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Do, 16:02 Uhr
30.10.2008

nnz-Forum: Ein erster Schritt

Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz referierte gestern in der Fachhochschule mit dem Fazit „Thüringen ganz oben“. Bündnis 90 Grüne waren mit dabei und rieben sich die Augen. Ist das die Wirklichkeit von Nordthüringen im Jahr 2008 oder bereits der Auftakt zum Wahljahr 2009?

„Anschluss an den Westen nicht geschafft“, so wertete das IWK (Hallenser Institut für Wirtschaftsforschung) ökonomische Prozesse im Osten Deutschlands, die unseren zumindest ähnlich sind. Berechtigt die knapp ein Jahrzehnt anstehende Frage: Welche Wirtschaftsstruktur lässt sich nachhaltig mit geeigneten territorialen Potentialen so koppeln, dass besonders die mittelständischen Unternehmen in ihrer Innovationskraft gestärkt werden?

Sehr unterschiedliche Lösungsansätze an unseren Rändern, so die industrielle Städtekette an der Autobahn A4 von Eisenach bis Jena oder der Schub moderner Industrieentwicklung im Raum Halle-Leipzig drängten längst nach differenzierter Analyse und Schlussfolgerungen. Stattdessen die folgenschwere Fehlentscheidung: Planung und Entwicklung eines großen Industriegebietes „Goldene Aue“ in Autobahnnähe, ohne Alternative und solide Bilanz der Folgen. Den Gunstfaktor einer Fachhochschule noch dazu addiert, schien eine verlockende Summenformel zu ergeben, die externe Investoren geradezu magisch anziehen sollte, aber nicht konnte.

Stadt und Landkreis Nordhausen benötigen gerade solche Entwicklungen der Industrie, die uns zunehmend immun machen gegen Rezession und Krisenentwicklung. Miteinander vernetzte mittelständische Strukturen, Wissenschaftspotentiale und spezialisiertes Handwerk sind dazu robuster und leistungsfähiger als größere Produktionseinheiten etwa aus dem Zulieferbereich mit Niedriglöhnen.

Die Planung von Großindustrieflächen ohne nachhaltige Industriestrategie wird leicht zu einem Signal für solche Betriebe, die von Kapitalfonds gesteuert, europaweit in Richtung höchster Renditen vagabundieren. Wird die Gefahr nicht erkannt wie ehemals beim EC-BIC? Will man oder darf man nicht? Der Rückgriff auf das planwirtschaftlich orientierte Modell eines großen Industriegebietes in der Goldenen Aue verdeckte nicht die gravierenden Rückstände in der Wirtschaftsstrategie und Wirtschaftsförderung. Selbst früher geäußerte warnende Hinweise dazu vom thüringischen Wirtschaftsminister verhallten.

Seit Jahren entstanden in den benachbarten Bundesländern Netzwerke zwischen Hochschulen und der Industrie so z.B. Solartechnologie, Batterien für Kfz- Elektromotoren durch Nanotechnologie oder leistungsfähige Biotechnologie. Letztlich geht es aber um weniger Harz IV- Empfänger, weniger Abwanderung, ja um Nachteile armer Kinder mit geringeren Bildungschancen.

Trotzdem wurden bereits Fördermittel in Millionenhöhe für das Industriegebiet geplant, beantragt und teilweise für Vorarbeiten ausgegeben. Allein die Absicht einer solchen Geldverschwendung nach fast 10-jähriger Erfolglosigkeit muss gestoppt werden, bei endlich klarer Benennung bisheriger Verantwortung. Notwendig ist eine radikale Umlenkung jener finanziellen Mittel in Vorhaben der Industrieforschung für unsere Unternehmen, Gewerbe und Handwerk, die einen Innovationsschub erzielen und qualitativ anspruchsvolle Arbeitsplätze entwickeln und sichern wollen. Gisela Hartmann/ Dr. Horst Kox, Gruppe Bündnis/90 Die Grünen im Kreistag Nordhausen
Autor: nnz

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