Di, 13:15 Uhr
28.07.2009
In eigener Sache
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und ihre Vergangenheit sind Thema einer Sonderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Sie reflektiert quasi die Autobiographie einer Institution...
Unter dem Titel Wissenschaft, Planung, Vertreibung – Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten zeigt die Deutsche Forschungsgemeinschaft im August und September 2009 in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora eine Sonderausstellung zu ihrer eigenen Geschichte. Die Schau widmet sich der engen Verbindung akademischer Forschung, zielgerichteter Planung und Wissenschaftsförderung im Dienst der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik.
Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 3. August 2009 um 19 Uhr vom Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Matthias Kleiner. Ein Grußwort spricht Bernward Müller, Kultusminister Thüringens und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Im Zentrum eines anschließenden Gastvortrags steht ein Teilbereich des Ausstellungsthemas: Der Historiker Prof. Dr. Willi Oberkrome von der Universität Freiburg beschäftigt sich mit der landwirtschaftlichen Ostforschung im Nationalsozialismus. Die Ausstellung skizziert die Vorgeschichte des Generalplans Ost und beleuchtet die Rolle der Wissenschaft bei den deutschen Planungen für eine ethnische Neuordnung Osteuropas während des Zweiten Weltkriegs.
Auch die Realitäten von Umsiedlung, Vertreibung und Völkermord zwischen 1939 und 1945 geraten dabei in den Blick. Unter der Bezeichnung Generalplan Ost wurde eine Denkschrift zur Germanisierung der Ostgebiete bekannt, die SS-Chef Heinrich Himmler im Juni 1942 vom Berliner Agrarwissenschaftler Prof. Konrad Meyer übergeben worden war.
Dieser Plan sah vor, innerhalb von 25 Jahren fast fünf Millionen Deutsche im annektierten Polen und im Westteil der eroberten Sowjetunion anzusiedeln. Millionen slawischer und jüdischer Bewohner dieser Regionen sollten versklavt, vertrieben und ermordet werden. Die Planungen verdeutlichen den verbrecherischen Charakter der NS-Politik. Zugleich belegen sie die Skrupellosigkeit der daran beteiligten Experten, deren Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in beträchtlichem Umfang finanziert worden waren.
Im Jahr 2000 hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein umfangreiches Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um ihre Geschichte im Nationalsozialismus aufarbeiten zu lassen. Im Kontext dieser Forschungsbemühungen ist auch die Ausstellung zum Generalplan Ost entstanden, die seit 2006 bereits an zahlreichen Orten präsentiert wurde.
Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zeigt die Ausstellung vom 4. August bis zum 25. September in der Ausstellungsbaracke im ehemaligen Häftlingslager; geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (montags geschlossen). Der Eintritt ist frei.
Autor: nnzUnter dem Titel Wissenschaft, Planung, Vertreibung – Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten zeigt die Deutsche Forschungsgemeinschaft im August und September 2009 in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora eine Sonderausstellung zu ihrer eigenen Geschichte. Die Schau widmet sich der engen Verbindung akademischer Forschung, zielgerichteter Planung und Wissenschaftsförderung im Dienst der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik.
Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 3. August 2009 um 19 Uhr vom Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Matthias Kleiner. Ein Grußwort spricht Bernward Müller, Kultusminister Thüringens und Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.
Im Zentrum eines anschließenden Gastvortrags steht ein Teilbereich des Ausstellungsthemas: Der Historiker Prof. Dr. Willi Oberkrome von der Universität Freiburg beschäftigt sich mit der landwirtschaftlichen Ostforschung im Nationalsozialismus. Die Ausstellung skizziert die Vorgeschichte des Generalplans Ost und beleuchtet die Rolle der Wissenschaft bei den deutschen Planungen für eine ethnische Neuordnung Osteuropas während des Zweiten Weltkriegs.
Auch die Realitäten von Umsiedlung, Vertreibung und Völkermord zwischen 1939 und 1945 geraten dabei in den Blick. Unter der Bezeichnung Generalplan Ost wurde eine Denkschrift zur Germanisierung der Ostgebiete bekannt, die SS-Chef Heinrich Himmler im Juni 1942 vom Berliner Agrarwissenschaftler Prof. Konrad Meyer übergeben worden war.
Dieser Plan sah vor, innerhalb von 25 Jahren fast fünf Millionen Deutsche im annektierten Polen und im Westteil der eroberten Sowjetunion anzusiedeln. Millionen slawischer und jüdischer Bewohner dieser Regionen sollten versklavt, vertrieben und ermordet werden. Die Planungen verdeutlichen den verbrecherischen Charakter der NS-Politik. Zugleich belegen sie die Skrupellosigkeit der daran beteiligten Experten, deren Arbeiten von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in beträchtlichem Umfang finanziert worden waren.
Im Jahr 2000 hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein umfangreiches Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um ihre Geschichte im Nationalsozialismus aufarbeiten zu lassen. Im Kontext dieser Forschungsbemühungen ist auch die Ausstellung zum Generalplan Ost entstanden, die seit 2006 bereits an zahlreichen Orten präsentiert wurde.
Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zeigt die Ausstellung vom 4. August bis zum 25. September in der Ausstellungsbaracke im ehemaligen Häftlingslager; geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr (montags geschlossen). Der Eintritt ist frei.



