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Mi, 15:41 Uhr
21.08.2002

nnz-Forum: Ist Neustadt nicht älter?

Neustadt (nnz). 675 Jahre Neustadt? Hat Neustadt unterm Hohnstein überhaupt ein echtes Wappen, ist dies nicht ein mögliches Vergehen am historischen Ruhme des heute kaum wahrgenommenen Hohnsteiner Grafengeschlechts? Diesen Fragen geht ein nnz-Leser im Forum nach.


Laut Auskunft des Thüringer Hauptstaatsarchiv hat die Grafschaft Hohnstein, nicht Neustadt, ein Wappen, welches nach dieser amtlichen Auskunft „in sich geschacht ist von Silber und Rot auf zwölf Plätzen“, das Wappen, nämlich jenes der vielberühmten, teilweise vergessenen Grafschaft Hohnstein, deren Bedeutung heute nicht mehr genug herausgestellt wird. Deren Zentrum ist der Ort Neustadt unterm Hohnstein , in dem die Bürger im Jahre 1485 Stadtrechte bekamen und sich ein Rathaus bauten. Aber dieses Wappen hat nichts mit jenem gemein, welches Neustadt offiziell zeigt. Ist die Frage des Neustädter Wappen von kriminalwissenschaftlich heraldischem, ja historischem Interesse ? Irrt das Thüringer Hauptstaatsarchiv mit diesem Urteil zu Neustadt ?

Nun nach dem von Iffland in 2000 neuaufgelegten, von 1790 stammenden Buch „Geschichte der Grafschaft Hohnstein“, s.S. 88 ff., führten die gräflichen Häuser Hohnstein ein Wappen, “welches hernach an Braunschweig gekommen ist. Es war ein im silbernen Felde fortschreitender Hirsch.“ Also ist dies das richtige Wappen ? Im älteren Wappenbuch des Johannes Siebmachers von 1605 findet sich das Hohnsteiner nicht und auch gar keines von Neustadt ? Und nun ?

Ziehen wir die Festschrift zur 200jährigen Jubelfeier der Vereinigung der Grafschaft Hohnstein mit dem brandenburgisch-preußischen Staate zu Rate (1899), und siehe da, wir werden fündig. Dort steht auf S. 7 ff. geschrieben „ Die Meinungen über das Wappen der Grafen von Hohnstein gehen auseinander. Eckstorm bringt die Abbildung eines schwarzen Hirsches im silbernen Felde und darüber ein Hirschgeweih“, ...wogegen auch... „als Wappen der Grafen von Hohnstein das zwölffeldige rote und weiße Schachschild mit Hirschstangen“ bezeichnet wird.

Aber diese Wappen haben nicht viel mit dem in Neustadt offiziell gezeigten Wappen gemein, so wird die Frage aufgeworfen, kann man sich selbst ein Wappen geben, wird man dem unzweifelhaften Verdienst und dem über die Jahrhunderte erstrahlenden, bisher unzureichend erforschten oder dargestelltem Ruhm des „Honsteiner“ Grafschaftgeschlechtes gerecht ?

Der Autor darf dies bewußt polarisieren und dankt Herrn Reimut Baumgarten / Niedersachswerfen als ausgewiesener Kenner der Heraldik, der Lehre der Wappenkunde und Herrn Ralf Napiralla / Nordhausen für Literatur und kenntnisreiche Unterstützung, ohne die diese kleine Abhandlung nicht wirklich möglich gewesen wäre. Und ganz zum Schluß bleibt die Frage, ist Neustadt nicht älter als 675 Jahre? Es ist anzunehmen das Nowenstadt mit Bestehen des wirklich überaus bedeutenden Grafengeschlechtes auf der namensgebenden Stammburg Hohnstein schon wesentlich eher existierte, ist Neustadt also vielleicht mehr als tausend Jahre alt ?
Tim Schäfer, Niedersachswerfen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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