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Mi, 12:50 Uhr
07.08.2002

Neue Zeit mit dunklen Wolken?

Nordhausen (nnz). Kennen Sie die Gruppenfreistellungs-verordnung (GVO)? Im Kraftfahrzeughandwerk beschäftigt man sich schon lange mit diesem EU-Machwerk. Welche dramatischen Auswirkungen die neue Verordnung haben wird, das wurde heute in einem Pressegespräch deutlich.


Der Geschäftsführer der Autohaus Peter GmbH, Helmut Peter, hatte die nnz zu einem Gespräch eingeladen. Neben Vertretern des Nordthüringer Handwerks war auch die Chefredakteurin der Fachzeitschrift „kfz-betrieb“, Anita Friedel-Beitz, mit in der Runde. Mit der ab Oktober in Kraft tretenden GVO werden praktisch die bisherigen Marktgrenzen im automobilen Handel aufgelöst. Jeder Händler könne quasi jedes Neu-Auto verkaufen, das in seinen Ausstellungssalon passt. Das bisherige exklusive Vertriebsnetz hat der EU-Kommissar Mario Monti gesprengt und die mobilen Giganten wie DaimlerChrysler, BMW oder Volkswagen haben untätig zugesehen.

Auch jetzt noch verharren die Konzernzentralen wie beim Mikado-Spiel: Niemand will sich zuerst bewegen, vielleicht ist der Erste später der Verlierer? Die Igelmanie macht indessen den Händlern in Stadt und Land schwer zu schaffen. Sie wissen nicht, wie es ab September weitergehen soll. Ende jenes Monats laufen die Händlerverträge aus, werden aber - sofern nicht durch den Konzern gekündigt - immer wieder verlängert. Mittlerweile sind nicht weniger Händler in einem Strudel geraten, der an Gefährlichkeit für die Existenz wohl kaum noch zu überbieten ist: Keine Aussagen von den Herstellern bedeutet keine Planung bei den Händlern, das wiederum bringt die Banken auf den Plan. Die drehen vielleicht den Geldhahn zu, vielleicht auch nicht?

Der Hauptgeschäftsführer des Nordthüringer Handwerks, Dr. Bernhard Senft, sieht für die Kfz-Zunft dunkle Wolken zwischen Heiligenstadt und Nordhausen aufziehen. „Wir rechnen damit, dass rund ein Drittel der jetzigen Betriebe die nächsten Jahre nicht überleben wird, die gleiche Zahl befindet sich jetzt schon in einer katastrophalen Situation“, so Dr. Senft. Im Klartext, die Unternehmen haben mehr Schulden als Eigenkapital, die Folge einer Neubewertung des Unternehmens durch die Banker. Zu den Fakten: In derzeit 162 Unternehmen des Kfz-Gewerbes in den Landkreisen Eichsfeld und Nordhausen arbeiten rund 1.200 Beschäftigte und 236 Azubis.

Die Frage, die in erster Linie die Autokäufer- und -fahrer beschäftigt ist klar definiert: Wie werden sich die Preise der Neuwagen entwickeln? Dazu soll es laut Anita Friedel-Beitz Studien zweier Universitäten geben, die zum Ergebnis kommen: Es wird sich nichts ändern, im Gegenteil! Pro Neufahrzeug soll der Kunde demnächst rund 350 Euro drauflegen. Fakt ist aber, dass der Markt ein gänzlich neuer sein wird. Das der Preis ausgerechnet im automobilen Sektor davon ausgenommen wird, mag kaum jemand glauben.

Bei aller Skepsis gegenüber Herrn Monti in Brüssel schwang zumindest bei Helmut Peter ein gewisses Maß an Optimismus: Die neue Regelung schafft auch neue Chancen für die einzelnen Unternehmen. Sie müssen einfach aufgespürt und angepackt werden.
Autor: nnz

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