Fr, 15:29 Uhr
19.07.2002
Mittelalterliches Klo gefunden
Nordhausen (nnz). Bei Schachtarbeiten für den Bau einer Tiefgarage an der Neustadtstraße in Nordhausen haben jetzt Archäologen interessante Funde aus dem 12. bis 17. Jahrhundert geborgen. Darunter auch ein Klo...
Der historisch wertvollste ist eine Kloake aus dem Mittelalter, deren Ecken aus Natursteinen aufgemauert und die vom einem Kreuzgewölbe überspannt wurde. Die Eckpfosten reichten 1,80 Meter tief in die Erde. Hans-Jürgen Grönke von der Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Nordhausen: Eine Anlage dieser Art mit ihren Eckpfosten und dem Gewölbe ist ganz selten. So weit, wie ich weiß, ist es auch erst der zweite Fund dieser Art in ganz Thüringen. Den ersten gab es übrigens ebenfalls in Nordhausen, Mitte der 90er Jahre in der Pfaffengasse. Um den Fund wissenschaftlich einzuordnen, wird jetzt deutschlandweit nach vergleichbaren Anlagen geforscht. In dieser Kloake, die man mit einem Plumpsklo vergleichen kann, fanden sich ebenfalls Kugelbodengefäße. Das seien Töpfe, die man beim Kochen direkt ins Feuer gestellt habe.
Darüber hinaus stießen die Archäologen dort auch auf Grapentöpfe. Das sei ebenfalls ein Kochgeschirr, das allerdings drei Beine habe und auf diesen im Feuer stand. Unmittelbar daneben lagen Kirschkerne, Wallnuss-Schalen und Haselnüsse. Grönke erklärt: Irgendwann ist die Kloake als Toilette außer Betrieb gegangen. Dann wurde sie wahrscheinlich auch als Abfallgrube benutzt. Durch die Erde, die sich über die Jahrhunderte darüber abgelagert hat, wurden die organischen Reste praktisch konserviert.
Ein weiterer Fund war ein Brunnen, gebaut aus behauenen Sandsteinen, der noch etwa 80 Zentimeter tief in den Boden reichte. Zwei kleinere Zisternen - auch sie dienten später als Abfallgruben - enthielten Scherben aus dem Spätmittelater. Ein Holzfass, früher vermutlich als Heringstonne verwendet, und danach auch wieder ein Müllbehältnis, enthielt kleinere Tierknochen, Glasscherben und Getreidekörner.
In zwei weiteren Abfallgruben, die eine etwa 80 Zentimeter, die andere 1,30 Meter tief, fanden sich weitere zahlreiche Kugelbodengefässe, Grapentöpfe, Scherben und Knochen. Eine dritte Abfallgrube erwies sich als aus Sandsteinen gemauerter Schacht, in dem die Experten einen blaugrauen Tonbecher mit Gurtbandverzierung fanden. Alle Funde sind jetzt gehoben, werden in Nordhausen gesäubert, für die Dokumentation fotografiert und abgezeichnet. Die Knochen bzw. Hölzer der Tonne werden in Weimar beim Landesamt für archäologische Denkmalpflege untersucht und bestimmt. Danach zeigen wir alle Fundstücke im Tabakspeicher , kündigte Grönke an.
Das Gelände, auf denen die Funde gemacht wurden, habe bis zu ihrer Zerstörung 1945 an den Straßenzügen Vor dem Vogel und Backhausberg gelegen. In der Zeit, aus der die Fundstücke stammten, hätten sich dort Wohnhäuser, Handwerksbetriebe, Wohnungen für Tagelöhner, aber auch eine Brauerei befunden. Mit Beginn der Grabungsarbeiten für die Tiefgarage waren die Archäologen vor Ort. Auf Funde deuten zuerst immer Bodenverfärbungen hin. Die Schachtarbeiten stoppen dann, und die Experten fangen an zu graben, erklärte Grönke. Die Fundstelle sei - neben der an der ehemaligen Jakobi-Kirche aus der Mitte der 90er Jahre - eine der bedeutendsten in Nordhausen. Beide Funde stehen im Zusammenhang mit den Stadtumbauarbeiten im Nordhäuser Stadtzentrum in Vorbereitung der 2. Thüringer Landesgartenschau im Jahr 2004.
