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Fr, 12:46 Uhr
04.09.2009

Analphabeten bei Bundestagswahl

Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung schätzt, dass im Landkreis Nordhausen rund 4.700 Einwohner funktionale Analphabeten sind. Geschätzte vier Millionen sind es in ganz Deutschland. Mit funktionalen Analphabeten sind Betroffenen gemeint, die trotz Schule nur geringe Schriftsprachkompetenzen haben und dadurch nicht so lesen und schreiben können, wie das Alltags- oder Berufsleben es erfordert. Das ist natürlich auch ein Problem bei der anstehenden Bundestagswahl...


Hier wird der Stimmzettel zur Herausforderung, die viele nicht meistern können. Nach vorsichtigen Schätzungen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV) kann etwa eine dreiviertel Million Wähler nicht so gut lesen, um ihre Kreuze ohne fremde Hilfe zu machen. „Man stelle sich vor: Die Einwohner einer Großstadt können nicht wählen, weil sie nicht wissen, wie sie es anstellen sollen“, bringt es DVV-Präsidentin Prof. Rita Süssmuth auf den Punkt. „Wählen ist aber ein fundamentales Bürgerrecht. Es ist ein Armutszeugnis für ein reiches Land wie Deutschland, wenn so viele Menschen an diesem Grundrecht nicht partizipieren können“, findet die frühere Bundestagspräsidentin. „Grund genug für uns, Hilfen anzubieten.“

Der Deutsche Volkshochschul-Verband hat deshalb vertonte Übungen entwickelt, mit denen Betroffene vollkommen anonym das Wählen lernen können. Unter www.ich-will-wählen-gehen.de wird ihnen erklärt, wie sie Briefwahlunterlagen beantragen und den Stimmzettel ausfüllen können. Sie erfahren auch, wie der Bundestag arbeitet und welche Einflussmöglichkeiten es bedeutet, sich an der Wahl zu beteiligen.

Diese Internetseite geht heute um 12 Uhr online. Der Bundeswahlleiter Roderich Egeler unterstützt das DVV-Projekt ausdrücklich und hat die Übungen geprüft. „Diese Aktion zeigt: Die Volkshochschulen haben den Anspruch, jedem Menschen eine zweite oder auch dritte Chance einzuräumen. Sie bringen Analphabeten nicht ‚nur’ Lesen, Schreiben und Rechnen bei, sondern sie helfen ihnen, sich auch politisch in die Gesellschaft zu integrieren“, erläutert der DVV-Vorsitzende Dr. Dieter Rossmann. Weitere große Anstrengungen seien nötig, um diese Misere in den Griff zu bekommen, betont auch DVV-Präsidentin Süssmuth: „Ziel der nächsten Bundesregierung muss es sein, die Zahl der Analphabeten deutlich zu reduzieren.

Entsprechende Aufklärungskampagnen und die vielen zusätzlich gebrauchten VHS-Kurse sind unverzichtbar und brauchen finanzielle Unterstützung“, sagt sie und appelliert an die Mitglieder des Bundestages, die Problematik so ernst zu nehmen wie die Ergebnisse der PISA-Studie: „Ein gutes Zeichen wäre es zum Beispiel, eine Anhörung von Betroffenen und Experten im Deutschen Bundestag durchzuführen, damit die Politik dieser Problematik bürgernahe Aufmerksamkeit zeigt.“

Auch die Kreisvolkshochschule Nordhausen steht Wählern mit mangelnder Lesekompetenz zur Seite: Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld niemanden haben, der ihnen hilft, beispielsweise die Unterlagen für eine Briefwahl zu beantragen, können sich vertrauensvoll an die Volkshochschule wenden. Außerdem bietet die VHS regelmäßig Alphabetisierungskurse an. Der nächste startet am 7. Oktober, um 16.30 Uhr. Der Kurs ist gebührenfrei. Für weitere Informationen steht die VHS zur Verfügung, Grimmelallee 60, telefonisch unter 03631/60910.
Autor: nnz

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