Mo, 17:49 Uhr
19.01.2009
Wichtige Erfahrung
Ich bin seit 1996 in Deutschland. Letztes Jahr beim Praktikum habe ich zum ersten Mal mit Deutschen zusammengearbeitet, erzählte Kaiser Ahmed. Das Praktikum hat den gelernten Koch aus Bangladesch in die Küche des Südharzkrankenhauses geführt und war Teil seines Integrationskurses bei der Kreisvolkshochschule in Nordhausen.
Erfolgreiches Praktikum (Foto: KVHS)
Ein besonderer Integrationskurs: Ein üblicher gesetzlicher Kurs dauert rund sieben Monate, vermittelt Sprachkenntnisse sowie Wissen über den deutschen Staat und seine Gesellschaft. Im Integrationsprojekt Vom Nebeneinander zum Miteinander hatten nun zwölf Migranten und Spätaussiedler in der Kreisvolkshochschule zum ersten Mal im Kurs die Gelegenheit für ein sechswöchiges Praktikum. Hinter diesem Ansatz stecken drei wesentliche Ziele: Das Praktikum soll die Kursteilnehmer motivieren, ihre Sprachkenntnisse praktisch im Alltag und vor allem berufsbezogen einzusetzen. Gleichzeitig soll es die berufliche Qualifikation verbessern und dabei helfen, dass sich die Migranten in der deutschen Gemeinde vor Ort einleben.
Mein Praktikum hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel Neues gelernt. Es war eine wichtige Erfahrung für mein zukünftiges Leben. Mein Kollege war sehr nett und hat mir viel erklärt, berichtete Lufti Mucigi vom seinem Einsatz beim Bauhof der Stadtwerke Nordhausen. Der 45jährige Diplomingenieur aus dem Kosovo zeigte bei der heutigen Abschlusspräsentation des Projekts in der Kreisvolkshochschule einen kleinen Film von seiner Arbeit. Auch seine Kollegen aus dem Kurs erzählten dem Publikum kurz, was sie in ihrem Praktikum gemacht haben.
Buppha Riedel aus Thailand beispielsweise hat sehr erfolgreich die Arbeit einer Floristin in einem Nordhäuser Blumengeschäft getestet und sich gleich mit ihrer Chefin angefreundet. Vera Tabler half in der Stadtbibliothek und Alla Komarova bei Schrankenlos, einem Verein gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Oder Sandra Jeske aus der Dominikanischen Republik, die in einer Kindertagesstätte arbeitete. Mir hat gut gefallen, dass ich in den Tagesablauf der Firma integriert war, nur Deutsch gesprochen habe und meine Fehler gleich korrigiert worden, meinte Irene Goertz, die in der privaten Arbeitsvermittlung Speedwork am Schreibtisch saß. Genau diesen Effekt soll das Praktikum zeigen: Die Migranten nutzen ihre Deutschkenntnisse am Arbeitsplatz.
Sie sind alle wesentlich sicherer geworden in Ihrem Auftreten. Mal ehrlich, wer von Ihnen hätte sich vor sechs Monaten schon getraut, sich vor eine so große Gruppe zu stellen und etwas auf Deutsch zu sagen? Das ist ein großer Schritt. Jeder von Ihnen hat etwas gewonnen, sagte Heidi Radtke-Seidu, die sozialpädagogische Betreuerin der Gruppe, heute stolz über ihre Schüler, die sie gut auf den kommenden Deutschabschlusstest vorbereitet sieht. Um für jeden Migranten einen möglichst passenden Praktikumplatz zu finden, hat sie mit jedem vorher gesprochen. Manche haben vergessen, wo ihre Stärken liegen. Sie haben beispielsweise geheiratet und dann aufgehört zu arbeiten, sagte Heidi Radtke-Seidu.
