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Do, 07:00 Uhr
09.07.2009

nnz-Forum: Ein Bleicheröder zieht in den Krieg

Mit großem medialen Interesse wurde durch den Vertreter der Stadt Bleicherode ein Einwohner dieser friedliebenden Stadt zum Kriegseinsatz nach Afghanistan verabschiedet. Dazu die Anmerkungen eines nnz-Lesers...


Ich fühlte mich beim Lesen dieser Nachrichten gleichwohl in die Jahre 1914 und 1939 versetzt. Damals wurden ebenfalls mit viel nationalem Tam-Tam junge Männer zum Kriegseinsatz verabschiedet. In gleicher Sekunde stellte ich mir vor, wie die „Schwerter zu Pflugscharen-Fuzzis“ 1988 bei einer solchen Verabschiedung von Angehörigen der NVA durch den 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Nordhausen reagiert hätten. Gott sei Dank brauchte sich von diesen Menschen niemand vor dem Bleicheröder Rathaus verbrennen.

Ich erfahre noch, dass dieser Einwohner der Stadt Bleicherode ein junger Familienvater sei, der gerade ein neues Haus gebaut habe. Erkenne ich da Motive des Handelns? Menschen in einem fremden Land, welches der BRD nie einen Krieg erklärte, zu erschießen, um mit dem Sold ein Haus zu finanzieren? Welch' ein Irrsinn.

Was muss im Kopf des Verwaltungsvertreters vorgehen, wenn er eines Tages der Frau und den Kindern die Nachricht überbringen müsste, dass der Mann und Vater beim Morden selbst das Leben verlor? Gut, er kann an die überreichte Fahne Trauerflor binden und diese vor die Linse der Kameras halten. Warten wir es ab.
Jürgen Nagel, Nordhausen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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Kommentare
eccehomo
09.07.2009, 23:33 Uhr
Unverschämtheit!
Es ist eine Unverschämtheit, wie Herr Nagel hier jene verunglimpft, die sich zu DDR-Zeiten für eine friedliche Gesellschaft eingesetzt haben.

Sagen Sie uns doch, was für ein "Fuzzi" Sie zu DDR-Zeiten waren, Herr Nagel! Nach der anmaßenden und beleidigenden Tonart, die Sie noch heute anschlagen, vermute ich stark, dass Sie damals schon anderen gezeigt haben, wo es langzugehen hat. Oder irre ich?

Enttäuscht bin ich von der Redaktion, dass solche Beleidigungen unkommentiert veröffenlicht werden.
Wolfgang Reinhardt
10.07.2009, 08:08 Uhr
Wahrheit
Herr eccehomo, ich glaube Sie haben den Artikel entweder nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden. Ich teile den Standpunkt des Herrn Nagel völlig.
denk-mal
10.07.2009, 08:52 Uhr
was soll das ?
es ist völlig egal was herr nagel zu ddr zeiten gemacht hat, ("liebe eccehomo") er hat recht.
menschen dürfen nicht mehr in den krieg geschickt werden um zu töten oder getötet zu werden.

immer wenn jemand zum schutz oder für den frieden mit waffen los ging, hatte der jenige den job übernommen, sein leben für irgendwelche wirtschaftlichen interessen anderer seinen kopf hinzuhalten. ob das bei den alten römern war, bei den kreuzzügen, der erste oder zweite weltkrieg!
was haben wir in afghanistan verloren?
Willi
10.07.2009, 13:14 Uhr
kein Krieg!
„Definition Krieg (Quelle Wikipedia.de):
Krieg ist ein unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem mehrere planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. Ziel der beteiligten Kollektive ist es, den Konflikt durch gewaltsame Kämpfe und Erreichen einer Überlegenheit zu lösen. Die dazu stattfindenden Gewalthandlungen greifen gezielt die körperliche Unversehrtheit gegnerischer Individuen an und führen so zu Tod und Verletzung. Krieg schadet so auch der Infrastruktur und den Lebensgrundlagen der Kollektive.“

Da die deutschen Soldaten lediglich im Verteidigungsfall ihre Waffen einsetzen und die Infrastruktur eher versuchen instand zusetzen als zu zerstören befinden sich die Soldaten in Afghanistan auch nicht in einem Krieg, gegen wen denn auch???? Für mich ist das ein Hilfseinsatz den die Taliban und Al-Qaida mit aller Gewalt verhindern wollen. Sollte es gelingen die Lebensqualität des afghanischen Volkes wesentlich zu verbessern entzieht man den Terroristen nämlich die Anhängerschaft und das wäre für diese fatal. Was ist denn die Alternative zu dem Einsatz in Afghanistan? Dazu gibt es hier keine Vorschläge! Sollte man wirklich den Terroristen wieder das Feld überlassen? Die Folge für das afghanische Volk wären doch mehr Terror und Unterdrückung als das heute der Fall ist. Ist es das was die sogenannten Kriegsgegner hier wollen?????
worschtesuppe
10.07.2009, 17:21 Uhr
Hilfe in wessen Auftrag?
@Willi

Wenn Sie die ganze Situation an der Definition von "Krieg" festmachen, haben Sie natürlich recht.
Deutschland ist relativ selten direkt in Kriegshandlungen verwickelt, sodass man leicht beruhigt von humanitären Einsätzen berichten kann.
Aber so einfach ist das eben nicht.