Autor: nnzDer historisch wertvollste ist eine Kloake aus dem Mittelalter, deren Ecken aus Natursteinen aufgemauert und die vom einem Kreuzgewölbe überspannt wurde. Die Eckpfosten reichten 1,80 Meter tief in die Erde. Hans-Jürgen Grönke von der Denkmalschutzbehörde bei der Stadt Nordhausen: Eine Anlage dieser Art mit ihren Eckpfosten und dem Gewölbe ist ganz selten. So weit, wie ich weiß, ist es auch erst der zweite Fund dieser Art in ganz Thüringen. Den ersten gab es übrigens ebenfalls in Nordhausen, Mitte der 90er Jahre in der Pfaffengasse. Um den Fund wissenschaftlich einzuordnen, wird jetzt deutschlandweit nach vergleichbaren Anlagen geforscht. In dieser Kloake, die man mit einem Plumpsklo vergleichen kann, fanden sich ebenfalls Kugelbodengefäße. Das seien Töpfe, die man beim Kochen direkt ins Feuer gestellt habe.
Darüber hinaus stießen die Archäologen dort auch auf Grapentöpfe. Das sei ebenfalls ein Kochgeschirr, das allerdings drei Beine habe und auf diesen im Feuer stand. Unmittelbar daneben lagen Kirschkerne, Wallnuss-Schalen und Haselnüsse. Grönke erklärt: Irgendwann ist die Kloake als Toilette außer Betrieb gegangen. Dann wurde sie wahrscheinlich auch als Abfallgrube benutzt. Durch die Erde, die sich über die Jahrhunderte darüber abgelagert hat, wurden die organischen Reste praktisch konserviert.
Ein weiterer Fund war ein Brunnen, gebaut aus behauenen Sandsteinen, der noch etwa 80 Zentimeter tief in den Boden reichte. Zwei kleinere Zisternen - auch sie dienten später als Abfallgruben - enthielten Scherben aus dem Spätmittelater. Ein Holzfass, früher vermutlich als Heringstonne verwendet, und danach auch wieder ein Müllbehältnis, enthielt kleinere Tierknochen, Glasscherben und Getreidekörner.
In zwei weiteren Abfallgruben, die eine etwa 80 Zentimeter, die andere 1,30 Meter tief, fanden sich weitere zahlreiche Kugelbodengefässe, Grapentöpfe, Scherben und Knochen. Eine dritte Abfallgrube erwies sich als aus Sandsteinen gemauerter Schacht, in dem die Experten einen blaugrauen Tonbecher mit Gurtbandverzierung fanden. Alle Funde sind jetzt gehoben, werden in Nordhausen gesäubert, für die Dokumentation fotografiert und abgezeichnet. Die Knochen bzw. Hölzer der Tonne werden in Weimar beim Landesamt für archäologische Denkmalpflege untersucht und bestimmt. Danach zeigen wir alle Fundstücke im Tabakspeicher , kündigte Grönke an.
Das Gelände, auf denen die Funde gemacht wurden, habe bis zu ihrer Zerstörung 1945 an den Straßenzügen Vor dem Vogel und Backhausberg gelegen. In der Zeit, aus der die Fundstücke stammten, hätten sich dort Wohnhäuser, Handwerksbetriebe, Wohnungen für Tagelöhner, aber auch eine Brauerei befunden. Mit Beginn der Grabungsarbeiten für die Tiefgarage waren die Archäologen vor Ort. Auf Funde deuten zuerst immer Bodenverfärbungen hin. Die Schachtarbeiten stoppen dann, und die Experten fangen an zu graben, erklärte Grönke. Die Fundstelle sei - neben der an der ehemaligen Jakobi-Kirche aus der Mitte der 90er Jahre - eine der bedeutendsten in Nordhausen. Beide Funde stehen im Zusammenhang mit den Stadtumbauarbeiten im Nordhäuser Stadtzentrum in Vorbereitung der 2. Thüringer Landesgartenschau im Jahr 2004.