Dann musste die Kursleiterin ein wenig aus ihren Schützlingen herauskitzeln, wo sie beruflich hinmöchten, welche Träume und Ziele sie haben. Schließlich sollte das Praktikum an bestehende Berufserfahrungen anknüpfen. Diese und andere Fragen nach dem Werdegang waren auch wichtig für die berufliche Potentialanalyse, die ebenfalls zum Kurs gehörte. Außerdem lernten die Migranten ganz praktisch, zum Beispiel wie man eine Bewerbung schreibt. Viele konnten vorher gar nicht mit einem Computer umgehen und da haben wir unter anderem gezeigt, wie man im Internet nach Stellenanzeigen sucht, berichtete Heidi Radtke-Seidu.
Vorbild für den nun ablaufenden Kurs in der Kreisvolkshochschule war ein erfolgreiches Pilotprojekt im Weimarer Land, woraufhin der Thüringer Volkshochschulverband diesen erweiterten Integrationskurs nun bis März an neun weiteren Standorten erprobt – Nordhausen ist einer davon. Gefördert wird dies vom Thüringer Innenministerium. Ob es einen solchen Kurs wieder geben wird, steht noch nicht fest. Der Antrag läuft, so Heidi Radtke-Seidu. Bei einer Wiederholung wünscht sie sich eine noch intensivere Auseinandersetzung mit den Berufsvorstellungen der Migranten, damit die Erfahrungen im individuell passenden Praktikum für jeden ein Erfolg werden. Da viele Migranten von den Leistungen der Arge abhängen, könnte ich mir gut vorstellen, dass auch die Arge Praktika anbieten könnte, sagte Heidi Radtke-Seidu.
Denn dass Praktika Migranten nicht nur sprachlich weiter bringen, sondern auch ihre Einstellung ändern können, zeigt das Eingangsbeispiel von Kaiser Ahmed, der vorher nur in indischen Restaurants gemeinsam mit Landleuten am Herd stand. Im Südharzkrankenhaus hat er nicht nur für die Patienten, sondern auch einmal in der Woche indisch für die Belegschaft gekocht. Jetzt suche ich Arbeit und möchte wieder in einer Großküche arbeiten. Ich will auch wieder mit Deutschen zusammenarbeiten, um mich selbst besser zu integrieren.
Autor: nnz
Erfolgreiches Praktikum (Foto: KVHS)
Ein besonderer Integrationskurs: Ein üblicher gesetzlicher Kurs dauert rund sieben Monate, vermittelt Sprachkenntnisse sowie Wissen über den deutschen Staat und seine Gesellschaft. Im Integrationsprojekt Vom Nebeneinander zum Miteinander hatten nun zwölf Migranten und Spätaussiedler in der Kreisvolkshochschule zum ersten Mal im Kurs die Gelegenheit für ein sechswöchiges Praktikum. Hinter diesem Ansatz stecken drei wesentliche Ziele: Das Praktikum soll die Kursteilnehmer motivieren, ihre Sprachkenntnisse praktisch im Alltag und vor allem berufsbezogen einzusetzen. Gleichzeitig soll es die berufliche Qualifikation verbessern und dabei helfen, dass sich die Migranten in der deutschen Gemeinde vor Ort einleben. Mein Praktikum hat mir viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viel Neues gelernt. Es war eine wichtige Erfahrung für mein zukünftiges Leben. Mein Kollege war sehr nett und hat mir viel erklärt, berichtete Lufti Mucigi vom seinem Einsatz beim Bauhof der Stadtwerke Nordhausen. Der 45jährige Diplomingenieur aus dem Kosovo zeigte bei der heutigen Abschlusspräsentation des Projekts in der Kreisvolkshochschule einen kleinen Film von seiner Arbeit. Auch seine Kollegen aus dem Kurs erzählten dem Publikum kurz, was sie in ihrem Praktikum gemacht haben.
