Mi, 13:45 Uhr
20.11.2002
Ungewöhnlicher Schultalk in Sollstedt
Sollstedt (nnz). Zu einer nichtalltäglichen Talkrunde zum Thema Schule hatte gestern der Bürgermeister von Sollstedt, Jürgen Hohberg, eingeladen. Gekommen war neben vielen Lehrern, Eltern und Schülern auch Thüringens oberster Pädagogendienstherr, Kultusminister Michael Krapp.
Die Veranstaltung wurde eingebettet in den Agenda-21-Prozess, in den sich die Gemeinde Sollstedt und auch die hiesige Schule seit Jahren intensiv einbringen. Minister Krapp gab Erläuterungen zu den vorgesehenen Änderungen des Thüringer Schulgesetzes, die sich gegenwärtig im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren befinden. Er verwies aber auch darauf, dass eine Abkehr vom derzeitigen Schulgefüge nicht vorgesehen sei, vielmehr solle das bestehende System durch teilweise Öffnungen verfeinert und verbessert werden. Mehr Flexibilität beim Schuleintrittsalter, eine Verweildauer der Grundschüler in den Klassenstufen 1 und 2 zwischen einem und drei Jahren, das Durchbrechen von Grenzen zwischen Real-, Haupt- und Förderschulen wurden beispielhaft benannt.
Die Einführung von Kompetenztests in den Klassenstufen 3 und 6, die künftig einheitlich an Thüringer Schulen zu absolvieren sein werden, sollen den Schulleitungen, den Schul- und Schulverwaltungsämtern sowie dem Thüringer Kultusministerium Aufschlüsse über bestehende Defizite und Ansätze zu deren Lösung geben. Über Angebote im Rahmen von Schuljugendarbeit soll eine intensive Einbindung von Vereinen und Interessengruppen in die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler erreicht werden. Intensivere Schullaufbahnberatungen sollen erkennbare Fehlentwicklungen der Vergangenheit regulieren, so dass sich künftig an die Gymnasialstufe tatsächlich, wie eigentlich mit dem Erwerb der Hochschulreife bezweckt, ein Studium anschließt, denn bereits jetzt zeichne sich ab, dass perspektivisch ein Mangel an Akademikern bestehen werde.
Minister Dr. Krapp richtete auch einen Appell an junge Menschen, sich wieder für einen Lehrerberuf zu entscheiden, denn das derzeitige Durchschnittsalter der Pädagogen in Thüringen läge bei 48 Jahren. Das noch immer bestehende Tarifgefälle zwischen Ost und West führe neben dem Umstand, dass derzeit noch immer viel zu wenig Lehrer ausgebildet werden, zusätzlich dazu, dass Absolventen der Thüringer Hochschulen in die alten Bundesländer abwandern, was den Mangel z.B. im Berufsschulbereich oder in einigen Lehrfächern der Regelschulen und Gymnasien zusätzlich verschärft Im Anschluss an die Ausführungen des Kultusministers kamen die Elternvertreter zu Wort.
Was diese zu Gehör brachten, war weniger die große Politik als vielmehr die an der Sollstedter Schule herrschende bittere Realität. Ein marodes Gebäude aus den 50er Jahren, an dem der Zahn der Zeit fast ungehindert genagt hat, passt eben nicht zu dem Motto, unter dem die Veranstaltung stand! Mehr noch als die baulichen und funktionalen Mängel übten die Elternvertreter unisono aber Kritik an den bestehenden gravierenden Sicherheitsmängeln im Bezug auf fehlende Rettungswege und andere Brandschutzeinrichtungen. Geradezu wie ein Schildbürgerstreich mutet die Tatsache an, dass in der Schule seit längerer Zeit vom Land finanzierte neue Computer vor sich hin altern, weil der Schulträger die von ihm zu finanzierenden erforderlichen Möbel nicht rechtzeitig beschafft hat.
Es scheint aber gelungen, den zuständigen Schulträger (Landkreis Nordhausen) für diese Probleme der Eltern zu sensibilisieren und Lösungen auf den Weg zu bringen. Und beim angesprochenen Thema Schulnetzplanung ist es zumindest gelungen, dem Vertreter des Schulträgers die Aussage abzuringen, dass Sollstedt in jedem Fall auch perspektivisch Schulstandort bleiben wird und die dazu erforderlichen Vorbereitungen in den nächsten Wochen mit den zuständigen und zu beteiligenden Gremien auf den Weg gebracht werden.
Ja, und da war doch noch etwas: Agenda 21! Die Sollstedter Schule genießt seit kurzem bundesweit hohe Anerkennung für ihre bereits mehrfach mit Prädikaten versehene Arbeit im Rahmen des Energieprojektes, für die der Projektleiter, Manfred Scholvien, zu Beginn der Veranstaltung Glückwünsche und ein Präsent des Kultusministers sowie einen Scheck des Bürgermeisters in Empfang nehmen konnte. Aber: Solaranlage auf einem defekten Schuldach, Blockheizkraftwerk und eine marode Heizungsanlage, Photovoltaikanlage und undichte Fenster und fehlende Wärmedämmung bringt man beim besten Willen nicht in Einklang mit nachhaltiger Entwicklung.
Wenngleich das Umfeld nicht gerade motivierend wirkt, ist dem Projektleiter gerade diese Motivation der Schüler in der Vergangenheit in herausragender Weise gelungen, was nicht hoch genug gewürdigt werden kann. Im fliegenden Wechsel übernahm der Abteilungsleiter des Kultusministeriums, Herr Eberhardt den Part des Kultusministers, da dieser zu einer dringenden Kabinettssitzung zur Vorbereitung des Doppelhaushaltes 2003/2004 um 21:00 Uhr in Erfurt erwartet wurde. Er wurde mit den besten Wünschen dafür verabschiedet, dass es ihm gelingt, so viele Mittel wie irgend möglich für den Bildungsbereich dabei herauszuschlagen.