"Wir" (und auch andere Nationen) haben dort nichts verloren. Es hat niemals niemand aus diesem Land, uns oder irgendwen um irgendwelche Hilfe gebeten.
Der einzige Grund warum die Bundeswehr dort ist, ist die angebliche Erfüllung eines NATO-Bündisfalles, welcher aber meines Erachtens gar nicht existieren dürfte da die USA NIEMALS angegriffen wurden.

Und ich behaupte dies, weil Amerika noch immer keine hieb- und stichfesten Beweise eines Angriffes am 11. September 2001 der Weltöffentlich vorgelegt hat, die ein solches Vorgehen rechtfertigen, die Betonung liegt auf "hieb- und stichfest". Dies hier zu diskutieren führt allerdings zu weit.

Also ist folglich jeder unrechtmäßige Aufenthalt in diesem Land eine Besatzung, und die Besetzten wehren sich dagegen was zwangsläufig im Krieg endet. Dabei spielt es in meinen Auge keine Rolle wann, wie lange oder wie oft kriegerische Handlungen egal welcher Seite durchgeführt werden.
Der Fakt ist nunmal dass sich Deutschland nur auf Befehl der NATO und damit vorrangig der USA (welche sicher die meisten Kriegshandlungen vollzieht) in Afghanistan befindet, damit Teile eines Landes besetzt und folglich im Krieg involviert ist.

Was mir außerdem auffällt, ist dass viele Diskussionen zeitlich ausschließlich im Hier und Jetzt stattfinden. Bitte vergessen Sie nicht sich auch zu fragen und zu informieren wie es zu bestimmten weltpolitischen Situationen und Konstellationen seit dem 2. WK gekommen ist.
Denn nur durch einen gewissen Über- und Einblick in die Materie lassen sich die aktuellen Situationen und Lagen in einem anderen Licht, mit anderen Augen betrachten.

Und dazu muss man kein geschichtlich und politisch Hochgelehrter sein, sondern aus vielen verschiedenen Quellen Informationen beziehen.
Okieh
10.07.2009, 18:15 Uhr
Wer den Teufel rief…
Im Dezember 1979 landeten die ersten sowjetischen Elitesoldaten in Kabul und besetzten strategisch wichtige Einrichtungen. Die Truppenstärke wurde bis 1988 weiter auf etwa 115.000 Mann verstärkt. Warum jedoch machte sich der Russe diese Mühe? Nach Übernahme der Macht 1979 durch die DVPA (Demokratische Volkspartei Afghanistans), betrieb diese eine gesellschaftliche Umgestaltung (Bildungsprogramm, Verweltlichung, Bodenreform etc.)

Auch die Vertreibung ehemals privilegierter Gruppen gehörte zu der Reform. Nicht von Jedem wurde dieser Umschwung jedoch gut geheißen. Es bildete sich Wiederstand, selbst in den Reihen der DVPA. Um diese Reform jedoch Nachdruck zu verleihen, rückten die Russen im Dezember 1979 in Kabul ein.

Die USA unterstützten die Mudschahedin-Gruppen, welche sich zum Zweck des Wiederstandes gebildet hatten. Die Mudschahedin-Gruppen wurden mit Geld, Waffen (unter anderem mit hochmodernen Stinger-Raketen) und KnowHoff durch die USA unterstützt.

Nun 30 Jahre danach müssen wir uns mit den Scherben des kalten Krieges herumschlagen. Auch wie zur Zeit der Invasion der Russen, gibt es auch heute zwei Gruppierungen. Eine der Religion und der Tradition treuen und eine bereit zur Verweltlichung und zur Demokratie. Nur werden in unserem Jahrhundert die Kämpfe nicht nur in Afghanistan ausgetragen. Der Fanatismus trägt den Krieg in unsere Städte.

Wenn die NATO aus Afghanistan abzieht, geben wir dem Islam und deren Fanatischen Krieger Handlungsfreiheit.

Es ist kein Krieg, wir leisten Hilfe. Im Einsatz befinden sich meines Wissens auch keine Grundwehrdienstler, sondern reine Berufssoldaten. Wenn ich mich für einen Beruf entscheide, muß ich mir des Arbeitsprozesses bewußt sein. Zum Glück gibt es Menschen die sich dieser Verantwortung bewußt sind.
Willi
10.07.2009, 18:52 Uhr
@worschtesuppe
Im Auftrag der UNO! Das ganze steht nämlich unter einem UNO Mandat!
juena
14.07.2009, 14:48 Uhr
Sehr geehrter Herr Eccehomo
Leider komme ich erst jetzt dazu, Ihnen im Rahmen des Forums eine Antwort zu schreiben.

Im ersten Satz Ihres Widerspruches liegt für mich die Quelle meiner deftigen Bezeichnung "Fuzzi". Sie schreiben: "Herr Nagel hier jene verunglimpft, die sich zu DDR-Zeiten für eine friedliche Gesellschaft eingesetzt haben".

Warum also nicht heute. Ist diese Gesellschaft, die Weltordnung heute friedlicher als damals? Ich sage, 1. nein.
Der damalige Ruf: "Schwerter zu Pflugscharen" zielte
2. auf die einseitige Entwaffung der Staaten rechts der Elbe und nicht auf eine weltweite Abrüstung. Aus diesem Grunde war sie
3. halbherzig

Sehr geehrter Herr Eccehomo,

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr' ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich.

F.Nietzsche: Ecce Homo
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