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Mo, 08:11 Uhr
27.04.2009

An Wahlen erinnern

In der kommenden Woche soll in Nordhausen wieder mal an das Wendejahr 1989 erinnert werden. Im Mittelpunkt stehen die damaligen Wahlen zur Volkskammer. Dazu referiert ein Leiter eines DDR-Museums.

Bürgerprotest (Foto: Stadtarchiv) Bürgerprotest (Foto: Stadtarchiv)

Der Berliner Historiker Stefan Wolle wird am 7. Mai, um 19.00 Uhr, anlässlich des Gedenkjahres "20 Jahre friedliche Revolution in Nordhausen" im Bürgersaal des Neuen Rathauses zu Gast sein. Zu seinem Vortrag "Das letzte Mal zum Zettelfalten - Die Volkswahlen vom 7. Mai 1989 und die Entlarvung des Wahlbetruges durch Oppositionsgruppen" sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Wahlen in der DDR waren wenig aufregend. Es gab am Wahlabend keine Hochrechnungen, kein Zittern um Prozentpunkte und keine Elefantenrunden. Alles stand vorher fest, die Abgeordneten, die Stärke der Fraktionen und vor allem die führende Rolle der Partei. Rund 99 Prozent der Wähler stimmten jedes Mal für die Kandidaten der Nationalen Front. Am Wahlsonntag selbst wurde Volksfeststimmung inszeniert. Vor den Wahllokalen standen Junge Pioniere und sangen Lieder. Erstwähler wurden mit einem Blumenstrauß begrüßt. Die Gesichter der Wahlkommission vereisten allerdings, wenn sich tatsächlich ein Wähler mit dem Zettel in die Wahlkabine begab, um dort Streichungen vorzunehmen. Im Grunde enttarnte er sich als Feind des Sozialismus. Es gibt Beispiele dafür, dass solche Wähler notiert wurden. Oft tauchen diese Vorgänge in den Stasi-Akten auf.

Erst die Oppositionsgruppen, die damals unter dem Schutz der Kirche agierten, kamen auf die Idee, die Wahlen ernst zu nehmen. Nach ersten Versuchen im Jahre 1987 versuchten Bürgerrechtler, bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 den Wahlvorgang zu überprüfen. Sie nahmen an den öffentlichen Auszählungen statt und addierten die Gegenstimmen. Tatsächlich gab es erhebliche Differenzen. Die Bürgerrechtler zählten in manchen Stimmbezirken rund zehn Prozent Gegenstimmen.

Die Bürgerrechtsgruppen beschlossen, an jedem siebenten des Monats auf dem Berliner Alexanderplatz gegen die Wahlfälschung zu demonstrieren. Am 7. Juni 1989 zerstreute ein Großaufgebot der Stasi kleine Gruppen von Demonstranten. Einen Monat später wiederholte sich das Spiel vor den laufenden Kameras des Westfernsehens. Jedes Mal kamen mehr, und so kam es, dass viele wussten: Am 7. Oktober 1989 - zum Republikgeburtstag - pünktlich um 17 Uhr an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz wird es losgehen. Tausende zogen vom Alex zum Palast der Republik und forderten Demokratie und freie Wahlen. So wurden die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR zur Totenfeier des SED-Systems.

Wie in Berlin waren auch in Nordhausen Wahlen und Wahlbetrug ein großes Thema, mit dem sich Oppositionsgruppen auseinander setzten. Die letzten Volkswahlen der DDR fanden am 7. 5. 1989 im heutigen Bürgersaal des Neuen Rathauses statt.

Stefan Wolle, geboren 1950, hat Geschichte an der Humboldt Universität Berlin studiert. 1972 wurde er aus politischen Gründen von der Uni verwiesen und arbeitete danach in einem Produktionsbetrieb. Von 1976-89 war er Mitarbeiter der

Akademie der Wissenschaften der DDR und promovierte 1984. 1990 war er Mitarbeiter des Komitees für die Auflösung des MfS, in den folgenden Jahren war er Assistent an der Humboldt Uni, Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Referent bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Heute ist er freier Autor und seit 2006 wissenschaftlicher Leiter der DDR Museums Berlin.
Autor: nnz

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Kommentare
Real Human
27.04.2009, 17:35 Uhr
ADENAUER baute die Mauer ...
... und seine CDU stimmte letztlich zu!

„Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das Deutsche. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden, die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgen sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung, als ihre wirklichen Feinde.“
Napoleon Bonaparte

Dies fand ich im Blog von Anne Will zur gestrigen Sendung (26.04.2009) zum Thema „Zwischen Unrechtsstaat und Ostalgie“ Leider bringt man solche Sendungen zu Zeiten, zu denen normale Menschen schon im Bett liegen, um am nächsten Tag als ausgeruhte Kapitalistenknechte/mägde für den nächsten Kasinobesuch der oberen Zehntausend zu schuften.

Zum Trost: Auf EinsExtra wird die Sendung um 20.15 Uhr noch einmal wiederholt. (Außerdem kann man sie im Internet noch einmal nachsehen – vorausgesetzt, man hat ausreichend schnelles DSL.)

Wenn nicht, Anne Will's Blog ist viel interessanter, denn dort reden nicht mehr oder weniger abhängige Berufspolitiker, dort schreibt das Volk! Gegen das, was von Manchen dort geschrieben wird, war die in der Sendung öfters dargebotene Talkshow-Polemik fast geistiger Abfall.

Wer sich auf die obige Veranstaltung vorbereiten will, dem kann ich den Will-Blog nur empfehlen. Er ist mit seinen mittlerweile 499 Kommentaren ein wahre Fundgrube. Um nicht wieder mit MEINEN „ellenlangen Kommentaren“ zu langweilen, empfehle ich Nr. 451 von „Abu Karim ibn Alf al Alf al Alemani“, dem ich zu 90% beipflichten kann.

Wem meine Überschrift zu unqualifiziert/polemisch erscheint, dem empfehle ich das Buch von Dominik Geppert und Udo Wengst „Neutralität – Chance oder Chimäre? / Konzepte des Dritten Weges für Deutschland und die Welt 1945-1990“!
handwerker61
27.04.2009, 21:42 Uhr
Welch verschrobene Ansichten
Ich gehöre zu den Leuten die Kapitalsmusknechte und Mägde in Lohn und Brot haben. Allerdings fehlt mir, bei einer 60 Stundenwoche dieZeit und leider auch das Geld für Casinobesuche. Meine Knechte und Mägde arbeiten 40 Stunden der Knecht 22 die Magd.Sie haben einen Stundenverdienst von etwa 10,00 Euro. Davon bin ich als Ausbeuter weit entfernt. Träum weiter DUBTSCHENKO.
Real Human
28.04.2009, 10:12 Uhr
An „handwerker61“
Ich meinte doch nicht Sie,

Herr „handwerker61“! „Träumen“ Sie weiter von Ihren Bilanzen – hoffentlich sind es keine Alpträume – aber behandeln Sie Ihren „Knecht“ und Ihre „Magd“ anständig. Ich wünsche Ihnen mehr Zeit, um auch einmal darüber nachdenken zu können, was sich in der Gesellschaft ändern müsste, damit sich Ihre wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessern und Sie ihren Mitarbeitern auch weiterhin mindestens 10 Euro/h zahlen können. Möge Ihr kleines Unternehmen wachsen und gedeihen. Möge auch Ihr Einkommen Ihren Mühen und Sorgen endlich angemessen sein! Möge es aber nicht so weit kommen, dass Sie die mit Hilfe Ihrer „Knechte“ und „Mägde“ erarbeiteten Gewinne mit spekulativen Finanzmarkt-Zertifikaten – das meinte ich mit „Casinobesuchen“ – verzocken!

Mein „Pseudonym“ leite ich übrigens von Alexander Dubtschek ab. Er kämpfte – leider erfolglos – für einen „Sozialismus mit menschlichen Antlitz“, hatte aber für den Kapitalismus eines Vaclav Havel nichts übrig.
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