Autor: nnz
Die Veranstaltung wurde eingebettet in den Agenda-21-Prozess, in den sich die Gemeinde Sollstedt und auch die hiesige Schule seit Jahren intensiv einbringen. Minister Krapp gab Erläuterungen zu den vorgesehenen Änderungen des Thüringer Schulgesetzes, die sich gegenwärtig im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren befinden. Er verwies aber auch darauf, dass eine Abkehr vom derzeitigen Schulgefüge nicht vorgesehen sei, vielmehr solle das bestehende System durch teilweise Öffnungen verfeinert und verbessert werden. Mehr Flexibilität beim Schuleintrittsalter, eine Verweildauer der Grundschüler in den Klassenstufen 1 und 2 zwischen einem und drei Jahren, das Durchbrechen von Grenzen zwischen Real-, Haupt- und Förderschulen wurden beispielhaft benannt. Die Einführung von Kompetenztests in den Klassenstufen 3 und 6, die künftig einheitlich an Thüringer Schulen zu absolvieren sein werden, sollen den Schulleitungen, den Schul- und Schulverwaltungsämtern sowie dem Thüringer Kultusministerium Aufschlüsse über bestehende Defizite und Ansätze zu deren Lösung geben. Über Angebote im Rahmen von Schuljugendarbeit soll eine intensive Einbindung von Vereinen und Interessengruppen in die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler erreicht werden. Intensivere Schullaufbahnberatungen sollen erkennbare Fehlentwicklungen der Vergangenheit regulieren, so dass sich künftig an die Gymnasialstufe tatsächlich, wie eigentlich mit dem Erwerb der Hochschulreife bezweckt, ein Studium anschließt, denn bereits jetzt zeichne sich ab, dass perspektivisch ein Mangel an Akademikern bestehen werde.
Minister Dr. Krapp richtete auch einen Appell an junge Menschen, sich wieder für einen Lehrerberuf zu entscheiden, denn das derzeitige Durchschnittsalter der Pädagogen in Thüringen läge bei 48 Jahren. Das noch immer bestehende Tarifgefälle zwischen Ost und West führe neben dem Umstand, dass derzeit noch immer viel zu wenig Lehrer ausgebildet werden, zusätzlich dazu, dass Absolventen der Thüringer Hochschulen in die alten Bundesländer abwandern, was den Mangel z.B. im Berufsschulbereich oder in einigen Lehrfächern der Regelschulen und Gymnasien zusätzlich verschärft Im Anschluss an die Ausführungen des Kultusministers kamen die Elternvertreter zu Wort.
Was diese zu Gehör brachten, war weniger die große Politik als vielmehr die an der Sollstedter Schule herrschende bittere Realität. Ein marodes Gebäude aus den 50er Jahren, an dem der Zahn der Zeit fast ungehindert genagt hat, passt eben nicht zu dem Motto, unter dem die Veranstaltung stand! Mehr noch als die baulichen und funktionalen Mängel übten die Elternvertreter unisono aber Kritik an den bestehenden gravierenden Sicherheitsmängeln im Bezug auf fehlende Rettungswege und andere Brandschutzeinrichtungen. Geradezu wie ein Schildbürgerstreich mutet die Tatsache an, dass in der Schule seit längerer Zeit vom Land finanzierte neue Computer vor sich hin altern, weil der Schulträger die von ihm zu finanzierenden erforderlichen Möbel nicht rechtzeitig beschafft hat.
Es scheint aber gelungen, den zuständigen Schulträger (Landkreis Nordhausen) für diese Probleme der Eltern zu sensibilisieren und Lösungen auf den Weg zu bringen. Und beim angesprochenen Thema Schulnetzplanung ist es zumindest gelungen, dem Vertreter des Schulträgers die Aussage abzuringen, dass Sollstedt in jedem Fall auch perspektivisch Schulstandort bleiben wird und die dazu erforderlichen Vorbereitungen in den nächsten Wochen mit den zuständigen und zu beteiligenden Gremien auf den Weg gebracht werden.
Ja, und da war doch noch etwas: Agenda 21! Die Sollstedter Schule genießt seit kurzem bundesweit hohe Anerkennung für ihre bereits mehrfach mit Prädikaten versehene Arbeit im Rahmen des Energieprojektes, für die der Projektleiter, Manfred Scholvien, zu Beginn der Veranstaltung Glückwünsche und ein Präsent des Kultusministers sowie einen Scheck des Bürgermeisters in Empfang nehmen konnte. Aber: Solaranlage auf einem defekten Schuldach, Blockheizkraftwerk und eine marode Heizungsanlage, Photovoltaikanlage und undichte Fenster und fehlende Wärmedämmung bringt man beim besten Willen nicht in Einklang mit nachhaltiger Entwicklung. Wenngleich das Umfeld nicht gerade motivierend wirkt, ist dem Projektleiter gerade diese Motivation der Schüler in der Vergangenheit in herausragender Weise gelungen, was nicht hoch genug gewürdigt werden kann. Im fliegenden Wechsel übernahm der Abteilungsleiter des Kultusministeriums, Herr Eberhardt den Part des Kultusministers, da dieser zu einer dringenden Kabinettssitzung zur Vorbereitung des Doppelhaushaltes 2003/2004 um 21:00 Uhr in Erfurt erwartet wurde. Er wurde mit den besten Wünschen dafür verabschiedet, dass es ihm gelingt, so viele Mittel wie irgend möglich für den Bildungsbereich dabei herauszuschlagen.


