausgaben, die wir ohne weitere Anpassung der Beiträge oder anderer Einnahmen wohl nicht bezahlen können“, warnt der BfA-Präsident.

Über Jahre hinweg war es Strategie großer und mittlerer Unternehmen, Mitarbeiter ab dem 55. Lebensjahr in den Ruhestand gehen zu lassen. Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit ist auch die Nachfrage nach Altersteilzeit ausgesprochen groß. Allein in diesem Jahr seien 42 000 Neuanträge eingegangen.

Mit ihrem Programm „50plus - die können es“ will die Bundesanstalt jetzt Unternehmen dazu motivieren, wieder verstärkt auch auf ältere, erfahrene Arbeitnehmer zurückzugreifen. Auf Grund der demografischen Entwicklung müssten „Lebensältere in der innerbetrieblichen Weiterbildung und bei Neueinstellungen wesentlich stärker berücksichtigt werden als in der Vergangenheit“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Derzeit seien eine Million Arbeitslose 50 Jahre oder älter. Das entspreche knapp 30 Prozent aller Arbeitslosen in Deutschland. Jeder zweite von ihnen sei bereits ein Jahr oder länger auf Stellensuche.

Im Jahr 2002 konnte bis Ende September 310 000 älteren Arbeitslosen wieder ein Arbeitsplatz vermittelt werden. Wenn also jetzt seitens der Politik ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren ins Gespräch gebracht wird, wird offensichtlich, dass der Mensch nicht nach seiner Arbeitskraft und –leistung eingeschätzt wird, sondern unter (renten)politischen Gesichtspunkten. Damit aber wird man am wenigsten den Menschen und noch nicht einmal der Wirtschaft gerecht.
Autor: nnz

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