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Do, 17:40 Uhr
01.08.2002

Ehrlichkeit mit Seltenheitswert?

Nordhausen (nnz). Es scheint wieder einmal eine Phase der Bekenntnisse und Beichten ausgebrochen zu sein. nnz hat sich das Bereich der Versicherungen ausgeguckt, um die dort offenbarten Vorgänge zu registrieren. Und darüber zu berichten.


Eigentlich war da bei einem Unfall nur der Blinker kaputt gegangen, aber der ohnehin verschrammte Kotflügel wird bei der Gelegenheit gleich mit ausgewechselt: Wenn es um Schadenregulierung geht, nehmen es viele Versicherungsnehmer gerne nicht allzu genau ­ zu ihrem eigenen Vorteil und zu Lasten der Assekuranz.

Jeder Vierzehnte gesteht, beim jüngst zurückliegenden Schadenfall betrogen zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt das Kölner Meinungsforschungsinstitut „Psychonomics“ in einer aktuellen Umfrage. Die Sozialwissenschaftler sind freilich überzeugt, dass die Dunkelziffer noch weit höher liegt. Mancher Befragte, so die Vermutung, schummele eben nicht nur auf dem Versicherungsbogen, sondern auch bei der Antwort im Rahmen der Studie.

Der Erhebung zufolge sind vor allem junge Kunden bereit, ihre Versicherung zu betrügen. In der Altersgruppe bis 30 Jahre liegt der Anteil derjenigen, die zugeben, zuletzt falsche Angaben gemacht zu haben, mit 13 Prozent gut dreimal so hoch wie bei den Befragten über 55 Jahren. Als beliebteste Disziplin des „Volkssports“ Versicherungsbetrug ermittelt die Studie bewusst übertriebene Angaben über die Schadenhöhe. Eine andere populäre Variante, die Assekuranz zu prellen, sei die „Schadenumdefinierung“: Da wird dann angegeben, dass die Bohrmaschine in die Badewanne gefallen sei, obwohl das natürlich nie passiert ist“, erläutert Instituts-Sprecher Ansgar Metz.

Er erinnert daran, dass sich die aktuelle Umfrage ausschließlich auf den zuletzt gemeldeten Schaden bezieht. Die Quote der Betrüger steige nämlich deutlich, wenn die Versicherungskunden gefragt werden, ob sie irgendwann schon einmal ihren Versicherer belogen haben. Dann räumten nicht nur sieben, sondern 27 Prozent falsche Angaben ein. Moral, Anstand und Ehrlichkeit sind offenbar zunehmend im Schwinden begriffen. Wer also sitzt nicht im Glashaus?
Autor: nnz

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