Buppha Riedel aus Thailand beispielsweise hat sehr erfolgreich die Arbeit einer Floristin in einem Nordhäuser Blumengeschäft getestet und sich gleich mit ihrer Chefin angefreundet. Vera Tabler half in der Stadtbibliothek und Alla Komarova bei Schrankenlos, einem Verein gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus. Oder Sandra Jeske aus der Dominikanischen Republik, die in einer Kindertagesstätte arbeitete. Mir hat gut gefallen, dass ich in den Tagesablauf der Firma integriert war, nur Deutsch gesprochen habe und meine Fehler gleich korrigiert worden, meinte Irene Goertz, die in der privaten Arbeitsvermittlung Speedwork am Schreibtisch saß. Genau diesen Effekt soll das Praktikum zeigen: Die Migranten nutzen ihre Deutschkenntnisse am Arbeitsplatz.
Sie sind alle wesentlich sicherer geworden in Ihrem Auftreten. Mal ehrlich, wer von Ihnen hätte sich vor sechs Monaten schon getraut, sich vor eine so große Gruppe zu stellen und etwas auf Deutsch zu sagen? Das ist ein großer Schritt. Jeder von Ihnen hat etwas gewonnen, sagte Heidi Radtke-Seidu, die sozialpädagogische Betreuerin der Gruppe, heute stolz über ihre Schüler, die sie gut auf den kommenden Deutschabschlusstest vorbereitet sieht. Um für jeden Migranten einen möglichst passenden Praktikumplatz zu finden, hat sie mit jedem vorher gesprochen. Manche haben vergessen, wo ihre Stärken liegen. Sie haben beispielsweise geheiratet und dann aufgehört zu arbeiten, sagte Heidi Radtke-Seidu.
Dann musste die Kursleiterin ein wenig aus ihren Schützlingen herauskitzeln, wo sie beruflich hinmöchten, welche Träume und Ziele sie haben. Schließlich sollte das Praktikum an bestehende Berufserfahrungen anknüpfen. Diese und andere Fragen nach dem Werdegang waren auch wichtig für die berufliche Potentialanalyse, die ebenfalls zum Kurs gehörte. Außerdem lernten die Migranten ganz praktisch, zum Beispiel wie man eine Bewerbung schreibt. Viele konnten vorher gar nicht mit einem Computer umgehen und da haben wir unter anderem gezeigt, wie man im Internet nach Stellenanzeigen sucht, berichtete Heidi Radtke-Seidu.
Vorbild für den nun ablaufenden Kurs in der Kreisvolkshochschule war ein erfolgreiches Pilotprojekt im Weimarer Land, woraufhin der Thüringer Volkshochschulverband diesen erweiterten Integrationskurs nun bis März an neun weiteren Standorten erprobt – Nordhausen ist einer davon. Gefördert wird dies vom Thüringer Innenministerium. Ob es einen solchen Kurs wieder geben wird, steht noch nicht fest. Der Antrag läuft, so Heidi Radtke-Seidu. Bei einer Wiederholung wünscht sie sich eine noch intensivere Auseinandersetzung mit den Berufsvorstellungen der Migranten, damit die Erfahrungen im individuell passenden Praktikum für jeden ein Erfolg werden. Da viele Migranten von den Leistungen der Arge abhängen, könnte ich mir gut vorstellen, dass auch die Arge Praktika anbieten könnte, sagte Heidi Radtke-Seidu.
Denn dass Praktika Migranten nicht nur sprachlich weiter bringen, sondern auch ihre Einstellung ändern können, zeigt das Eingangsbeispiel von Kaiser Ahmed, der vorher nur in indischen Restaurants gemeinsam mit Landleuten am Herd stand. Im Südharzkrankenhaus hat er nicht nur für die Patienten, sondern auch einmal in der Woche indisch für die Belegschaft gekocht. Jetzt suche ich Arbeit und möchte wieder in einer Großküche arbeiten. Ich will auch wieder mit Deutschen zusammenarbeiten, um mich selbst besser zu integrieren.


