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Di, 17:29 Uhr
20.08.2002

Alles Helden!!!

Nordhausen (nnz). Das Hochwasser uns seine Folgen. Viele Nordhäuser helfen, auch Bürger aus Herreden und Nordhausen waren am Wochenende unterwegs. nnz veröffentlicht einen Bericht von Matthias Mitteldorf.


Der 5-jährige "Stift" bringt die leeren Sandsäcke zu seiner großen Schwester. Die hält den Sack auf, damit die Mutti den Sand einfüllen kann. Der Vati trägt die Säcke zum Lkw. Wenn Oma und Opa gerade keine Helfer mit Essen und Getränken versorgen, sammeln sie die leeren Verpackungen in Müllsäcke ein.

Ist der Lkw voll beladen setzen sich junge Männer und starke Frauen auf die Sandsäcke und ab geht´s zur Hauptkampflinie (HKL). Dort werden sie schon von Hunderten sehnsüchtig erwartet. Die HKL ist der Deich, und die Hunderte sind Helfer aus ganz Deutschland. Sie sind Anwohner, unzählige Freiwillige von Bayern bis zur Ostsee, THW u. Feuerwehrhelfer-Helfer (manche nicht älter als 16), Polizisten und Bundeswehrangehörige. Glühende Hitze, mit dem Einsetzen der Dämmerung Schwärme von Mücken, fauliger Gestank des immer höher steigenden Wassers.

Wo zu wenig Helfer da sind, um eine Transportkette zu bilden, setzen Hubschrauber die Sandsäcke punktgenau ab. Diese Manöver sind auch gerade nachts unglaublich gefährlich: die schwebende Last wiegt etwa eine Tonne; eingewiesen werden die Piloten nur durch eine Markierungstaschenlampe und eine Leuchtkelle; unten hunderte Menschen; wird der Sand abgesetzt, schwebt der Hubschrauber nur ca. 15 m über den zusammengekauerten Helfern, die nur einen Meter neben dem Wasser sind; das Transportnetz muß dann 1,5 km hinter dem Deich zum nächsten Landeplatz mit wenigstens 4 Mann durch kniehohes Wasser geschleppt werden. Es muß ja weiter gehen.

Die Stimmung ist gut. Keine Kommandotöne. Nur Gebrüll, wenn ein Hubschrauber an uns vorbei zu einer anderen gefährdeten Stelle fliegt. Es wird gesungen: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unser Damm hier nicht!". Traurigkeit zieht ein, denn "unser" Damm soll zu 3. Mal aufgegeben werden. Sicherheit geht vor, sagen die Bayrischen THW - Spezis. Die neuen Ostthüringer FFW-Einheiten aus Rudolstadt u. Saalfeld verweigern den Rückzug und zwingen das THW das Flutlicht am Deich wieder aufzubauen. Der eigentliche "Hakenwall" heißt jetzt "Thüringer Wall". Da die Einsatzleitung gewechselt wird, darf weitergearbeitet werden, die ganze Nacht durch. Unser Damm hält bis heute, Dienstag, und Dessau bleibt trocken, auch wenn Waldersee aufgegeben werden mußte. Wir sehen Häuser bis kurz vorm Dach im Wasser, keine 500 m von uns entfernt, ein DIXI-Klo schwimmt an uns vorbei, tote aufgedunsene Tiere. Aber Dessau ist vorerst gerettet.

Erschöpft aber sehr stolz kommen wir zurück zum Auto bei der Ausgangstelle in Dessau-Ost, hinter den letzen künstlichen Schutzwall, den wir auch miterrichtet haben. Dort weinen Menschen aus Waldersee, am Fahrrad nur die nötigsten Sachen, um Ihr Zuhause. Diese Eindrücke in Worte zu fassen ist eigentlich unmöglich.
Ich bitte alle Leser der nnz, am Samstag, den 24.8., ab 15.00 Uhr zur großen Benefiz-Veranstaltung nach Herreden zu kommen. Sie erleben BARTLOS und viele andere Highlights! Bringen Sie bitte viel Geld für die Flutopfer mit.
Ihr Matthias Mitteldorf
Autor: nnz

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